Nordwärts. Immer sachte nordwärts..

Tordesillas am Duero. Am 7. April brachte mich eine zweistündige Reise über Landstrassen von Salamanca aus glatte 90 Kilometer weit bis hierher.  

Castilla y León ist die grösste Region Spaniens und eine weite Hochebene. Man ist beinahe ständig auf etwa 700 m.ü.M., was die eher bescheidenen Temperaturen erklärt. Hier liegt übrigens auch das Weingebiet Ribera del Duero. Saftig grüne Wiesen, frisch gepflügte Felder, sanft gewellte Hügel prägen die Gegend. Und Reben ! Malerisch.

Tordesillas

Der Campingplatz El Astral liegt am Duero unterhalb vom Dorf Tordesillas
Das Restaurant auf dem Platz ist weit herum bekannt für seine Grilladen ! Ich habe gestern saftige Iberische Schweinerippchen genossen mit perfekt frittierten Pommes und mit einem Tempranillo aus der Gegend.
Was die im Restaurant arbeitenden Spanier anfangs bestimmt etwas irritiert haben dürfte: um 19 Uhr ist Türöffnung, und um 19.05h sind alle Tische besetzt ! Nicht von Spaniern, versteht sich; diese kommen erst gegen 21 Uhr.

Eine nette Tradition: jede Stadt und praktisch jedes Dorf hat eine ‘Plaza Mayor’ (hier inklusive Gemeindehaus samt Uhrtürmchen), in deren Innenhof es wimmelt von kleinen Restaurants und Bars. Weniger nett ist die Tatsache, dass das Geschäft in den Läden und Restaurants super läuft bis etwa 14 Uhr, dann ist plötzlich alles leer und geschlossen bis mindestens 17.00h. Und das ist oft genau dann, wenn ich unterwegs bin, weil es etwas wärmer ist – und Zeit hätte…

Sorio (immer noch Castilla y León)

Der Campingplatz in Sorio auf dem Weg nach Saragossa. Gleich neben dem Platz lebt eine ganze Storchenkolonie.

Ich war etwas zu langsam beim Umrunden des Eingangsgatters. Jeder Baum an der Strasse trägt mindestens ein Nest, und viele der Jungen sind bereits geschlüpft.

Villafranca (Region Aragón)

Villafranca bei Saragossa. Hier habe ich am 12. April Barbara und Hans mit ihrem Expeditionsmobil getroffen. Sie kamen gerade zurück von ihrer abenteuerlichen Fahrt durch die Wüste ‘Bardenas Reales’ in der Provinz Navarra, wo sie sich mit Begeisterung von der Strasse weg in die unwegsameren Gebiete gewagt hatten mit ihrem Land Rover.

Die Pyramide ‘Castildetierra’ ist das Wahrzeichen der Wüste Bardenas Reales. Sie besteht aus Lehm und Sandstein und wird stetig von Wind und Wetter abgetragen. Der etwas.. ähm… suggestive Kamin steht nur noch dank einer natürlichen steinernen Platte ganz oben, welche die totale Erosion noch für eine Weile behindert.

Da ich nur eine Nacht auf dem Campingplatz bleiben durfte (in Spanien sind Frühlingsferien; der Platz ist bis nach Ostern ausgebucht), hat es mir nicht für diese Wüstentour gereicht. Macht nichts – ich kam ja vor allem, um Barbara und Hans wiederzusehen.

Mit Gesellschaft halte ich es anders herum als viele Paare: von diesen sucht immer mal wieder eine Hälfte die Einsamkeit, ehe er/sie es wieder aushält beim doch sehr engen Zusammenleben im Camper. Ich hingegen brauche hin und wieder Menschen, mit denen ich mich unterhalten kann, ehe ich mich satt und zufrieden wieder im Alleinsein übe.

Wir haben vorzüglich gegessen im Restaurant auf dem Platz und einen lustigen Abend miteinander verbracht, und ich habe das Treffen einfach nur genossen.     

Barbara und Hans hielten danach weiter südwärts, und ich driftete planmässig dem Norden zu mit Ziel Bilbao.

Bilbao (im Baskenland / País Vasco / Euskadi)

Das ist ein Stellplatz; das heisst, es gibt zwar Stromanschlüsse, jedoch keine Duschen – aber immerhin ein WC, für welches man den Schlüssel an der Recepción holen kann (und oft lange anstehen muss)… Die Plätze sind auch hier auf einer dreistöckigen Terrasse angelegt. Die besten Plätze sind ganz vorne, und da mein Auto die richtige Kürze hat, bekam ich den Logenplatz ganz links.
Mit dem Bus fährt man von 100 Meter weiter unten direkt ins Stadtzentrum. Einziger Nachteil dieses Platzes: man darf maximal zwei Nächte lang hier stehen. Schade, aber verständlich. Denn wenn wir es alle eilig haben mit dem Besichtigen, brummt die Wirtschaft sofort, nicht (vielleicht) erst später..

Meine Aussicht auf Bilbao hinunter. Schön, nicht ?

