Ein märchenhafter Winter – und ein saukalter dazu !

Weihnachten und Neujahr sind vorbei, und schon geht die Sonne etwas früher auf und später unter. Nur die kalte Bise, die bläst immer noch, und heute schneit es wieder. Schön. Und kalt !
Ehe es aber dennoch Frühling wird, gibt es hier ein paar Winterbilder zur Erinnerung daran, wie ein Winter, wenn er denn schon stattfinden muss, auszusehen hat. Er war so schön ! Und auch die Weihnachtszeit war wohl für die meisten nicht so hektisch wie sonst, sondern ungewohnt ruhig und beschaulich, weil grosse Feste und Geselligkeit rar blieben.  

Die originellste Krippe habe ich dieses Jahr bei Dani angetroffen – verpackt ist sie wenig grösser als eine Tafel Schokolade und ein tolles Beispiel für ‘Reduced to the max’

 

Die schönste Krippe wiederum hat Andy – und neben Esel und Kamel hat sich rechts auch die Katze Aisha auf die Szene geschlichen. Ab dem zweiten Tag lag sie oft zufrieden inmitten der Ausstellung.

Bilderbuch-Winter. Auch im Dezember lag schon eine schöne, weisse Decke, aber im Januar schneite es tagelang wie seit Jahren nicht mehr. Die sonst dunklen ‘Rotkäppchen-und-der-Wolf-Wälder’ verwandelten sich über Nacht in lichte, traumverlorene Märchenlandschaften. An solchen Tagen wird die Welt ganz leise und die weichgezeichnete Landschaft einfach grandios.       

Schnee macht aus Bäumen dramatische Skulpturen und bringt das Blau des Himmels zum Leuchten
..und Schnee schafft aus eigentlich etwas langweiligen Sträuchern verwunschene Miniwälder

Hier war die Schneelast zuviel des Guten – in allen Schneegebieten fielen zahlreiche Bäume um, oder es brachen wie hier dicke Äste unter dem Gewicht.
Aber was für eine märchenhafte Welt !
Es erstaunt mich aber immer noch, wie kurz mir die Zeitspanne zwischen diesen beiden Bildern vorkam (an beinahe derselben Stelle aufgenommen)..
..oder die Zeit zwischen diesen beiden Aufnahmen…

Es gab zwar auch für mich keine grossen Feste in letzter Zeit, aber die kleinen waren herzerwärmend, und ich habe jedes einzelne dankbar genossen und geschätzt.

Zum Beispiel Weihnachten in Steinach am Bodensee im Kreis der Familie Akermann – mit feinem Essen, Singen und Geschenke-Auspacken. Das war festlich und richtig schön –  herzlichen Dank!

Bei unseren direkten Nachbarn Daniela und Alex (hinten links) gab es abends vor einem lustig brennenden Holzfeuer ‚Kaffee mit Schuss‘. Herrlich ! Danke euch !

Dank gebührt auch meiner Schwester Elisabeth und ihrem Mann Sepp in Kirchberg, wo wir bei einem Festessen die Pensionierung unseres Bruders Andi vom 13. Dezember feierten – und wo ich vor lauter Fest das Fotografieren unterliess. Es war toll bei euch, danke !

Köstlich und lustig war es auch bei meiner Tochter in Winkel, wo wir zusammen diesen geschmolzenen Camembert verputzt haben.

Damit alle etwas davon haben, gibt es hier auch gleich Lisas Rezept:
In der Bratpfanne ein Päckchen Baumnusskerne mit drei Esslöffeln Ahornsirup unter Rühren langsam caramelisieren – und danach auf Backpapier abkühlen lassen.
Einen Camembert (z.B. ‘Le Président’) in eine Gratinform legen, kreuzweise einschneiden (schön kommt auch das nicht allzu tiefe, rautenförmige Einritzen wie auf einer Kirschtorte) und einen Esslöffel Honig darüber giessen.
Ein Zweiglein Rosmarin auf den Käse legen und das Ganze im Ofen bei 180°C 20 Minuten backen. Fertig ! Kleines Nachtessen für zwei oder ein Apéro für 5-6. Jeder nimmt sich einen Löffel Käse auf einen Teller und streicht ihn auf die dazu servierten Brotsorten. Dazu gibt’s Trauben, Datteln, Nüsse, Birnen, Pfeffer – und ein Glas guten Rotwein.. Herrlich !

Mit Susy ging es im Dezember auf die verschneiten Schaffhauser Berge ins ‘Siblinger Randenhaus’. Schöne Aussichten, feines Essen, toller Ausflug ! Merci schön, Susy ! Das war eine sehr gute Wahl !

Genossen habe ich auch die interessante Van Gogh–Ausstellung in Zürich, zu welcher ich von Anny eingeladen war. Die animierte ‘Show’ dauerte zwar lediglich eine halbe Stunde, war aber sehr informativ und unterhaltsam – und sie wurde durch ein feines Essen im ‘Zunfthaus Linde Oberstrass’ aufs Schönste abgerundet. Auch dir ein grosses Danke, Anny !

Dani ist unterwegs auf dem Weg zum richtig guten Koch: hier hatten wir die Teller bereits sauber geputzt, aber ich habe bei ihm schon butterzartes Stroganoff, rassige Crevetten in Knoblauch-Olivenöl und raffinierte Apéros genossen. Weiter so; ich komme jederzeit gerne zur Degustation deiner neuen Kreationen ! Auch Horst (rechts) war begeistert.

Für alle, die nach meinem WG-Arrangement gefragt haben: Voilà: mein eigenes Badezimmer, mein eigenes Zimmer (inklusive eigener Fernseher) Chic, nicht ? Ja, finde ich auch ! J ♥

Ich bin meinen beiden Gastgebern Andy und Urs wirklich wahnsinnig dankbar, dass ich immer noch hier wohnen darf. Gleichzeitig hoffe ich natürlich für sie, dass ich in den nächsten Wochen (Monaten…) wieder reisen darf… Wobei es nicht so gut aussieht damit, denn momentan werden die Massnahmen eher ver- als entschärft. Wie gut, dass ich vor drei Jahren losgefahren bin und nicht erst letzten Frühling..

Seltsam, wie sich unser Blick auf die Welt verändert hat; stellt ihr das auch fest an euch ?
Ich bin zum Beispiel dankbarer geworden – auch für die kleinen Dinge, die ich einst für selbstverständlich hielt; etwa für eine Einladung zum Nachmittags-Kaffee oder für ein Essen bei Freunden oder Nachbarn. Und erst recht für die grossen Dinge – wie eben meine Aufnahme hier und die täglichen Gespräche, die mich ‘normal’ bleiben lassen (ja, ja, ich weiss, auch ’normal‘ ist relativ… ). Dankbar auch für meine Familie, die immer zu mir gehören wird, wie weit voneinander wir auch leben – und wie selten wir uns auch sehen.

Ich bin allerdings auch träge geworden.
Ich habe mich schon ziemlich ans Abgeschottet-Sein gewöhnt (wobei ich in meiner unterhaltsamen Dreier-WG glücklich dran bin und zum täglichen Plaudern, Diskutieren, Lachen und gemeinsamen Essen komme). Das Sich-Gewöhnen-Müssen hat eher damit zu tun, dass keine grösseren Feste mehr gefeiert werden und man nur noch hin und wieder vereinzelt andere Menschen trifft.
Und da man niemanden in die Lage bringen möchte, aus Angst ein vorgeschlagenes Treffen absagen zu müssen, fragt man gar nicht erst. Und glaubt mit der Zeit sogar, das sei bestimmt am besten so…

Vielleicht müssen wir uns etwas einfallen lassen, um nicht (allzu) seltsam zu werden, falls die Corona-Umstände andauern. Bloss was ?
Ich habe damit begonnen, mit ‘Babbel’ spanisch zu lernen, falls ich doch noch auf die Kanaren kommen sollte. Und ich habe versucht, auf ‘Duolingo’ mein bisschen griechisch beizubehalten. Letzteres ist ein gratis-App, und das merkt man; ‘Er macht Ouzo’ war noch der alltagstauglichste Satz der letzten Tage, auch wenn ich niemanden kenne, der Ouzo macht. Immerhin ein paar, die ihn trinken.
Ausserdem wollte ich mir das ‘Jerusalema’-Tänzchen beibringen, kriege es aber ums Verwurgen nicht hin.. Tzzzz…

Ich freue mich über gescheite Tipps für einen gescheiten Lebenswandel in ungescheiten Zeiten !
Bleibt alle gesund und freut euch des Lebens !

PS Das ‚Matterhörnchen‘ links sei der Eiger, hat man mir gesagt (ohne Gewähr).
Sicher ist immerhin, dass der Mast rechts der Bildmitte auf dem Zürcher Haushügel Üetliberg steht..

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Einfach schön ! 😊 Schön einfach eher nicht…😉

Oder anders ausgedrückt: ich bin immer noch in der Schweiz statt auf den Kanaren…

Herbstnebel über Augwil

Ich gebe es ja zu: ich hatte (naiverweise) tatsächlich eine Zeitlang angenommen, dass sich der Corona-Spuk urplötzlich in Luft auflösen würde und ich doch noch…  Aber nein, doch nicht.. 

Es ist Spätherbst geworden, und aus Griechenland erreichen mich immer mal wieder Fotos von kilometerlangen, leeren Sandstränden  – und von hemdsärmeligen, ehemaligen Campingnachbarn, welche wieder dort weilen. Sie berichten, dass die Sonne scheine bei 23 Grad. Na toll !

Diese Ex-Nachbarn sind allerdings schon vor den Grenzschliessungen und Teil-Lockdowns losgefahren, was ich wegen meinem Garagentermin verpasst hatte. Dass meine Verspätung ganz eigentlich ein Glücksfall für mich war, habe ich erst allmählich begriffen. 😊

Mein ursprünglicher Winterplan sah vor, zügig durch Frankreich und Spanien zu fahren und in Cádiz die Fähre Richtung Kanarische Inseln zu entern. Dann wäre ich drei Tage lang gemütlich durch den Atlantik geschippert, um schliesslich auf La Palma hoch auf dem Berg in Puntagorda ein kleines Gästehaus zu beziehen. Dort hätte ich selber Gäste empfangen können – meine (theoretischen) Gastgeber bieten nämlich geführte Insel-Wanderungen, Yogalektionen und Massagen an. Tönt perfekt, nicht wahr ?

Stattdessen habe ich mich bei Andy und Urs in Augwil (hinter dem Flughafen Zürich) als WG-Partnerin eingenistet in ihrem grossen, gemütlichen Gästezimmer und geniesse den Komfort, das fröhliche Beisammensein und die kuschelige Wärme in der Wohnung. Ich kann in Läden einkaufen, die ich gut kenne und gehe spazieren, wenn die Sonne scheint und den Herbst zum Leuchten bringt.

Ein grosser Wald nebenan lädt zum Erkunden ein, und beim Umrunden des gepflegten Golfplatzes gleich um die Ecke kann man den Anfängern beim Dreckklumpen-Hauen zusehen (manche treffen auch den Ball). Ich schätze mich auf jeden Fall sehr glücklich, hier sein zu dürfen und bin den Beiden überaus dankbar für ihre Gastfreundschaft in dieser Zeit, welche zum ersten Mal in der Geschichte das Reisen an sich für extrem unsexy erklärt hat.  

Auf langen Spaziergängen hat man Zeit für Details: dieser Baumpilz sieht von unten aus wie eine Muschel
Hier hat Andy sein berühmtes Gschwellti und Chäs–Buffet angerichtet: 27 verschiedene Sorten Käse, dazu Kartoffeln und ein feiner Wein – was für ein Festmahl !

Wir haben es richtig gut und kochen gemeinsam oder gönnen uns ein Essen auswärts. Apropos: unterstützt auch eure Wirte und esst mal wieder bei ihnen. 😊

Wir sind zum Beispiel öfter bei feinem asiatischen Essen im Red Lion in Kloten anzutreffen, wo Kurt und Bin den Laden schmeissen. Wenn nicht viel los ist (was momentan leider in vielen Restaurants die Regel ist), spielen sie auch gerne ‘Oldies Wunschkonzert’ auf ihrer Musikanlage. Macht Spass !

Im Restaurant Freihof in Lufingen gibt es saftige Cordon Bleus und im Restaurant Salitre in Winterthur fantastisches Tatar mit Belper Knolle (Bild oben), um nur ein paar Empfehlungen anzubringen.. Toll !

Einmalig (ähm, nicht zuletzt aus Kostengründen) war auch das ‘Amuse Bouche‚ Mittagessen mit Dani im Hotel The Dolder Grand in Zürich – Teuer, aber einfach genial !

Dieses ‘Schloss-Hotel’ thront hoch über der Stadt und dem Zürichsee, und das Menu aus lauter Mini-Gängen war zum Hinknien köstlich und entsprach genau meinem Motto: Un peu de tout, s’il vous plaît ! 😊

Dolder Schlossturm – Rechts zur Einstimmung ein paar Grüsse aus der Küche…
Links eine Jakobsmuschel mit Kaviar auf Pastinake und Pata Negra Schinken, rechts unten einer von drei Hauptgängen im Miniformat.

Wir wurden mit sagenhaften 27 exquisiten Mini-Gerichten verwöhnt (jeweils drei aufs Mal), und als wir uns danach satt und zufrieden zurücklehnten, wurden wir zum Kaffee noch mit einer Auswahl feinster Pralinés bedacht. Oh Wonne ! Was für eine fantastische Erfahrung !

Schön war es auch in Vitznau, wo ich  bei Vreni und Werni nicht nur kulinarisch verwöhnt wurde, sondern auch diese grandiose Aussicht genoss (der Bahnübergang vor der Kirche gehört zur Rigibahn).
Unser ‘Haus-Milan’ zieht Kreise über dem Herbstwald

Nach drei Monaten Wartezeit durfte ich im Oktober endlich meinen Pössl in die Garage Jestetten bringen. Dort haben sie den Sommer über lieber neue Wohnmobile verkauft als alte Kunden betreut..

Aber nun habe ich einen Wechselrichter und eine Stromkontrolle für meine beiden Solarpanele auf dem Dach – ich kann also freistehen UND mein Handy dabei aufladen. Mein Moskitonetz in der Schiebetüre hat auch wieder eine Zuzieh-Schnur, und auch das kaputte Rücklicht ist repariert.

Nur der Fahrradträger hängt immer noch schief, denn dafür hat es denn doch nicht mehr gereicht.. Nun ja, man kann nicht alles haben..

Am Freitag vor meinem Montag-Garagentermin hatte Deutschland übrigens angekündigt, dass sie die Grenze von Baden-Württemberg für Verkehr aus dem Kanton Zürich schliessen würden.
Also bin ich schon am Freitag mit Astrid nach Jestetten gefahren (sie hat mich netterweise zurück gebracht nach der Autoabgabe) – in einer langen Kolonne von weiteren Zürchern. Ich hatte den Termin im Kopf, die anderen vor allem eine lange Einkaufsliste in der Tasche.
Wie peinlich ! Alle Parkplätze vor Aldi und Edeka voll besetzt mit schicken Audis und BMWs mit Zürcher Nummern, und in den Läden ging wieder einmal das WC-Papier aus.. 😊 Was haben die Leute nur immer mit ihrem blöden WC-Papier ?!

Bereits am Samstag wurde die Grenzenschliessung wieder aufgehoben, denn die Grenzorte – zumindest die Geschäfte dort – lieben ihre sparsamen Schweizer Kunden. Für mich hatte dies immerhin den Vorteil, dass ich mir mein Auto nicht an den Zoll liefern lassen musste.. 

Dieser romantische Weiher sieht aus, als ob ich ihn auf einer einsamen Alp angetroffen hätte; er liegt jedoch nur wenige Schritte neben der Hauptstrasse in Kloten.
Auch unerwartet schön ist schön.

Manchmal, wenn wir im dichten, kalt-feuchten Nebel stecken, denke ich an Griechenland, wo ich im Frühlings-Lockdown am sonnigen Strand sass; dann werde ich für einen kleinen Moment etwas nostalgisch. Aber meistens finde ich es einfach bedingungslos herrlich, dass ich in diesen Zeiten hier bin und hier sein darf ! 😊

Ich möchte in den nächsten Tagen herausfinden, wer in meiner näheren Umgebung keine Angst davor hat, jemanden (ähm: mich…) zu treffen. Die würde ich dann gerne besuchen auf einen Kaffee oder auf ein Glas Wein – und natürlich auf ein Plauderstündchen. Ich freue mich darauf .😊

Euch allen wünsche ich gute Gesundheit und Wohlergehen – und lasst euch bloss nicht verrückt machen; auch das hier geht vorüber.

Apropos Sherlock Holmes: Wie fällt man eigentlich vorsätzlich in Ohnmacht ?

Ich habe kürzlich Doyles 50 Kurzgeschichten mit Sherlock Holmes gelesen. Natürlich nicht alle aufs Mal, aber immer mal wieder eine, wenn ich eine Zwischen-Lektüre brauchte. Die Geschichten sind spannend, und Sherlock Holmes ist tatsächlich brillant. Seltsam, aber brillant.

Es ist schon auffallend, wie zuverlässig die Damen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Ohnmacht fielen.
Eine schlechte Nachricht, ein nächtlicher Schrecken, eine feurige Liebeserklärung, ein ertappter Einbrecher, und zack – weg waren sie !

War das wirklich nur eine Modeerscheinung ?
Falls ja: wie haben die das hingekriegt ? Und warum hatte nicht die Hälfte der besseren Gesellschaft ständig Beulen am am Kopf vom Aufschlagen ? Und wenn sie keine hatten (weil das Ganze bloss vorgetäuscht war), warum hat man dann Riechsalz geholt, um die Gute ‘wiederzubeleben’ ?
Ausschliesslich an den eng geschnürten Walknochen-Korsetts kann es ja nicht gelegen haben, dass nur die ‘bessere Gesellschaft’ dem Brauch frönte.

Es gab zu viktorianischen Zeiten doch tatsächlich ‘Ohnmachtsräume’ in besseren Herrschaftshäusern. Ich kann die Hausherrin förmlich hören: «Komm, Kusine Mary, lass uns vor dem Abendessen noch ein kleines Viertelstündchen in Ohnmacht fallen».

Das männliche Gegenstück zur Ohnmacht war zu jener Zeit das ‘Brain Fever’. Die Bezeichnung steht zwar ausserdem für die durchaus gefährliche Hirnhautentzündung, aber oft war es laut den Erzählungen eine andere Form der Ohnmacht, auf welche die Herren zurückgriffen, um sich ebenso effektiv aus einer Affäre zu ziehen wie es die Frauen mit ihrem ‘Swooning’ taten.

Sir Henry Baskerville zum Beispiel fiel aus Versehen in eine (eigentlich den Frauen vorbehaltene) Ohnmacht, als der fluoreszierende Höllenhund auf ihn zugeschossen kam im Nebel. Er besann sich danach aber eines Besseren und ergab sich noch in derselben Nacht dem fiebrigen, sehr männlichen Delirium, welches deutlich mehr hermacht. Der arme Kerl musste als Folge des Schreckens rund um die Welt reisen (natürlich in Begleitung seines Arztes), ehe er vollständig geheilt war und Gottseidank seinen gewohnten, herrschaftlichen Müssiggang wieder aufnehmen konnte.  

Wahrscheinlich haben sich die Männer das ‘Brain Fever’ abgewöhnt, weil es heutzutage einfach zu wenig Familien gibt, die es ihren Mitgliedern finanziell ermöglichen könnten, sich immer mal wieder auf einer Weltreise von einem Schrecken zu erholen.  

Und die Frauen ? Nun ja, wenn man als Hauptdarsteller auf dem Sofa liegt und mit geschlossenen Augen auf das Riechsalz warten muss, verpasst man womöglich den besten Teil des Riechsalz-Such-Dramas. Anders kann ich mir nicht erklären, warum dieses probate Mittel eines Tages sang-, klang- und ersatzlos verschwand.

😊

Warum ich Zeit habe, antike Ohnmachten zu beleuchten ?
Das wiederum ist eine ganz andere Geschichte..

Von Silberdisteln, der Rosenlauischlucht und Sherlock Holmes

Der Lungernsee – eine kleine Idylle gleich neben der Strasse auf dem Weg nach Grindelwald

Ehe der Herbst noch nasser und kälter wird – oder es womöglich sogar zum ersten Mal schneit: ein paar Berner Oberländer Sommer-Sonnenbilder..

Vergnügliche drei Tage verbrachten Susy (rechts) und ich als Gäste von Myrta und Hans Jörg in Grindelwald.

07.30h Sonnenaufgang vom Balkon unserer Residenz im Chalet Topas in Grindelwald. Traumhaft ! Ganz rechts der Eiger, geradeaus in Weiss das Wetterhorn (wenn ich mich recht erinnere.. 😉)

Ausflug auf den ‘Männlichen’ auf 2345m (rechts oben)

Immer wieder tun sich grandiose Aussichten auf bei der gemütlichen Wanderung Richtung Tal

Geschafft ! Ich habe die Eiger Nordwand mit eigenen Augen gesehen ! Die Sonne steht etwas ungünstig für Fotos, aber es ist ein schöner Berg. Überhaupt wimmelt es hier nachgerade von schönen Bergen !

Aus Alpen-Enzian wird der berühmte Schnaps ‘gegen alles, was nichts ist’ gebrannt.
Nun ja, meistens eher aus dem gelb blühenden Enzian, vor allem aber: nicht aus den Blüten, sondern aus den Wurzeln der Pflanze ! Er schmeckt etwas bitter und erdig – und ist deshalb eher ein Medikament als ‘Das letzte Glas im Stehn’ vor dem Heimgehen nach einem Fest.
Und da die Kühe dicht bewachsene Enzianfelder oft meiden wegen deren Bitterkeit, wird das Wurzelgraben durch die Schnapsbrenner gern gesehen von den Sennen. So, jetzt stimmt’s ungefähr.. 😊  Aber dieses Blau ! Einfach wunderbar !

Die Rinne links speist das Wasserrad der historischen ‘Alten Säge Schwarzwaldalp’. Sie wurde 1896 erbaut, um damit das Holz für den Bau des ‘Kurhaus Schwarzwaldalp’ in der Nähe verarbeiten zu können. Das Kurhaus ist längst abgebrannt, doch die einzigartige Sägerei kann seit deren Restauration im Jahr 1999 wieder besichtigt werden.

Hier sieht man die Säge in Betrieb: https://www.youtube.com/watch?v=YihlGxJWvsc

Auf der Terrasse des Châlet-Hotels Schwarzwaldalp genossen wir einen Kaffee mit ‘Hasli-Chueche’.
Man beachte den edlen Reichsadler mit Krone auf dem feinen Gebäck !
Ein schwarzer Adler auf goldenem Grund ist auch Meiringens Gemeindewappen, und Meiringen wiederum die Zentralgemeinde des Haslitals. Laut Geschichte waren die Hasler bis zum 14. Jahrhundert reichsfrei, also direkt dem deutschen Kaiser unterstellt – und durften deshalb den Reichsadler im Wappen führen. Chic, n’est-ce pas ?!

Die Rosenlaui-Schlucht. In dieser engen Schlucht tosen die Schmelzwasser des Rosenlauigletschers. Die Wildheit des Baches kann man zum Glück bequem von einem gesicherten Fussweg aus bestaunen. Die Schlucht ist auch von dort aus beeindruckend mit ihren bis zu 80 Meter hohen Felswänden und dem stiebenden Wasser.

Das Rosenlaui-Schmelzwasser wird auf dem Weg ins Tal zum Reichenbach, und dessen siebenstufiger Wasserfall wiederum wurde weltberühmt,
als Sherlock Holmes in ‘Sein Letzter Fall’ von der Aussichtsplattform des mit 120 Meter höchsten Falls zu Tode stürzte.

Drei Jahre später tauchte er höchst lebendig wieder auf in der nächsten Kriminalgeschichte: Sir Arthur Conan Doyle hatte sich gezwungen gesehen, dem Druck seiner Leserschaft nach weiteren Abenteuern Sherlock Holmes nachzugeben – und so verwandelte er Holmes’ Todessturz kurzerhand in eine Todes-Inszenierung, welche zur Täuschung eines gefährlichen Feindes gedient hatte..😊. Very clever !

Am Ende der Schlucht haben sich auch hier die Leute verewigt durch ‘Steinmännchen’. Mir gefallen diese Steinfiguren, werden sie doch in grosser Menge ein eigenes Kunstwerk.

Engländer weilten im 19./20. Jahrhundert gerne zur Schwefelbad-Kur im Hotel Rosenlaui aus der Belle Epoque. Deshalb heisst es rechts vom Eingang in Bildmitte nicht ‘Mittagessen’, sondern ‘Luncheon’. Das Hotel bietet auch heute noch gediegene Salons mit vollen Bücherregalen und schweren Ledersesseln, aber keine Fernseher und kein wlan. Originell, nicht ?

Wir genossen im Garten unter Bäumen einen Chäs-Brägel, also geschmolzenen Käse auf Brot.
„Sie meinen Raclette, nicht wahr ?“
Nein, korrigierte mich der Koch, das ist eben NICHT Raclette, weil der (Raclette-) Käse auf Brot serviert wird, nicht auf Kartoffeln.
Aha !(?) Ja gut, essen wir halt Chäs-Brägu statt Raclette…
PS Da das Raclette vorzüglich schmeckte, dürfen sie es gerne nennen, wie sie wollen…

Ach so, ja, die Silberdisteln: sind sie nicht einfach schön ?

Die Zeit im BEO war viel zu bald vorbei
(BEO ist übrigens für Einheimische und Eingeweihte das Berner Oberland; ich dachte ja anfangs, dass von einer lokalen Ladenkette wie Volg oder OBI die Rede wäre. 😊).
Schön war es hier – ich komme gerne wieder !
(Die Liste von Orten, welche ich jederzeit gerne wieder besuchen würde, wächst und wächst – wie schön !)

Schweizer Sommer: Cervelats vom Grill, Belper Knollen und Schokolade

War das ein schöner Sommer !
Knackige Sommersalate und Cervelats vom Grill mit der Familie und Freunden, laue Abende ausklingen lassen bei einem Glas Wein; die hauchdünn gehobelte Käsespezialität ‘Belper Chnolle’ auf feinstem Rinds-Tatar, Schwarzbrot mit knuspriger Rinde.
Schokolade ? Die passt immer und überall ! Wir haben gefeiert und gelacht, und nun ist es unversehens sehr frisch und herbstlich geworden.

Das ist sie, die ‘Belper Knolle’

Die Erfolgsgeschichte der Belper Knolle
Eigentlich war sie gedacht als Knoblauch-Frischkäse, den man anfangs vor allem aufs Brot strich. Erfunden hat ihn ein Käsermeister aus Belp, daher der Name.
Leider wurden die nicht rechtzeitig verkauften Käsebällchen immer sehr hart und damit erst recht nicht mehr verkaufbar. Und dann kam eines Tages jemand aus der Käserfamilie auf die Idee, die Knollen mit schwarzem Pfeffer zu umhüllen, vorsätzlich hart werden zu lassen und ihn als Gewürznote hauchdünn auf Speisen zu hobeln – wie Trüffel. Seither läuft das Geschäft weltweit wie gehobelt !  