Im runden Stadion da unten spielt der populäre Fussballverein Athletic Club eine wichtige Rolle. Er wird traditionell nur mit baskischen Spielern besetzt.
Na bravo. Dann schreien sie bei einem Goal wohl ‘Goaloak’ oder so. Diese Sprache ist einfach ‘anders’, um es mal milde auszudrücken.. In einer Broschüre heisst es für einen Ausflug zum Beispiel ‚Ausrüstung: angemessene Kleidung und Schuhe’, was in Baskisch zu ‘Beharrezkoak: jantzi eta oinetako egokiak’ wird…. Habe ich es nicht gesagt ?! 😊

Die nächtliche Aussicht wurde sogar noch dramatischer; ich ging deshalb erst spät schlafen vor meinem Stadtbesuch am nächsten Tag.

Morgen sind Karfreitags-Prozessionen angesagt in der Stadt. In dieser Gasse stehen grosse ‘Leidensweg-Darstellungen’ bereit für den Umzug.
Hier gibt es – wie in ganz Spanien – viele Nordafrikaner, welche sich als Strassenverkäufer durchschlagen.

Hier heisst die lokale Gebäck-Spezialität ‘Pastel Vasco’ (ganz links). Ich habe natürlich gleich ein Küchlein gekostet. Der buttrige Rührteig war richtig gut, aber die Creme darin eine von der Sorte, die im Falle eines Falles Wurfes glatt an der Wand kleben bleiben würde. Die Pasteis de Nata aus Portugal bleiben vorläufig unangefochtene Auslandgebäck-Sieger.

Die andere Seite vom Hang des Bilbao-Stellplatzes. Auch sehr schön. Überhaupt war das eine sehr erfreuliche Stadt. Ich hätte es gut noch eine Weile ausgehalten hier. Aber gut, man kann nicht alles haben..

Zumaia und Flysch

Zumaia. Ich bin beinahe an der Grenze zu Frankreich angekommen und immer noch in Spanien, weil ich mir einbilde, dass es hier bestimmt etwas wärmer ist als ‘drüben’, nur wenige Kilometer weiter..
Zum Glas Rotwein für 1.50 EUR gibt es im Restaurant auf dem Platz gratis ein Tapa nach Wahl mit warmem Baguette dazu.
Hier habe ich einen eher teuren Campingplatz gewählt mit etwa 30 Euro die Nacht – in der Annahme, dass es da eher noch Platz gibt über Ostern. Das hat auch tadellos geklappt. Und eine schöne Aussicht habe ich noch dazu.

DAS ist Flysch !

Das Wort hatte ich noch nie zuvor gehört, aber beim Nachschlagen stellte sich doch tatsächlich heraus, dass das Simmentaler Dialekt ist und seit 1827 solche geschichteten Felsformationen aus schiefrigem, leicht erodierendem Felsmaterial bezeichnet (zum Beispiel in unseren Alpen). Die Spanier schreiben zwar auch Flysch, sprechen ihn aber als ‘Fliess’ aus.

Hier schob sich einst die tektonische Platte von Iberia unter die euroasiatische und hat diese teilweise aufgestellt bei der Kollision. Seither sieht die Küste von Mutriku über Deba bis Zamaia aus wie eine auf die Seite gelegte Cremeschnitte.

Geologen können in den ‚aufgestellten Buchseiten‘ die fünfzig Millionen Jahre alte Zeitgeschichte der Erde lesen. Auch für Laien faszinierend, sofern man nicht mit Zahlen erschlagen wird..

Ungefähr so stelle ich mir einen Drachenrücken vor.. Dieser hier läuft gerade durch den Strand und verschwindet dann im Meer.

Das war ein richtig schöner Ostersonntag-Bootsausflug. Danach sah es im Dorf allerdings aus, als ob ganz Spanien sich in Zumaia versammelt hätte. Ich radelte deshalb nach der Bootsfahrt gemütlich zurück zu meinem Camping-Restaurant.

Dabei kam ich wieder hier vorbei: das ist ein offizieller Gratis-Stellplatz zwischen zwei Industriegebäuden. Am Morgen war hier jeder Platz belegt, Camper an Camper mit einem halben Meter Abstand zwischen den Fahrzeugen.
Wenn ich solche Ballungen sehe (es gibt noch bedeutend unschönere, wohlgemerkt), dann bin ich jeweils froh, dass ich nicht so arm bin, dass ich mir jeden Rappen sparen muss – und nicht so geizig, dass ich jeden Rappen sparen will 😊

Schlusspunkt 1
Spanisch lernen ? Links ist klar: El gato.
Rechts ergänzend dies: die Gans ist ‘la oca’, die Blöde Gans ‘la idiota’..😊 und beide machen Cuack.

Schlusspunkt 2
Jetzt eilt es aber, sonst ist Ostern vorbei, ehe ich soweit bin..

Ich wünsche euch allen frohe Ostertage und herzerwärmende Feste !  😊

3 Gedanken zu “Nordwärts. Immer sachte nordwärts..

  1. Herzlichen Dank, Theresa !
    Wir müssen uns bloss ein wenig beeilen damit… 🙂
    Ausser den Prozessionen vom Freitag sieht man hier wenig, was wir (auch) mit Ostern verbinden:
    Nirgends bunte Eier oder Osterhasen. Tzzz…

    Ich wünsche dir einen zufriedenen Abend und eine gute Nacht.
    Bis zum nächsten Mal. Liebe Grüsse ! Rose

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