Ich habe mich sogar wieder daran gewöhnt, dass ein gutes Essen in einem guten Restaurant hierzulande 100 Franken kosten kann pro Person.

Noch eine Spur problemloser habe ich zur Kenntnis genommen, dass das Essen einfach himmlisch schmeckt und die Auswahl in den Restaurants fantastisch ist (damit wurde ich in Griechenland ja nicht wirklich verwöhnt..)

Auch Raclette und Fondue gehören in mein heimatliches Essprogramm – und Kambly Biscuits und selbstgemachte Fruchtwähen und dunkles Brot mit krachend-knusprigem Rand. Und Torino-Schoggibrügeli, versteht sich.

Auch sonst bin ich angekommen in der Schweiz – und stehe wieder auf dem romantischsten ‘Campingplatz’ von allen – im Rheintal unter dem Kirschbaum.
Oder ich wohne bei Freunden im edlen Gästezimmer mit eigenem Bad in der Nähe des Flughafens – oder inmitten eines Gartenparks in Wallisellen.
Herzlichen Dank euch allen für die Gastfreundschaft – es ist immer wieder schön in der Heimat
(ich habe halt auch den Touristen-Blick drauf).

Ach so, ja: ich habe gearbeitet. Nun ja, das stimmt nicht ganz: ich habe zugeschaut, wie andere arbeiten
(ich selber bin irgendwie zu gemächlich geworden für alles. Weniger Nachsichtige würde es wohl ‘faul’ nennen).

Meinem Bruder habe ich zugesehen beim Heimbringen der Pferde von der Weide..
..meiner Schwägerin beim Wäsche-Aufhängen..

..oder diesem begabten Rentner (man kann ihn für solche Arbeiten mieten ! ) beim Reparieren des Gartenhäuschen-Dachs bei meinen Freunden..

Ab Anfang August versammelten sich wiederum stetig wachsende Gruppen von Störchen auf den Feldern für ein paar letzte fette Mahlzeiten vor dem gemeinsamen Abflug Richtung Westafrika (via Frankreich, Spanien und Gibraltar).

Hier haben wir 75 Vögel gezählt, ehe nach Mitte August die Felder urplötzlich leergefegt waren. Nur ein paar ältere Vogelpaare oder solche mit noch nicht verheilten Verletzungen verbringen den Winter hier und holen sich dann ihr Futter auf Storchenhöfen.

Feste feiern 😊

Sommerliches Mittagessen über dem Bodensee

Ich musste es mir schlicht abgewöhnen, auf die Waage zu stehen. Es ist zu deprimierend, wenn man einsehen muss, dass es nicht zwingend am zu heissem Waschen liegt, wenn Jeans immer enger werden..  

Aber was waren das für schöne Feste ! Ich durfte fünf Mal Geburtstage mitfeiern (einmal sogar meinen eigenen) , wurde bei Freunden und meiner Familie aufs Feinste bekocht, habe viele sehr gute Restaurants besucht und wurde generell nach Strich und Faden verwöhnt.

Ein Geburtstagsfest mitten im Rheintal..
..eines im Restaurant Wunschbrunnen in Opfikon..
..eines im Restaurant Frohsinn in Glattbrugg..
.. und mit den Weinfreunden ging es nach Illnau zu Steaks auf dem heissen Stein im Restaurant Frieden (fein, auch wenn man danach selber duftet wie ein frisch gebratenes Plätzli )

Es gab noch viele, viele weitere Treffen und Essen, Spaziergänge und Wanderungen; es gab viel zu lachen und zu erzählen, sei es in Augwil, Winkel, Vitznau, Balgach, Schmerikon oder Grindelwald.
Es würde allerdings zu weit führen, wollte ich sie alle aufzählen. Schön war es mit euch allen – mein herzlicher Dank ist euch gewiss ! Schön, dass es euch gibt 😊   

Aroniabeeren-Ernte
Noch vor ein paar Jahren wurden diese glänzend schwarzen Beeren in tagelangem Einsatz von Hand gepflückt. 

Nun werden sie ähnlich von den Zweigen gebürstet wie die Oliven in Griechenland, nur müssen die Zweige dazu nicht abgeschnitten werden: stattdessen wird die ganze Staude in die Maschine gebogen (links).  

Der Erntevorgang sieht etwas brutal aus, aber die Stauden springen hinter der Maschine elastisch zurück in die Senkrechte; es scheint ihnen also nichts auszumachen, dass sie für eine Weile beinahe waagrecht gedrückt werden. Rechts der Erntesegen; nun müssen nur noch grobe Stiele und Blätter entfernt werden.

Housesitting

Ich durfte diesen Sommer dreimal zum Housesitting einspringen, währenddessen die rechtmässigen Garten-, Katzen- und Kaninchenbesitzer vier Tage bis zwei Wochen lang Ferien gemacht haben. Für eine Weile macht das ,bisschen etwas tun‘ richtig Spass – und als Gegenleistung bekomme ich jeweils ein ganzes Haus zu meinem exklusiven Gebrauch. Toll, nicht wahr ? Finde ich auch 😊

Als Fütterer hat man automatisch eine Art Fanclub…. 😊 links die Kater Charlie und Poverini – rechts die bereits satte und zufriedene Aisha..
..und hier die Meute aus Balgach. Schön, dass es allen gut geht.

Zum Abschluss ein paar unsortierte Augen-Blicke

Süss: Die ältesten Bauteile dieses hübschen Schlösschens in Thal/SG stammen aus dem Jahr 1362.

Kunstvoll: Die Juckerfarm aus Seegräben hat vor ein paar Jahren den Römerhof in Kloten übernommen. Nun ist auch dieser bekannt für seine überlebensgrossen Skulpturen aus Kürbissen

Patriotisch: pünktlich zum Schweizer Nationalfeiertag vom 1. August kam der Rütlischwur dazu (Das Jahr 1291 ist der Legende nach das Gründungsjahr der Schweiz)
Apropos Legende: auch Wilhelm Tell gibt’s hier fast ganz aus Kürbissen gefertigt – sogar der ‘Apfel’ auf Walters Kopf ist ein Kürbis !
Romantische Abendstimmung im Hafen von Steinach am Bodensee

😊 PS Ich komme gerne nochmals mit Bildern vom Berner Oberland, aber für heute reicht’s: WordPress hat einiges geändert, und ich habe mich etwas schwer getan mit den neuen Regeln…
Das Portal kann man ja gratis nutzen, und wahrscheinlich stimmt es schon: Wenn so ein Produkt gratis ist, bist DU das Produkt…😊

Italien-Schweiz oder von 34° auf 12° Grad in ein paar Stunden

132_01_TicinoHausbootAm 16. Juli verliess ich den italienischen ‘Ticino’ und wandte mich nordwärts.

Die Reise durch Italien verlief problemlos, wenn man von ein paar Tücken bei den Autobahn-Mautstellen absieht. Die Automaten dort erkennen die Streckenkarte manchmal nicht, und in der Hektik – der hupenden Hintermänner wegen – stellt man überrascht fest, dass eine 2D-Mautkarte mindestens acht Einführungsmöglichkeiten hat..

132_xx_Vignette

An der Grenze ins Mendrisio interessierte sich niemand für meine ID, die Autopapiere oder meine Gesundheit, aber eine Zöllnerin kam mit bereits halb vom Trägerblatt gelöster, klebebereiter Vignette auf mich zu und sagte: «Buon giorno, 40 Franken, bitte!». Na, das war ja einfach.

Auf dem ersten schweizerischen Rastplatz in Coldrerio kaufte ich mir ein winziges Croissant mit Lachs und Kresse auf Meerrettichcreme im Easy Stop und bezahlte dafür CHF 9.90 (an die hiesigen Preise werde ich mich wieder für eine Weile gewöhnen müssen).

132_02_VierwaldstätterseeUnd dann hatte ich DIE Idee: weil ich mich erst für morgen angekündigt hatte bei meinen Freunden, würde ich heute noch einen kleinen Schweizer Ausflug machen und morgen entspannt und ausgeschlafen das letzte Wegstück unter die Räder nehmen. Ich wollte mir ja schon lange einmal Merlischachen und sein Schlosshotel ansehen. Überhaupt ist der Vierwaldstättersee einfach schön, und ich war da längst nicht oft genug.

Zuerst bot mir der Gotthard aber noch das, wofür er berühmt ist: ich fuhr im Süden bei strahlendem Sonnenschein hinein – und kam bei nebligem Nieselregen im Norden heraus. 

132_03_SwissChaletMerlischachenMerlischachen liegt malerisch am See, und das Schlosshotel und sein Restaurant Swiss Chalet sind wirklich reizend anzusehen.  
Allerdings kam ich wegen einer Baustelle nicht dazu, anzuhalten, und der dortige Campingplatz war geschlossen. Schade. Dafür schien inzwischen wieder vorsichtig die Sonne. Man kann nicht alles haben.

132_04_CP_VitzauNeue Idee: ich übernachte auf dem Campingplatz in Vitznau und überrasche die im Dorf wohnenden Freunde am nächsten Morgen mit einer Einladung zum Kaffee.

Dieser Platz war zwar tatsächlich offen, aber praktisch randvoll, und in allen Plastik-Vorzelten wurde gerade zu Abend gegessen. Nein, doch nicht (wahrscheinlich wird man etwas gruppenscheu, wenn man oft praktisch allein irgendwo steht).

132_05_ZebuhofDann informierte mich mein Camping-App, dass ich vom ‘Zebuhof’ aus – hoch über dem Lauerzersee – diese Aussicht haben würde (wow !) und er nur drei Stellplätze anbietet. Perfekt ! Nichts wie hin !
Auf dem Bild oben liegt der ‘Zebuhof’ rechts unten, und dort, wo man einen kleinen weissen Wohnwagen erkennen kann am unteren Bildrand, dort stand ich
für die Nacht..

Ich befuhr die einspurige, steile Strasse mit leichtem Herzflattern, war aber grimmig entschlossen, mich dadurch nicht aufhalten zu lassen. Plötzlich stand ich vor einer Fahrverbotstafel, und rechts davon führte eine noch schmalere Strasse steil weiter bergauf.

Als ich eben aufgeben und meine berühmte 23-Punkt-Wendung einleiten wollte, hielt ein Auto neben mir auf dem ‚Strassenspickel‘, und der Mann, der regelmässig hier herauf fährt mit seinen Hunden – zum Spass und zum Spazieren, wie er lachend meinte – lud mich ein, ihm zu folgen. Dann schoss er los, und ich hatte weder Zeit, Mamma mia zu denken noch zu sehen, wo es langging. Wir fuhren in einem Höllentempo den schmalen Bergpfad hinauf, und dieser wollte kein Ende nehmen.

132_06_MeineAussichtUnd plötzlich waren wir beim Zebuhof.
Et voilà – Meine Aussicht auf den Lauerzersee hinunter..
😊 Dazu regnete es leise – bei 12 Grad. Na, bravo..

132_07_ZebuhofHügelIch packte meinen Heizlüfter aus und verbrachte den Abend lesenderweise mit gelegentlichem Blick auf die zerfliessenden Konturen der Wälder ringsum.

132_08_StellplatzZebuhof

132_09_TalfahrtUnter dem Eindruck, dass die Bergfahrt unglaublich steil gewesen war, räumte ich am nächsten Morgen alles besonders sorgfältig weg, auf dass mir ja nichts entgegen komme unterwegs. Es stellte sich heraus, dass die Talfahrt nicht halb so wild war wie befürchtet – und sehr reizvoll dazu.

132_10_LauerzerseeAuf dem Weg ins Tal habe ich ihn dann doch noch ‘erahnt’, den Lauerzersee..

132_11_SunsetAugwil..und in Augwil oberhalb von Kloten wurde ich durch diesen Sonnenuntergang hinter dem Kornfeld begrüsst. Und durch liebe Freunde und ein gemütliches Zimmer. Jetzt bin ich tatsächlich angekommen.

Inzwischen habe ich bereits einige ‘meiner Menschen’ getroffen, mehrere schöne Feste gefeiert und die ersten administrativen Arbeiten angepackt, die ich mir vorgenommen hatte. Es gibt noch viel zu tun..

132_12_Steinach ..und zum Schluss – ja genau, ein Hafen für meine Sammlung – hier Steinach am Bodensee beim Eindunkeln nach einem herrlichen Nachmittag auf dem See. 

Camping an Bord der ‘Hellenic Spirit’ (Patras-Ancona) / Pavia und der Ticino

131_01_HellenicSpiritAls die Ländergrenzen auf- und zugingen wie Drehtüren mit einem übermütigen Kind in der Mitte, habe ich gezögert, getrödelt und bin geblieben, wo ich war.

Es war heiss, und der Schatten verlockend. Nun ist es Sommer geworden; Zeit für meine Schweizer Sommerpause und die Besuche bei meiner Familie und meinen Freunden. Zeit für Administratives (Visa erneuern, endlich einen grünen Versicherungsausweis besorgen, die Autarkie ultimativ anpacken).

Also gut: reise ich halt doch mit der Fähre. Camping an Bord ist, wenn man alle Annehmlichkeiten der Fähre nutzen kann, die Nacht aber im eigenen Camper schläft statt in einer Kabine. Normalerweise darf man nämlich nicht zurück zum Auto, wenn die Fahrzeugdecks erst einmal geschlossen sind.

131_04_Patras_adePatras – Ancona lautete meine Route, und ich habe die gesamten 20 Stunden Reise einfach nur genossen (nun ja, ein paar davon habe ich auch verschlafen).
Rückblickend weiss ich erleichtert, dass sich niemand auch nur ansatzweise dafür interessiert hat, dass ich achteinhalb Monate lang in Griechenland war statt nur sechs.

131_02_Logenplatz

Der Hafen von Patras mit der Stadt im Hintergrund – so gesehen von meinem neuen Logenplatz auf der Fähre

131_03_Deck6Ein luftiger Standort – hier hätten nochmals ein paar Dutzend Campers und LKW Platz..

Eigentlich hätten wir am 13. Juli um 17.30h ablegen sollen, aber um diese Zeit fuhren immer noch einige Lastwagen daher. Was habe ich die Fahrer der Riesendinger bewundert, wenn sie auf Geheiss der ‘Platzanweiser’ locker wendeten auf dem Pier und rückwärts auf die Fähre rollten !

Ähm: vielleicht sollte ich doch wieder einmal irgendwo im Feld das Fahren üben. Es ist nämlich schon erstaunlich, dass ich bisher überall durchgekommen bin. Hier hatte ich aber Glück: als ich dran war, hat ein kleiner Dicker mich so gut eingewiesen mit seinen knappen, präzisen Gesten, dass Ich überzeugt bin, noch nie irgendwo so gerade ausgerichtet gestanden zu haben. Oder höchstens mal aus Versehen.. Das müsste auch ein guter Tänzer sein, denke ich – er hat jedenfalls das Zeug zum Führen 😊

131_05_BrückePatras_adeNach achteinhalb Monaten ist mein griechisches Abenteuer vorbei. Mein letzter Blick auf die Brücke von Patras auf die Peloponnes links davon. Ich könnte mir gut vorstellen, wieder einmal hierher zurückzukommen.  

131_06_3xCamperVansDrei Wohnmobile an allerbester Lage

Wir sind nur zwei ‘Camping-on-Board’ – Vans. Das deutsche Paar vor mir hat im März wie viele andere ihr Mobil stehen lassen und ist heimgeflogen – nun holen sie ihre Ferien nach. Die Slowenen hinter mir haben Kabinen bezogen und waren nie zu sehen. Durch die Aussparungen an der Schiffwand kommen Luft und Licht. Herrlich !

131_07_AussichtBullauge

Was für eine Aussicht ! Meer, so weit das Auge reicht, nur hin und wieder eine kleine Insel oder ein uns kreuzendes Fracht- oder Segelschiff. Dazu den Wind in den Haaren und das Wisch-sch der Wellen gleich unterhalb.

131_08_AussichtLinks

Und dies auf beiden Seiten, denn es sind so wenig Fahrzeuge an Bord, dass ich auch links aus dem Fenster über vier leere Spuren hinweg aufs Meer blicken kann (die Wasserlinie da drüben hob und senkte sich frühmorgens bedrohlich bis über die Mittelschiene hinauf, aber nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und alles wieder ruhig und beschaulich)  

131_09_BugBar

Wie überall, wo ich ‘mich niederlasse’, habe ich zuerst einmal eine Erkundungstour gemacht – und mich prompt mehrfach verlaufen.
Dann fand ich den Spielsalon, wo ein paar LKW-Chauffeure eben ihren Lohn in die einarmigen Banditen versenkten. Im Selbstbedienungsrestaurant wurden Spaghetti Bolognese angeboten, und in der Bar ganz vorne trockneten ein paar einsame Angestellte mit Maske unter dem Kinn Gläser ab. Es mangelt überall an Gästen – und das in den Sommerferien !

131_10_LKW_ChauffeureIrgendwann kam ich zum Chauffeur-Treffpunkt im Heck. Man sieht es den Herren an, was sie sind: beinahe alle rauchen, viele sind übergewichtig, und niemand scheint ein Interesse an der Aussicht zu haben. Aber alle kannten sich und haben einander Bier gebracht von der Theke.

131_11_DinerDa ich nun schon im Luxus-Modus war (immerhin reise ich auch ohne mein Zutun), gönnte ich mir auch gleich noch ein Dîner im Nobel-Restaurant der ‘Hellenic Spirit’, wo wir gerade mal zu dritt sassen.

Die Fischfilets waren nichts Besonderes, aber die knusprig-frischen Brötchen und drei verschiedenen Aufstriche aus Auberginen, Käse und Oliven schmeckten einfach köstlich. Am Ende der Mahlzeit brachte der Kellner einen Raki (also die türkische Variante des mit Anis gebrannten Weinbrands wie Ouzo oder Pastis). Er ging zwar aufs Haus, aber da er nicht mit Wasser verdünnt war, habe ich nur daran genippt, weil 50% Vol. auf 3.75dl Rosé ergibt…. murmel, murmel – jedenfalls zuviel 😊

131_12_Italia

Ich schlief tief und fest, nachdem ich mich an das sachte Schaukeln gewöhnt hatte. Am nächsten Tag gegen 13 Uhr stieg langsam eine Hügelkette aus dem Dunst. Wir näherten uns dem Land und Ancona.

131_13_KornfelderSchon von weitem fielen sie mir auf, die Stoppelfelder nach dem Dreschen an den Hängen, darauf die grossen, runden Strohballen, bereit zum Abtransport. Grüne Wiesen, ziegelrote statt weisse Häuser, runde Kirchenkuppeln. Das war ein Bild, das ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Es war wie Heimkommen.

131_14_Ancona_HafenUnd Ancona ist eine hübsche Stadt, soweit ich sie gesehen habe vom Hafen aus.

Was mir auch sofort angenehm auffiel: ich konnte alle Tafeln nicht nur lesen, sondern verstand auch, was da stand ! Hurra ! Nach den langen, griechisch beschrifteten Monaten war das ein grossartiges Gefühl !

Ich reiste von Ancona 440 km nordwärts. Die Pausen mit eingerechnet war ich dafür sechs Stunden lang unterwegs. Wenn ich nicht die Autobahn benutzt hätte, wären es elf Stunden reine Fahrzeit geworden, und darauf hatte ich nach der ersten halben Stunde auf schlechten Landstrassen spontan keine Lust mehr.

Auf einem Rastplatz kaufte ich mir ein Baguette und ein Dolcemele, eines dieser unvergleichlichen, muffin-ähnlichen Küchlein mit Äpfeln drin. Und gleich beim Eintreten wurde ich aufgefordert, eine Maske zu tragen ! Das war das allererste Mal
für mich, und ich musste das Ding erst holen im Auto, wo es seit März in der Originalverpackung gelegen hatte. Einen Moment lang kriegte ich kaum Luft. Das Ding ist schon sehr gewöhnungsbedürftig..

131_15_Maut_28.20

28.20 Euro hat mich der Einmal-Spass an Maut gekostet für vielleicht 360 km,
und wie gesagt: wenn noch irgend jemand unsere Schweizer Vignette (40 Franken, gültig für ein ganzes Jahr) zu teuer findet, springe ich ihm nahtlos ins Gesicht ! Also gut: 😊 das mit dem Springen ist nicht wörtlich gemeint, und nahtlos schon gar nicht. Aber ich werde immerhin meine Fäuste in die etwas rund gewordenen Seiten stemmen und etwas sagen, das mit «Jetzt hör’mal zu ! Weisst du, was ich in Frankreich, Österreich oder Italien…. ???» beginnt…

131_16_Ticino

Ich stehe heute auf dem Campingplatz Ticino in Pavia unterhalb Mailand bei ca. dem grünen Sternchen oben.

131_27_TicinoDer Platz liegt auf dem Heimweg und optimal für die Einreise in die Schweiz nach einem gemütlichen Reisetag

Spontan dachte ich, dass hier wohl ein Tessiner den Platz führt.
Aber nein: Unser Schweizer Fluss Ticino, nach welchem auch der Kanton benannt ist, entspringt zwar auf der Tessiner Seite des Nufenenpasses, aber beinahe zwei Drittel des Flusses finden (sozusagen) in Italien statt zwischen Lago Maggiore und Pavia, und hier in der Nähe mündet der Ticino in den Po und mit ihm ins Adriatische Meer. Tsk, für mich hörte der Ticino bisher einfach auf am Lago Maggiore…

131_17_Ticino

131_28_TicinoIch habe mir diesen Ticino angesehen – auch die italienische Version ist sehr hübsch und romantisch. Rund um Pavia ist er in einen grossen Park eingebettet. Hier treffen sich die Städter zum Baden und sich Erholen.

131_18_Pavia
Pavia, Piazza della Vittoria. Das ist nur eine der hübschen, lebhaften Ecken in Pavia – ein schönes Städtchen !

131_19_Pavia

131_20_PonteCoperto
Der Stolz der  – ähh – Pavianer (?) : die Gedeckte Brücke (Ponte Coperto)

131_21_PonteCoperto2Die Geschichte ist ebenso lang wie die Brücke, aber kurz gesagt wurde sie während dem letzten Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut. Die Vögel sitzen reihenweise auf dem Brückendach – und die Jugendlichen auf deren steinernen Geländern.

131_23_EinsteinSo, jetzt wissen wir’s: auch Einstein fand die Brücke (relativ) schön ! 😊

131_22_PonteIch werde morgen nordwärts halten – und mit etwas Glück am Freitag in der Schweiz ankommen.. 😊

131_24_Graffiti

Wie aus einer Halbinsel eine Insel wurde

130_01_KanalDie Peloponnes war bis 1881 eine Halbinsel

130_03_DiolkosAber schon Kaiser Nero hatte 67 n.Chr. Pläne für einen Kanal; damals wurden nämlich noch ganze Handelsschiffe auf einem gepflasterten Weg über die Landenge gezogen.

130_02_mapDie Seeleute fürchteten die Umrundung der Peloponnes, denn beim Kap Malea herrschen oft tückische Winde, und das wechselhafte Wetter wurde vielen Schiffen zum Verhängnis (laut Homer wurde schon Odysseus bei seiner Heimreise von einem Sturm überrascht vor diesem Kap).

130_04_Kanal1881 begann der Bau des knapp 6.4 km langen Kanals von Korinth an der schmalsten Enge zwischen Festland und Halbinsel, und zwölf Jahre später war die Peloponnes eine ‘richtige Insel’, also an allen Ufern vom Meer umspült.  Et voilà !😊

Nun konnten die Schiffe ihre Reise um 325 km abkürzen und im sicheren Kanal auf die andere Seite gelangen. Ein feines Stück (ungarischer) Bautechnik !

130_05_Kanal
Die Wände des Kanals sind bis 79 Meter hoch bei Steilwinkeln von 71°–77°

130_07_SenkbrückeAn beiden Enden des Kanals gibt es eine absenkbare Brücke. Dort fahren die Schiffe über die Brücke statt unten durch. Da momentan wenig Verkehr herrscht, habe ich sie leider nicht in Betrieb gesehen. 

130_08_BogenbrückeDer Kanal hat seine Bedeutung etwas verloren, weil er sich für kleine Schiffe besser eignet als für grosse, aber auch heute noch fahren jeden Tag rund 30 Schiffe auf dem schnurgeraden Kanal unter den fünf Brücken hindurch (bzw darüber bei den Senkbrücken), vor allem Yachten und Ausflugboote.

130_06_KanalWald Die Routen der modernen Schiffe führen inzwischen nicht mehr so nahe am gefährlichen Kap Malea vorbei, und dank deren starker Motorisierung ist der Umweg um die Peloponnes herum keine grosse Sache mehr.

Denkwürdiges

130_09_BraemarDieses britische Kreuzfahrtschiff von 22.5 Metern Breite leistete 2019 werbewirksame Präzisionsarbeit mit seiner Kanaldurchreise.
An der schmalsten Stelle ist der Kanal 24.6 Meter breit; es blieb also ein Meter Luft auf jeder Schiffseite. Die ‘Braemar’ ist damit das grösste Schiff, das den Kanal je befahren hat. Die Aktion war ein solcher Erfolg, dass die Reise nächstes Jahr erneut angeboten werden soll.

130_10_RobbieDer Australier Robbie Maddison sprang 2010 mit seinem Motorrad 85 Meter weit über den Kanal – schon bei der Vorstellung wird mir leicht schwindlig…

130_11_GolfKorinthDas Ende des Kanals öffnet sich zum Golf von Korinth

130_12_Pegasus

Neu Korinth: Pegasus und die Taube auf seiner Nase bieten eine zirkusreife Vorstellung auf diesem Brunnen (ich kam gerade auf dem Velo vom Kanalbesuch)

130_13_Camperstop In Alt-Korinth stand ich auf dem ‘Camperstop’ an allerbester Lage gleich neben Abwaschgelegenheit, Dusche/WC und dem Tisch, an welchem ich auf die ersten frisch angekommenen deutschen und holländischen Gäste traf. Es kommen also doch noch einige aus dem Norden hierher. Die über 80-jährigen Betreiber sind froh, dass ihr noch beinahe leerer Platz langsam wieder bevölkert wird.  

130_14_ApollonDer Apollotempel in Alt Korinth ist einer der frühesten dorischen Tempel in Griechenland. Er wurde 560 v.Chr. aus Kalkstein gebaut und war einst das Wahrzeichen der Stadt.

130_15_PaulDas ist Paul. Er ist Engländer und wohnt seit drei Jahren auf dem ‘Camperstop’. Damals hat er es gerade noch hierher geschafft in seinem uralten Wohnmobil. Er möchte hier ein Stück Land kaufen und sich niederlassen. Es eilt ihm aber nicht sehr damit, denn auf dem Campingplatz hilft er beim Einweisen neuer Gäste und wird als Gegenleistung von der Familie verpflegt.

130_16_AusgrabungsstätteDie Ausgrabungsstätte im Licht der untergehenden Sonne. So sah das aus von der Terrasse der ‘Gemelos-Taverne’, wo wir vorzüglich bewirtet wurden mit Ouzo, frischem Fisch und Saganaki, dem gebackenen Käse.
Hier soll übrigens Apostel Paulus seinen ‘Römerbrief’ geschrieben haben.

 Reise-Augen-Blicke

130_17_Agialaia

130_17_Beach2

130_18_Diakopto

130_20_Diakopto

Diakopto am Golf von Korinth. Mit dieser Schmalspurbahn (75cm) kann man sich hoch hinauf in die Berge nach Kalafryta fahren lassen.
Da es glühend heiss war am Bahnhof, habe ich nur die Triebwagen besichtigt (die neue Generation davon ist übrigens von Stadler Rail)

130_26_KalosIrthate

130_21_TsolisView Und nun stehe ich  30 km vor Patras – und habe diese Aussicht, die sehr nach Ferien tönt (wobei das Tönen von der Bar unten links kommt). Der Platz hat sich über Nacht mit Zelten und Motorrädern aufgefüllt. Wochenende in Griechenland !

130_23_ThomasDas ist Thomas. Auch er ist ein Aussteiger und reist mit seiner kultigen, alten Honda und dem passenden Seitenwagen durch die Welt. Wir hatten es kreuzfidel miteinander und haben heute bis um drei Uhr morgens geplaudert – mit Wein im Glas, den Füssen auf dem Geländer und dem Meeresrauschen unter uns.

für die ‚Töffler‘ unter euch: https://www.sidecaronworldtrip.eu/

130_24_Thomas2

130_25_Coast

Epidauros – DAS ist Akustik !

129_01_AmphitheaterDas muschelförmige Amphitheater von Epidauros mit der sagenhaften Akustik

129_02_Epidauros

Im 7. Jahrhundert vor Christus wurde hier ein Tempel für Apollon gebaut. Etwas später trat  Asklepios an die Seite seines mythologischen Göttervaters: Asklepios, Gott der Heilung. Die Epidauren verstanden es, ihre Gemeinde als Geburtsort von Asklepios zu preisen, was neben den Pilgern nun auch Heilungssuchende nach Epidauros lockte, wo Bäderkuren und ganzheitliche Therapien angeboten wurden.

129_03_Katagogion_HostelHier stand das Hostel für die Kurgäste und Pilger. 2500 Jahre später sind zwar nur noch wenig Spuren davon zu sehen – aber immerhin SIND noch welche zu sehen – die haben damals gut gebaut).

Die Griechen verstanden sich schon früh aufs Heilen – und auf das Verhindern von Epidemien (!): Das Hostel bestand aus mehreren, jeweils um einen Innenhof gruppierten Häuser-Rechtecken, so dass ansteckende Kranke gänzlich von den anderen getrennt untergebracht werden konnten.

129_04_AmphiDas am besten erhaltene Bauwerk von Epidauros ist das in den Hang gebaute Theater mit traumhaftem Blick auf die weite Berglandschaft der Argolis.

Die halbkreisförmige Zuschauertribüne bot 14’000 Zuschauern Platz, denn die ganzheitliche Therapie schloss auch Unterhaltung mit ein. Auch heute noch werden dort alljährlich Sommer-Festspiele aufgeführt – ausser im Jahr 2020, versteht sich..

129_05_AsklepiosBeim Theater waren gerade mal ein englisches Paar und ich vor Ort; es ist inzwischen ja auch wirklich viel zu heiss für Besichtigungen von in der Sonne brütenden Steinhaufen  (‚Mad dogs and English men, walking in the midday sun’)..

Aber wir wissen nun, dass es stimmt, was man sich über die Akustik des Theaters erzählt!

Ich habe von ganz oben dem Engländer, der eben auf der Bühne angekommen war, zugerufen, er solle doch bitte etwas singen, und schon kam ein ebenso grottenfalsch gejohltes wie begeistertes «Obladi, oblada, life goes on, hey, lalalala life goes on» von unten. Sehr klassisch ! 😊

Dann folgte der Münzentest: er liess eine Münze auf eine kleine, fix montierte Metallplatte im Zentrum der Bühne fallen. Jawohl: das «Pling» war auch ganz oben laut und deutlich zu hören. Exzellente Akustik, wirklich. Toll !

129_06a_map

Apropos: ich dachte bis heute, dass sich Akkustik mit zwei ‘k’ schreibt.
Da es sich aber vom griechischen akoustikós ableitet, ist das falsch. Es schreibt sich Akustik und ist nicht mit den Akkus verwandt. Da hätte ich eventuell auch selber drauf kommen können..

129_06_CampingNicolasAuf dem Camping Nicolas in Epidauros (in knapp 2 km Entfernung vom Städtchen) habe ich eine herrliche Aussicht aufs Meer.

129_07_AusblickNicolasBlick nach links und nach rechts von meinem Logenplatz aus – erfrischende Brise inklusive

129_08_PromenadeDie Promenade gleich links von mir zur Taverne am Wasser hinten links

129_09_Meereinstieg..und ein hübscher Einstieg ins inzwischen sehr angenehm warme Meer

129_11_YachtenGestern haben diese beiden Schiffchen in unserer Bucht übernachtet. Ich denke, dass jede Kabine hinter jedem Bullauge grösser ist als meine ganze ‘Wohnung’.
An Personal mangelt es offenbar auch nicht: sogar für das Ankerlichten heute Morgen standen drei Mann am Bug. Da bin ich aber erleichtert: die Hausfrau muss also kaum selber staubsaugen ..
😊 

129_11b_SonntagStrandbetriebHeute Sonntag ist der Strand ziemlich belebt. Man merkt, dass wir hier nur gerade zwei Autostunden von Athen entfernt sind und dort strengere Abstandsregeln herrschen.
Hinten auf dem Platz sind ein paar Zelte aufgebaut worden im Schatten der dichten Bäume.

Das Jauchzen der Kinder beim Üben des Handstands unter Wasser und fröhliche Gespräche von (stundenlang) im seichten Meer stehenden Erwachsenen schallen über das Wasser. Es ist wirklich schön hier.

Reise-Augenblicke

129_12_TripApollonBeach

129_13_Bay

129_14_NeaKios_FischerhafenNea Kios – am Fischerhafen (ich sammle Häfen, wie es scheint – und dürfte inzwischen etliche Dutzend besucht haben). 

129_15_Hafen

129_16_EpidaurosHafen

129_16_NafplioNafplio. Eine hübsche Stadt, die man unbedingt besichtigen müsste. Ich habe stattdessen unter einer Palme im Rasen gelegen und beschlossen, dass ich wohl doch nicht auf der glühenden Betonplatte beim Hafen-Stellplatz übernachten möchte.

In einer luftigen Taverne habe ich einen Gyros Pita gegessen (also den griechischen Döner Kebab), und bin dann weiter nach Drepano gefahren.

129_16_DrepanoBeach Drepano – bei 40 Grad am glühend heissen Strand – aua !

129_16_DrepanoBarEine himmlisch kühle Brise weht durch die edle Campingplatzbar. Aaaaahhhh !

Der Campingplatz selber liegt allerdings hinter mir zwischen den Hecken und Bäumen, und dort regt sich kaum ein Lüftchen.
Ich bin deshalb am nächsten Tag wieder aufgebrochen auf der Suche nach einem Platz direkt am Meer.

129_16_enRoute

129_xxGegendGegend, so weit das Auge reicht. Hier gibt es noch Weite und Leere.

129_18_KircheImmer wieder schön anzusehen: die griechischen Kirchen mit ihrer markanten Architektur. Leider sind sie oft geschlossen.

129_19_Oleander
Rand-Notiz: Ein ‘Unkraut’ hier heisst Oleander ! Er säumt oft kilometerlang und in allen Farbschattierungen beide Strassenseiten, und auch in ausgetrockneten Flussbetten steht er häufig baumhoch.
Währendem wir Nordländer also unsere kleinen Büsche hegen und pflegen und im Winter in den Keller stellen, schiesst er hier aus dem trockenen Boden wie – wie Unkraut halt..

(wobei die Büsche auf Campingplätzen schon geschnitten und gegossen werden, da sie als Trennhecken dienen sollen und nicht eingehen dürfen). Dennoch: wer hätte das gedacht..

129_20_Vollmond_05Jul2020 Heute ist Vollmond ! Ich vermute ja sehr, dass ihr auch gerade einen solchen habt, aber ‘meiner’ spiegelt sich im Saronischen Golf des  Ägäischen Meeres. Ha ! 😊

Griechische Uhren gehen anders (σιγά, σιγά: gemach, gemach..)

128_01_Sunrise

Siga, siga… Das hört man hier oft (Betonung auf dem ‘a’, also sigaa). Immer schön langsam..

Wir lernen gerade den Unterschied zwischen nordischen und griechischen Zeiteinheiten. Eigentlich… sind wir ja am Dienstag nach Nafplio aufgebrochen. Eigentlich hätten Johnson und Helen dort längst ihr Auto abgeholt. Eigentlich war ich grosszügigerweise bereit, sogar bis Donnerstag auszuharren. Und vielleicht – aber nur vielleicht – ist es nächsten Dienstag tatsächlich soweit.. Ja, ich bin immer noch in Leonidio 😊.

128_02_Johnson&HelenJohnson war auf dem Weg zu seinem abgemachten Termin beim Notar, um sich registrieren zu lassen, als dieser mit dem Motorrad an ihm vorbeifuhr und lachend über die Schulter rief: «Bin gleich wieder da!». Das war er auch prompt – anderthalb Stunden später. Siga, siga..

Der Campingplatzbetreiber hat mir empfohlen, die Platzmiete erst zu bezahlen, wenn wir wirklich abreisen, und zu Johnson meinte er: «Welcome to Greece – get used to it !» 😊

128_03_Taverna

Es ist schön, dass ich problemlos eine Woche – oder so – länger warten kann, und im Dorf werde ich auch schon wie eine alte Bekannte gegrüsst.  Bald habe ich alle Tavernen einmal durch.

128_11_Hauseingang

128_04_GatesZwischenbemerkung: den Katzen hier geht es richtig gut. Sie kommen nur für etwas Gesellschaft, nicht zum Betteln. Die Betreiber des Platzes füttern sie nicht nur, sie lassen auch alle Neuzuzüger gleich unterbinden und impfen. Das ist hierzulande nicht selbstverständlich – und deshalb schön.

128_05_Zikade

(M)Ein Lied an die griechische Singzikade


Juni ist der Monat der Zikaden. Schon der Grieche Anakreon hat eine ‘Hymne an die gottgleiche Singzikade’ verfasst. Um dieses unscheinbare, grillenähnliche Insekt ranken sich zahlreiche Legenden und Mythen. Bei vielen Völkern wurde sie als Sinnbild für die menschliche Seele verehrt und als Symbol für Unsterblichkeit, Wiedergeburt und ein langes Leben.

Da verwundert es nicht, dass sie auch in der Kunst eine grosse Rolle spielt und als schmückende Edelsteinbroschen oder auf Münzen verewigt wurde.

128_06b_MünzeAthen

Anders als Grillen erzeugen Zikaden ihre ‘Musik’ nicht durch das Aneinanderreiben der Beine, sondern durch zwei Trommelorgane am Bauch, deren Schallmembrane durch Muskelkontraktionen zum Klingen gebracht werden.   

Und jetzt kommt’s !
Der gottgleiche Gesang der Zikaden ist schlicht grauenhaft
!

Das schrille, völlig unmusikalische Gerassel geht einem durch Mark und Bein und ist nervenaufreibend !

Das helle Zirpen der Grillen im reifen Kornfeld habe ich immer als ‘Loblied auf den Sommer’ empfunden, aber das hier ist die reine Folter. Und es ist ein einziges Insekt pro Baum, das so einen Lärm macht. Das Biest betreibt ihn gut und gerne eine halbe Stunde lang, ehe es sich kurz ausruht, um dann wieder loszulegen.

128_07_Rassel
Gibt es diese Holzrasseln noch, die wir so gerne um den Stab sausen liessen zur Fasnachtszeit ? Wenn man sich pro Zikade zwanzig solcher Rasseln in einem kleinen Kreis und in voller Aktion vorstellt – und sich selber mittendrin – dann passt das ungefähr.

128_08b_BaumschattenIch weiss das: ich habe mich unter diesen Baum in den Schatten gekuschelt, und das rasselnde Mistvieh wohnt genau über meiner offenen Dachluke und markiert unerschütterlich sein Revier.

Da nur die Männchen ‘singen’ (ha !), hat der alte Xenarchos dazu bemerkt: «Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber». Ist ja gut.

128_12_Sunrise2Da ich dank meinem Mitbewohner bereits lange vor 6 Uhr wach war (siehe Sonnenaufgang oben und ganz oben), habe ich einiges gelesen über diese Tiere – und danach beschlossen, das Männchen auf dem Baum fortan nicht mehr durch ungehaltenes Auf- und Zuscheppern der Dachluke zu unterbrechen in seinem Gesang:

Das arme Ding lebte vier Jahre lang als Raupe tief in der Erde und hat sich von mageren Wurzeln ernährt, ehe es sich verpuppte und sich endlich für sein kurzes geflügeltes Erwachsenen-Gastspiel ans Tageslicht kämpfen durfte. Gönnen wir ihm also die kurze Zeit der Sinnenfreuden im Sonnenlicht.  128_09_Oleander

Nachtrag: Ich bin eben mit dem Velo durch einen Olivenhain gefahren. Auf jedem Baum sitzt eine Zikade, und aus der nötigen Distanz ist der Klangteppich aus Sirren und hellem Ziiiiizzzzzz und Holzrassel-Klappern überhaupt nicht unangenehm und beinahe so etwas wie ‘Ein Loblied an den Sommer’…  😊 Sowas ! 
Wahrscheinlich eignen sich Zikaden einfach nicht als Haustiere..

128_10_ZeltGestern ist ein Grieche mit seiner Frau in ein Zelt eingezogen am anderen Ende des Platzes. Ich weiss nicht, wie sie angereist sind, denn ein Auto ist nirgends zu sehen – bloss die Koffern stehen immer stramm ausgerichtet vor dem Zelt.

Heute Morgen kam der Mann mit einem freundlichen ‘Kalimera’ bei mir vorbei, und dann fragte er mich, ob ich Ärztin sei. Ich habe bescheiden verneint und war milde geschmeichelt, bis mir einfiel, dass unser weisses Kreuz auf der Schweizer Fahne grenzübergreifend von allen Farbenblinden als ‘Rotes Kreuz’ verwendet wird, und dass wir also alle mit so einem ‘Erste Hilfe-Symbol’ auf der Autonummer unterwegs sind.. 😊

128_13_RotweissesKreuzErkenne den Unterschied…
Wenn unser Henri damals ein ‚Hellgrünes Kreuz‘ oder ein ‚Schweizerisches Knallgelbes Kreuz‘ gegründet hätte, wäre alles viel einfacher gewesen. Aber nein….

Arkadiens Leonidio

127_01_Meerplatz

Die junge, nette Zahnärztin Katarina hat mir die Zähne blitzblank poliert für 40 Euro (inklusive Touristenzuschlag..). Na also, geht doch ! Da ich etwas warten musste, bis alle ‘Lockdown-Annullationen’ aufgearbeitet waren, bin ich seit bald 14 Tagen auf dem Campingplatz Semeli in Leonidio – und bereits sehr heimisch am Fuss des Parnon-Gebirges.

127_02_Holzplatz

127_03_StrandIch stehe vorne am Meer, also gehen viele auf dem Weg zum Strand an mir vorbei, Das führt irgendwann zum Plaudern, vor allem mit Leuten, die im Städtchen wohnen und  täglich zum Schwimmen kommen.

127_04_PlakaDie Tavernen im kleinen Hafen Plaka sind gerade einmal fünf Minuten entfernt über den Sandstrand erreichbar, liegen also gleich um die Ecke..

127_05_Johnson&HelenJohnson (Däne/60) und Helen (Zypriotin/52) haben während einigen Jahren ein ‘Yoga-Retreat-Hotel’ geführt in Goa.

Nun sind sie zurück in Europa und wohnen als House-Sitter mitten im Städtchen Leonidio. Hier wollen sie bleiben und Yoga anbieten. Erst wollten sie ein grosses Haus mieten, in welchem sie ihre zukünftigen Kursteilnehmer aus ganz Europa selber betreuen würden.
Erschwingliche Häuser liegen allerdings meist ziemlich weit ausserhalb von Orten; sie müssten ihre Gäste also während deren ganzen Aufenthaltsdauer unterhalten.

Stattdessen werden sie nun die Gäste in Hotels in Leonidio oder in den hübschen Zimmern im Apartment-Haus auf dem Camping Semeli unterbringen. So hat auch die lokale Wirtschaft etwas davon – und sie selber eigene Freizeit. Nun benötigen sie nur noch eine dekorative Terrasse mit Pergola direkt am Meer für die Yoga-Lektionen – und ein kleines Häuschen, in welchem sie selber wohnen.

127_06_Schrein
Die Strasse nach Leonidio. Man hat mir gesagt, dass diese Schreine am Strassenrand (wie der türkisbedachte links) zum Gedenken an Menschen seien, die an dieser Stelle gestorben sind. Himmel, manchmal steht alle hundert Meter einer davon !

Da taucht schon der Verdacht auf, dass hin und wieder einer auf seinem Totenbett röchelt: «Bringt mich zur Strasse – keuch – bringt mich sooofort zur Strasse hoch bei den Engelstrompeten ! Und ich will ein türkises Dach auf meinem Schrein – hust, keuch – und keines von diesen billigen blechernen Häuschen – ich will ein….». Tja, und an dieser Stelle pressiert’s dann mit dem Hochbringen… 😊

127_07_Leonidio

Auch ein pensioniertes französisches Paar ist auf der Suche nach einem Haus. Die Beiden hatten einen grossen Hof in der Ardèche, und erst, als Bruno schwer erkrankte, kamen sie auf die Idee, die 5000 m2 Land voller Bäume und Wiesen zu verkaufen. Er ist inzwischen genesen, und nun stehen sie am Anfang ihres neuen Lebens. Man merkt, dass sie immer gearbeitet hatten: die Zwei wollen noch alles sehen und sind täglich auf stundenlangen Wanderungen in den Bergen unterwegs – als ob sie noch in den Ferien wären… 😊. Das ist schon beeindruckend – und wahrscheinlich sollte ich mir ein Stück davon abschneiden, habe ich doch einige Kilos mehr zu bieten als noch letzten Sommer – und bedauerlicherweise alle am falschen Ort…

127_08_Angelo

Angelo (73) war einst Matrose und kennt sozusagen jeden Hafen der Welt.
Er wurde mit 55 Jahren pensioniert und führt seither ein bescheidenes, sesshaftes Leben in Leonidio – seine Rente von gut 900 Euro im Monat ist doch tatsächlich eine der besseren in dieser Gegend. Vor ein paar Jahren waren es noch 1200 Euro, aber der Staat beschneidet die Renten beinahe jährlich, und er macht sich berechtigte Sorgen, wie weit sie damit noch gehen werden. Angelo bewohnt ein grosses Studio (Monatsmiete 150 Euro) mitten im Städtchen und ist ebenfalls einer der regelmässigen Schwimmer hier.

127_10_MythropolisWir haben zusammen gegessen in der Taverne Mythropolis, in welcher er jeden Abend sein Viertelchen Rosé trinkt.
Die Abendstimmung vor der roten Kalkstein-Felswand war einfach traumhaft. Als die Wand beim Einnachten im Dunkeln verschwand, befand ich prompt, dass die ganze riesige Wand eigentlich dramatisch beleuchtet werden müsste.
127_12_RouteSampatiki

Oder nein, eben nicht ! Wenn ich es mir recht überlege, ist genau diese Einfachheit der grösste Charme der Peloponnes ! Es wird praktisch nirgends Wert auf Prunk und grosse Deko gelegt; bei vielen Dingen hat man auch oft den Eindruck von ‘improvisiert’. Und genau das macht es aus !  Es ist schlicht, echt, natürlich und schön hier. Und so darf es gerne bleiben.

Wobei zum Beispiel die Tische in den Tavernen immer mit Stofftüchern belegt werden für die Gäste. Und mehr braucht es auch nicht, wenn der Blick von diesem Tisch unter der Pergola weit hinaus schweifen kann auf das himmelblaue Meer.

127_11_OlivenbaumJohnson hat mich gefragt, ob er und Helen morgen mitfahren dürften Richtung Norden. Ich hatte dummerweise beim Plaudern erwähnt, dass ich etwa nächsten Dienstag weiterfahren würde; selber schuld. Sie wollen ihr brandneues, gebrauchtes Auto abholen in Argos, etwa anderthalb Autostunden von hier. Ich betrachte es als Wink des Schicksals – gehen wir halt..

127_13_RouteSampatikiDas ist zwar irgendwie schade, denn mir gefällt es hier ganz ausgezeichnet, aber es wird tatsächlich Zeit, nordwärts zu halten, sonst wird das nichts mit dem Zwischenstopp in der Schweiz. Dort habe ich einiges zu erledigen, von der Lebensbestätigung über die Kreditkartenerneuerung bis hin zum Autoservice – und die Autarkie will ich ja auch angehen.

Und ich freue mich auch schon sehr auf das Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden !

127_15_SemeliBeachAber ich habe mich halt auch rasch daran gewöhnt, vor dem Frühstück schwimmen zu gehen, wenn noch niemand sonst unterwegs ist und ich den Strand für mich alleine habe. Danach wasche ich mir das Salzwasser aus den Haaren an der öffentlichen (kalten) Dusche gleich neben meinem Auto und bin erfrischt bis in die Knochen.

Aber he, es gibt ja noch weitere Jahre  😊.
Was zu vermuten war: ich bin mitten im dritten Jahr meiner Reise – und noch überhaupt nicht fertig..

127_16_Flowertree

Johnson hat mir eben eine Nachricht geschickt: Damit sie überhaupt ein Auto kaufen dürfen hier, müssen sie sich registrieren lassen. Und hier wird’s griechisch, denn administrative Dinge dauern ‚griechische Einheiten‘ lang, und die sind deutlich länger als anderswo. Er fragt: «Wäre auch Mittwoch ok statt schon morgen?» Jahaaa, also für mich geht das in Ordnung…  (dass auch Donnerstag tiptop passt, sage ich natürlich erst am Mittwoch 😊…)

127_17_Rita&Barni

Ich bin eben zurück von einem Apéro bei Rita und Barni, den einzigen anderen Gästen auf dem Platz nebst mir. Das Bild habe ich mir von ihrer Homepage geborgt, da ich das Fotografieren vergessen hatte vor lauter Wein, Nüssli und Geschichten..

Die Beiden leben seit 2013 ganz in ihrem schicken, grossen Wohnmobil und kennen sich inzwischen sehr gut aus in Europa. Ich bin immer wieder begeistert von den interessanten Lebensgeschichten der Leute unterwegs.

Beim Pläuscheln sind wir überraschend von einem Gewitter eingeholt worden und haben die Sache deshalb auf eine zweite Flasche Weisswein ausgedehnt, damit ich die fünfzig Meter nach Hause nicht etwa im Regen auf mich nehmen müsse..

127_18_Regenbogen Es ist angenehm kühl geworden – ich werde bestimmt prächtig schlafen.

Vor dem Eindunkeln gab es noch einen herrlichen Regenbogen, und ich könnte schwören, dass die neuen Triebe am dürren Baum in der Bildmitte rechts alle heute Abend gewachsen sind ! Phänomenale Natur !

127_19_RoutePoulithra

127_20_BuchtPoulithra

 

Schildkröten, Kletterwände und ein unverschämter Zahnarzt

10.6.2020 Gythio – Monemvasia – Leonidio
Ehe ich Mani Beach Camping verliess, habe ich mich zwischen den Männern durchgeschlängelt, die vor dem Minimarkt und der Bar einen Lastwagen mit Kühlschränken und Kühlbuffets beluden. Die ebenfalls nur gemieteten Tische und Bänke standen auch schon zum Aufladen bereit. Und obwohl der Angestellte Erion Zweckoptimismus verbreitete, sieht es nicht so aus, als ob hier in naher Zukunft eine normale Touristen-Saison starten würde.

126_01_RockyAh, da ist er ja, ‘mein‘ Hund Rocky
Eigentlich wollte ich ihn nochmals so richtig knuddeln und mich mit einer Träne im Auge verabschieden, aber er wich mir aus und zottelte beleidigt davon, und ich hätte schwören können, dass er im Weggehen ‘Das täte dir so passen, du Verräter’ murmelte.

Vor der Abreise klopfte Werner einmal kräftig auf mein Auto, und schon fiel das rot-weisse Kätzchen wie eine reife Orange aus dem Motor. Wusste ich’s doch, dass die zwei jeweils da drin geschlafen hatten ! Ein Auto ist nämlich ein prächtiger Resonanzkörper für Poltergeister !

Erions Frau Ilona versprach, sich dank meines vielen restlichen Futters getreulich um die Katzen zu kümmern. Und ich habe mir vorgenommen, mir nie wieder einen Streichelzoo anzutun. Oder allerhöchstens, falls es wirklich nötig sein sollte. Oder falls ich wieder mal irgendwo länger bleibe. Oder falls es dort Katzen gibt..   😉

Auf in den Kampf ! (seufz..).

126_02_GlyfadaAls erstes kam ich wieder am Glyfada Beach vorbei mit dem rostigen Wrack, wo links vorne in den Dünen noch vor ein paar Woche acht  Wohnwagen und Wohnmobile gestanden hatten und jede Menge Kinder auf dem selbstgebastelten Spielplatz herumturnten.
Sie wurden alle weggeschickt, um den Strand an die Badegäste unter ihren bunten Sonnenschirmen zurückzugeben. Eigentlich wäre das Campieren dort ganz verboten, es wird aber geduldet bis zur Saison, dann jeweils ziemlich plötzlich nicht mehr.

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126_05_TurtleBeachDies ist einer der griechischen Strände, wo Meeresschildkröten im Juni ihre Eier ablegen. Freiwillige markieren die Ablage, um sie vor versehentlicher Zerstörung zu schützen.

Diese ‘Unechten Karettschildkröten’ (Caretta Caretta) können bis zu 1.20 Meter lang und bis zu 110 Kilos schwer werden. Es wäre schön, eine Eiablage selber mitzuerleben; man braucht allerdings viel Geduld und wartet oft nächtelang vergebens auf den Auftritt der Stars dieser exklusiven Show.   

 

Monemvasia

126_06_MonemvasiaMonemvasia ist ein kleines, mittelalterliches Städtchen auf einem grossen Monolithen, also einem einzelnen, natürlichen Felsen wie etwa das australische Ayer’s Rock. Halb oben steht eine Burg, die als uneinnehmbar galt, bis die Türken sie im Jahr 1715 – ähm – einnahmen. Worauf sie folgerichtig rasch an Bedeutung verlor.

126_07_Monemvasia
Das Städtchen ist sehr hübsch und mit den wieder eröffneten Tavernen auch sehr einladend, aber der Stellplatz für Wohnmobile ausserhalb des kleinen Hafens sah etwas gar trist aus, und ich hätte dort ganz alleine gestanden. Lieber nicht..

126_08_Monemvasia

Es war erst früher Nachmittag; es würde also locker reichen für die Weiterfahrt nach Leonidio. Dort, so hoffte ich, würde ich einen offenen Campingpatz finden. Zuerst gab es aber noch eine Spritztour auf den Hügel bis zur Burg, einen Spaziergang in den engen Gässchen und einen Kaffee am weiss-blau karierten Tisch (leider keine Fotos, denn mein Handy-Akku ist ziemlich hinüber, und ich hatte versäumt, ihn aufzuladen).

126_09_toLeonidio

Ich wählte die etwas längere Route über die Berge von Monemvasia nach Leonidio. Gute Wahl ! Das war eine wunderschöne Fahrt, und anfangs konnte ich nicht oft genug «Wow! Ist das schön !» rufen.

Dann geschah das, was immer geschieht mit der ultimativen Begeisterung: nach einiger Zeit hat man sie aufgebraucht, ist müde vom Staunen und Schauen und wäre nun gerne am Ziel. Bis es soweit war, dauerte es allerdings nochmals gute anderthalb Stunden. Während der ganzen Reise über die Berge traf ich zwar überraschend auf einige kleine Dörfchen draussen im Nirgendwo, aber mir begegneten gerade einmal vier Autos. Schön!

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126_11_toLeonidioDas Land hier oben liegt nicht etwa brach. Oliven gedeihen offenbar bis ganz hoch hinauf und auch auf steinigem Boden, was dann wohl die Bauerdörfer erklärt, die ich unterwegs gesehen hatte.

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126_13_toLeonidio ..dazwischen sind die bescheidenen ‚Alpen-Ziegen‘ 😉 am Werk. Ziegen finden immer etwas zu futtern.

126_14_toLeonidioGanz oben wächst dann wirklich nur noch sehr anspruchsloses Grünzeug

126_15_CoastlineDann geht es bergab zwischen Alleen aus Perückenbäumen und Oleander – vor allem aber mit einer herrlichen Aussicht auf die Küste.

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Leonidio

Juhui ! Der Campingplatz Semeli in Leonidio hat geöffnet, auch wenn wir gerade mal zu zweit auf dem Platz stehen: der Maler und Bildhauer Ingo, der mit einem coolen kleinen Wohnwagen und zwei Hunden unterwegs ist – und ich.

126_17_IngoVeltumIngo hat einen 4×4 Toyota-Zugwagen, mit dem er problemlos auf jeden Berg kommt, und dank des Verbindungsgelenks auch um jede Kurve, und die Bodenfreiheit passt auch für Geröllhalden. Wenn das Ding nicht so deutlich länger wäre als meines, würde mir die Idee gefallen (obwohl ich mich bei der Vorstellung eines Anhängers immer gleich beim Abräumen einer Kreisel-Dekoration sehe).

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126_18_YachtclubDinerDie Taverne des Yachtklubs in Plaka, dem Hafen von Leonidio

Ich schloss mich husch am Strom an, und schon spazierten wir dem Strand entlang zum alten Hafen mit einer schönen Auswahl an hübschen Beizlein.

Eigentlich ist es überall romantisch, wenn man so nah am Wasser sitzen und entspannt am Weinglas nippen kann. In Griechenland sind dabei zwar die Stühle etwas unbequemer als anderswo, aber sie gehören halt traditionell dazu.

Da überkommt einen unversehens dieses Ferien-Feeling von einst, und inzwischen ist es so warm geworden, dass man auch gerne länger sitzen bleibt. Zumindest so lange, bis es sich bei den Mücken herumgesprochen hat, dass ‘angerichtet ist’.

126_19_StonyBeachMein neuer Strand ist deutlich steiniger als der letzte, hat dafür aber eine edle Felswand als Hintergrund

126_20_FelswandDas Städtchen Leonidio liegt etwas landeinwärts am Fusse einer langen, beeindruckenden Felswand. Die Kletterer kommen von weit her, um sie zu bezwingen. Oder es mindestens zu versuchen.

Ich hätte ja gerne beim Klettern zugesehen, dafür muss man jedoch früher im Jahr hier sein, denn nun ist es bereits so heiss, dass die Sportler an den steilen Wänden gebraten würden wie Spiegeleier. Es gibt noch ein pasr wenige, aber sie sind am Morgen bestimmt früher dran als ich.

Habt ihr gewusst, dass das Klettern an Felswänden ‘Bouldern’ heisst und der Schwierigkeitsgrad in dieser Region von leicht 2 bis extrem 9 mit jeweils a, b oder c hinter der Zahl angegeben wird ? Und dass es weltweit beinahe so viele Gradskalen gibt wie Kletterarten ? Ich weiss ja nicht, wozu euch dieses Wissen nützlich sein könnte, aber da es mir laaaange erklärt wurde auf meine kurze Frage nach der Bedeutung der Angabe 6c neben einer Route, wird es auch weitergereicht, basta. So ! 😊

126_21_Leonidio

Der Zahnarzt

Da ich den geplanten Dental-Hygiene-Termin (für veranschlagte 30 Euro) in Gythio nicht mehr einhalten konnte mangels Wohnort, fand ich mich am Freitag Abend um 18.00h zu meinem neuen Termin in Leonidio ein. In der Praxis musste mir zuerst die Hände mit Alkoholgel einreiben, dann über einen desinfizierenden, klebrigen Streifen gehen und sass dann endlich im Stuhl.

Vorsichtshalber fragte ich an dieser Stelle, was die Zahnreinigung denn kosten würde. Der rundliche Arzt hinter der Maske musterte mich, dachte lange nach und meinte schliesslich: 100 Euro.
Und hier habe ich einen Fehler gemacht. Ich sagte: «Ha ! Das ist ja lächerlich und noch teurer als in Schweiz ! Auf gar keinen Fall ! Goodbye !» Und draussen war ich.
Wenn ich herzhaft gelacht hätte und gesagt, er sei ein Witzbold, nun aber ernsthaft, hätte er zurückpaddeln können. Vielleicht hätte er es nicht getan, aber das werde ich nun nie erfahren. Ok, nächstes Mal mache ich es besser (das ist zwar eher unwahrscheinlich, aber hey..). 😊

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Ich habe überrascht festgestellt, dass mir das Reisen wieder sehr gut gefällt nach dem langen Herumstehen (obwohl letzteres durchaus auch seinen Reiz hatte).

PS Ist das schön, dass ich die Türe offen stehen lassen kann, ohne dass sich gleich Katzen ins Auto drängen wollen
PPS Ich hoffe, Ilona hat die Gythio-Katzen auch wirklich gefüttert !

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Hier werden die Katzen doch tatsächlich von den Platzbetreibern verköstigt – passenderweise vor der First Aid Station. Na DAS ist ja nett ! Da werde ich mich nicht einmischen !

126_23_meinPlatzLeonidio
Gestern Freitag ist Ingo abgereist – nun gehört der ganze Campingplatz mir ganz allein 😊

Die Fähre fährt. Die Fähre fährt nicht.. Der Campingplatz schliesst aber wirklich.

125_01_Rosen

Meine Berner Nachbarn Agnes und Werner hatten zum dritten Mal einen Platz auf der Fähre von Patras nach Ancona gebucht, zum dritten Mal eine Ticket-Bestätigung erhalten – und zum dritten Mal zwei Tage vorher erfahren, dass doch nichts geht und immer noch nur LKW transportiert würden.

Und so kam und ging der 5. Juni, an welchem sie sich gegen Abend auf der Fähre gesehen hatten. Der nächste Termin ist der 15. Juni, es könnte aber auch 1. Juli werden gemäss der netten Dame von der Reederei.

Da die Beiden in Ungarn ein grosses Anwesen besitzen, haben sie vor ein paar Tagen beschlossen, am 10. Juni die gut 2000 Kilometer über Land unter die Räder zu nehmen.
Mich hat es gefreut (ganz diskret, versteht sich), dass sie noch etwas länger bleiben (mussten), denn sie sind nicht nur sehr angenehme Nachbarn, sondern auch meine einzigen. Vielleicht würde ihre Abreise ja auch zum Schubs, den ich dringend benötige, um meine bequeme (oder faule) Wenigkeit wieder in Bewegung zu bekommen..

125_02_Taverna_Gythio

125_03b_90DegreesBis es aber soweit ist, haben wir drei uns mit Gusto in die wiedereröffneten Tavernen begeben und sind erfolgreich dabei, uns durch die lokalen Spezialitäten zu futtern: frische Fische und Meeresfrüchte, Souvlaki-Spiesschen und Bifteki, die würzigen Hackfleischbällchen.

Oder gebratene Auberginenscheiben und Tzatzki. Uns hat es vor allem der griechische Salat angetan mit seinen knackigen Gurken, saftigen Tomaten, frischen Oliven, Kapern und seiner dicken Scheibe Feta-Käse mit Kräutern oben drauf. Dieser Salat wird in ganz Griechenland ausnahmslos perfekt frisch serviert. Das ist nicht selbstverständlich, denn Fleisch kommt sehr unterschiedlich auf den Teller, mal knusprig zart und würzig, mal völlig verbraten und trocken. Dasselbe gilt für Kartoffeln: sie werden einfach als ‘Patates’ angeboten, und manchmal sind es in Öl gewendete Salzkartoffeln, dann wieder perfekte Pommes Frîtes. Und alle Varianten dazwischen.

125_04_Schwalben_GiakosDer Himmel in der Taverna Giakos hängt voller Schirme – eine ebenso originelle wie praktische Idee: sie fangen die Essensreste der Schwalben darüber auf – ungegessene wie bereits verdaute… Während dem Essen kann man die unglaublichen Flugkünste der Schwalben bewundern.

125_05_Katzenmami1Diese Katze hat zweimal versucht, ihr einzelnes Junges in meinem Auto einzuquartieren. Man kann es ihr nicht verdenken, wäre sie so doch am nächsten bei ihrer Futterquelle. Ich habe sofort das ganze Auto ausgeräumt, weil ich befürchtete, dass sie vielleicht ein zweites schon vorher gebracht haben könnte. Als ich sie hinausstellte, hat sie ihr Junges zuerst liegen lassen, es aber später doch noch abgeholt.. Uffa !

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Tja, und dann habe ich beschlossen, nach Agnes und Werners Abreise doch noch 14 Tage länger zu bleiben. Ich würde mich langsam wieder ans Alleinsein gewöhnen, Veloausflüge in der Umgebung unternehmen und einen Dentalhygiene-Termin in Gythio abmachen.
Letzte Woche ist ausserdem diese Katzenmutter (oben) mit ihren zwei Jungen unter meinem Auto eingezogen, und die beiden Kleinen sind noch nicht ganz selbstständig. Und schliesslich dürften bis Ende Juni auch alle Grenzen wieder offen sein.

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Das hätte auch geklappt, wenn ich es selbst bestimmen dürfte. Aber NEIN ! Vorgestern fand vor der Reception eine Zusammenkunft statt mit den etwa zwölf anwesenden Dauermietern und dem Bruder des ‘rechtmässigen Pächters’ (welcher wohl zu feige war, selber zu kommen) –
und gestern Pfingstmontag, 8. Juni, kam der (einzige) Angestellte Erion bei uns vorbei und informierte uns, dass wir heute Dienstag abreisen müssten, weil der Platz geschlossen würde.  

125_09_Meer

Es scheint, dass der Pächter seit drei Jahren keinen Pachtzins mehr bezahlt hat. Stattdessen hat er die gesamten Platz-Einnahmen in Kokain und Frauengeschichten investiert. Er hatte Erion beim Lockdown auch gleich informiert, dass er vorläufig keinen Lohn erhalten würde, da ja keine Leute kämen und er ergo nichts zu tun hätte.
So ein Fiesling ! Erion hat die ganze Zeit gearbeitet – bedächtig zwar, doch stetig, und Sonntage inklusive. Er hat die Reception frisch getüncht, Hecken geschnitten, Rasen gemäht, Beschattungsmatten fixiert, Baumschnitt verbrannt und vieles mehr.

125_x_MavrovouniBeach Nun wird der Platz genau zum Zeitpunkt geschlossen, da vorsichtig die Saison beginnt, momentan noch vor allem mit griechischen Gästen.  

Die Dauermieter wohnen zum Teil schon seit über zwanzig Jahren hier, und die Aufregung liegt wie das Summen eines Bienenstocks über dem Platz. Überall diskutieren kleine Grüppchen ihre persönlichen Konsequenzen – und vor allem suchen sie mögliche Auswege aus der vermaledeiten Situation.

125_08_Meer

Wir haben zwar noch einen zusätzlichen Tag herausgeholt, aber morgen ist es soweit: ich muss ‘meine’ halbwüchsigen Kätzchen im Stich lassen – und Rocky, den Hund, der mich adoptiert hat und getreulich mit mir zum Abwaschen mitkommt oder zu Strandspaziergängen.

125_xxx_Rocky

Es ist schon erstaunlich, wie verwachsen man sich an einem Ort fühlen kann nach drei Monaten ‘auferlegten Daheimbleibens’. Inzwischen kenne ich das Meer und den Strand in hundert verschiedenen Stimmungsschattierungen, habe den Frühling als brillanten Farbenrausch aufkommen und wieder vergehen sehen, und obwohl ich nicht das ganze Jahr hier wohnen will: es war so schön.

125_xx_rainbow

Und jetzt wird es also Zeit zur Weiterreise. Da ich nicht weiss, welche Campingplätze (und Grenzen) offen sind, fahre ich morgen auf gut Glück los und hoffe das Beste. Das kommt gut (gefälligst.. 😉).

Hitzefrei ! ☼

124_01_Kranai_Gythio
Also gut: ich hatte schon vorher frei, aber nun habe ich hitzefrei ! In den letzten Tagen haben wir es gegen Mittag immer wieder auf 38 Grad gebracht, und dank hoher Luftfeuchtigkeit lagen wir dann wie gekochte Spaghetti in den Stühlen unter den Olivenbäumen.

Die Nächte sind zum Glück immer noch angenehm kühl, und ich schlafe wunderbar – ehe ich morgens von der Sonne geweckt werde, die durch alle offenen Oberlichter und Seitenfenster scheint.

124_xx_StrandImmerhin bin ich neuerdings täglich im Wasser des freundlichen Lakonischen Golfs anzutreffen. Anfangs war ich gerade so lange drin, wie ein schockiertes Luftschnappen beim Eintauchen dauert (ungefähr 7 Sekunden). Inzwischen habe ich gelernt, dass ein spritziges Abkühlen unter der Stranddusche das Meer magisch ‘erwärmt’. Wenn man erst einmal im Wasser ist, fühlt sich dieses inzwischen wie kühle Seide an und erfrischt herrlich.

124_03_Amphitheater
Da ich nun schon mal hier bin, habe ich beschlossen, mich nicht nur bei den Supermärkten auszukennen, sondern auch ein wenig in die Untiefen der Kultur abzutauchen.

Das ist das ‘berühmte’ Amphitheater von Gythio, welches als Ausflugsziel gepriesen wird – wie schon erwähnt: jeder prahlt halt mit dem, was er hat  

124_04_Amphitheater
Das Theater steht auf einem Grundstück der griechischen Marine, und deshalb darf man es sich gerade mal von einem Zaun aus ansehen, kommt also nicht dazu, die Akkustik zu testen oder die Rückenlehnen der vordersten Reihen..
Dass es absolut keine Informationen gibt über das Theater, spielt dann auch keine grosse Rolle mehr.

Mehr Kultur gefällig ? Dieses Mal mit Sex, Reisen und einem Trojanischen Pferd (die Geschichte von Helena und Paris)

124_05_Kranai
Diese kleine Insel bei Gythio heisst Kranai
Hier hat sich Helena zum ersten Mal mit Paris vereinigt, nachdem dieser sie aus dem Palast ihres Mannes Menelaus entführt hatte (der Name der Insel geht auf das griechische Wort ‘Kranos’ für Helm zurück, welchen Paris hier im Liebestaumel zurückgelassen haben soll. Jaja – es wird dramatisch, zumindest aber pikant).
124_06_Viex ex Kranai
Hübsch ist es auf der Insel – hier der Blick hinüber zu Gythio

Es ist ja nicht oft so, dass man genau weiss, wo welche Leute Sex hatten, und ich bin mir auch nicht sicher, ob wir das überhaupt wissen wollen, aber bei Helena und Paris machen wir eine Ausnahme, weil dieses Eiland ‘ohne’ nur ein hübsches Inselchen wäre, ‘mit’ aber zu einer Szene eines Homer-Epos wurde.

Eigentlich beginnt das Drama damit, dass Prinz Paris von Troja durch die Übergabe eines goldenen Apfels entscheiden soll, welche der drei Göttinnen die Schönste sei: Athene, Aphrodite oder Hera. Jede will die Auserwählte sein und versucht, Paris zu bestechen (pfui – und das von Göttinnen !) mit Angeboten wie Macht, Kriegsruhm – oder der schönsten Frau der Welt ! Paris wird prompt schwach beim Frauenangebot von Aphrodite, reicht ihr den Apfel – und schon geht das Theater los.

124_07_Kranai

Die schönste Frau der Welt ist nämlich Helena, und die ist bereits sehr verheiratet mit dem König von Sparta. Dass dieser nicht erbaut ist über den Raub seiner Ehefrau, kann man ihm nicht verübeln. Und so führt die Liebesgeschichte folgerichtig zur 10-jährigen Belagerung von Troja – und die Sache endet erst mit Paris’ Tod und den spartanischen Kriegern, die nachts aus dem sagenhaften hölzernen Pferd steigen und die Stadt in Schutt und Asche legen.
124_08_Leuchtturm_Kranai
Immerhin hatten Helena und Paris eine schöne Zeit der Leidenschaft – und machten eine romantische Reisepause hier in Gythio.

Nach der Zerstörung Trojas lachten die rachesüchtigen Göttinnen Athena und Hera schadenfreudig, der König von Sparta nahm Helena wieder als Ehefrau auf – und Helena selbst tat wahrscheinlich so, als hätte ihr Mann die ganze Zeit über etwas völlig falsch verstanden.. 😊 

124_09_Mimosen_qry

124_10_Boot_Strand

Nach soviel Kultur ein paar alltägliche Schlusspunkte

124_11_SolarDach
Diese Solaranlagen zur Heisswassergewinnung stehen in Griechenland auf beinahe jedem Haus. Auch auf dem ‘Mani Beach Camping’ haben wir welche, und das Wasser für die Duschen und den Abwasch kommt siedend heiss aus dem Hahn. Feine Sache, solange das Wetter mitmacht. Und das tut es meistens. Im Moment sogar übertrieben eifrig.

124_12_Ruine
Überall sieht man Häuserruinen, die wie selbstverständlich zwischen gepflegten Gebäuden oder sauberen Olivenplantagen stehen. Vieles sind verfallene Rohbauten aus der Bankenkrise von vor zehn Jahren, als der Bau plötzlich abgebrochen wurde. Andere Häuser wurden offensichtlich einfach verlassen und bröckeln ungestört vor sich hin.

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Hier zum Beispiel eine Ferienanlage ausserhalb von Gythio..

124_14_Ruine
..oder dieses Haus mitten im Städtchen..

124_15_Weinhandel
So kaufen wir hier Wein ein: zuerst wird begeistert degustiert, und wenn man nicht mehr sicher ist, welcher am besten geschmeckt hat, nimmt man von jedem, der in Frage kommt, eine frisch abgefüllte Petflasche mit nach Hause (zwischen EUR 3 und 5.80 der Liter).

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Nachwuchs in der Nachbarschaft..

Nach drei Monaten Haarschneide-Pause war ich gestern beim Coiffeur mit einem ziemlich eindrücklichen Adlerhorst auf dem Kopf

Die Coiffeuse hat kurz in meinen Haaren gewühlt und mich gefragt: «Short?»
«Ja gerne», habe ich gesagt, «aber oben bitte etwas Volumen, den Scheitel links, und bitte hinten nicht allzu hoch hinauf kürzen». Sie hat verständnisvoll genickt: «Short!»

Und dann hat sie so ziemlich alles abgeschnitten, was nach Haar aussah, mir einen ausgefransten Kürzest-Pony verpasst und meinen Scheitel durch einen kleinen Wirbel ersetzt, von dem aus alle Haare begeistert zu Berg stehen.
Wie zum Kuckuck macht man sowas ?

Kennt ihr diese militanten alten Frauen mit kurzem, grauen Igel-Schnitt ? Die mit der knallvioletten Brille und dem resoluten Auftreten ? Genau so ! Und nein, ich werde auf keinen Fall ein Foto von mir schicken, ehe nicht ein Monat vorbei ist.

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Nachwuchs auf dem Platz

124_19_Meer
Heute kam eine frische Brise auf, und die Temperaturen sind wieder ganz angenehm geworden. Das sonst spiegelglatte Meer hat den Übermut entdeckt und baut einmal mehr die Form des Strandes um.

Die Tavernen dürfen am 1. Juni wieder öffnen (hurra !). Zwei davon sind gleich um die Ecke von hier. Ich glaube jedoch, ich werde bei der anderen einkehren…😊

124_xx_TavernTakis

Inzwischen in Griechenland (langsam wird’s sommerlich…) 😊

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Dieses hübsche Muster aus abgelösten Algen hat das Meer heute mit der Flut gezeichnet

Mittwoch, 29. April 2020
Heute haben drei Paare auf dem Platz ihre Reisebestätigung für die ausserordentliche Fähre nach Ancona/Italien erhalten, nachdem sie eine Woche lang darum gebangt hatten. Am 1. Mai soll das Schiff um 17 Uhr von Patras ablegen, und an Bord kommt nur, wer einen persönlichen Zugangs-Code vorweisen kann, denn bei der letzten ‘Notfall-Fähre’ hatten sich auch ein paar Leute an Bord geschmuggelt, die dort eigentlich nicht hätten sein dürfen.

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In Italien werden sie dann von der Polizei bis zur Autobahn geleitet, und diese dürfen sie nicht mehr verlassen bis zu Italiens Grenze. Diese wiederum haben sie spätestens 24 Stunden nach der Ankunft zu überqueren. Die ausreisenden Camper müssen also an Autobahnraststätten oder Parkplätzen übernachten. Davon wird in allen Camper-Foren dringend abgeraten, aber da die potentiellen Diebe ja auch nicht ganz unbeobachtet reisen dürfen, dürften die Nächtiger dieses Mal unbehelligt bleiben.

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Unsere Strasse: links die Franzosen Marylène und Mario aus Rosas in Spanien, dahinter ich mit Blick aufs Meer, an dritter Stelle mit der überdachten Terrasse die Schweizer Agnes und Werner aus Ungarn und zuhinterst die Bayern Thea und Gerd.

Die ebenfalls abreisenden Österreicher Ilse und Fritz wohnen in der Dauercamper-Strasse hinter uns. Fritz hat mir heute einen grosse Tasche voller Hundefutter gebracht, das sein schwarzer ‘Labra-Dackel’ verschmäht hat, Rocky aber erfreuen dürfte.

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Ich gehöre nicht zu den ‘Dränglern’, denn ich habe mir überlegt, dass ich ebenso gut von hier aus nirgendwohin gehen kann wie von anderswo, nicht wahr ?

Und mich gelüstet auch nicht danach, mit anderen übernervösen Kandidaten zusammen einen halben Tag lang vor der Fähre Schlange zu stehen und danach auf dem Schiff bloss ja niemandem zu nahe zu kommen – oder noch schlimmer: 24 Stunden in einer Kabine ohne Fenster eingesperrt zu sein.
Es haben sich so viele Leute auf dieses Reiseangebot gemeldet, dass inzwischen eine zweite Fähre am 2. Mai übersetzen wird; es scheint hier weit mehr Gestrandete zu geben als man glaubt.

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123_05_Glyfada_WrackDimitrios

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Das hier ist eine solche ‘Gestrandeten-Ecke’ gleich neben einem grossen, seit 40 Jahren vor sich hin rostenden Schiffswrack in Glyfada, etwa 12km von hier.

Sie wird hauptsächlich von Deutschen und Franzosen bewohnt, auch einigen jungen Familien. Hier herrscht reines Pfadfinder-Feeling mit Kinder- und Hundegewusel.
Ausser einem Wasserhahn gibt es nichts an Infrastruktur, und der Platz wird bei Regen zum Schlammbad. Die Leute haben einen kleinen Kinderspielplatz gebaut – und für das Leeren der Camper-Toiletten eine tiefe Grube ausgehoben.

Die meisten Bewohner hier leben in autark ausgerüsteten Fahrzeugen; die anderen treffen sich abends am Lagerfeuer oder gehen früh schlafen, wenn es kühl wird. Es wirkt alles sehr lebhaft und fröhlich; mir wäre es allerdings etwas gar zu improvisiert.

Einer meiner Leitsätze ist ja, dass ich ein gewisses Mass an Komfort möglichst nicht mehr unterschreiten möchte. Da bin ich mit meinem sehr reduzierten Haushalt ja schon ziemlich weit gegangen..

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Griechische News: die Campingplätze bleiben bis 15. Juni geschlossen
(man darf zwar wegfahren, dann aber nicht wiederkommen…); die Tavernen dürfen den Betrieb ab 1. Juni wieder aufnehmen.

Meine auf sechs Monate befristete Aufenthaltserlaubnis für Griechenland läuft allerdings am 4. Mai ab. Ich gehe aber optimistisch davon aus, dass dieses Gesetz gegenwärtig keine Rolle spielt.
Ich kann nur hoffen, dass ich keines Besseren belehrt werde an der Grenze.

Der Schweizer Botschafter hier konnte mir nicht helfen und riet mir, die Gemeindeverwaltung in Gythio zu kontaktieren. Aber wie ich an diese rankomme, DAS wusste keiner hier, auch nicht der Platzwart Erion. Also habe ich es sein lassen und drücke in bewährter Manier die Daumen.

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In der Länge habe ich definitiv nicht zugelegt in letzter Zeit, aber in der relativen Breite – ähm – schon ein wenig… 😊

123_09_BlumenmeerMeerblumen

Langsam wird’s warm hier – sehr warm !

Die Mittagstemperaturen liegen bei etwa 24 Grad, aber die fühlen sich schon richtig heiss an (ich lese jedenfalls gerne im Schatten). Mamma mia ! – wie das wohl im Sommer bei 40 Grad wird ? Mit etwas Glück bin ich dann zwar nicht mehr hier, aber man weiss ja nie.

Immerhin dürfte das Meer bald meine Badetemperatur erreicht haben: ich gehe nämlich täglich am Strand spazieren und lasse mir von den Wellen Füsse und Waden abkühlen, aber für mehr reicht es noch nicht. Meine französischen Nachbarn gehen regelmässig kurz ins Wasser und behaupten danach lässig – und mit bläulichen Lippen – dass das Wasser ‘très agréable’ sei. Ha !

123_10_Orangenbäume
Die Luft ist erfüllt vom süssen Duft der Orangen- und Zitronenblüten, manchmal durchzogen von würzigen, curryähnlichen Noten anderer Blüten

123_11_NägeltöterorangenUm der Wahrheit die Ehre zu erweisen: dieser appetitanregende Baldachin aus Orangen täuscht gewaltig. Die kleinen Früchte sind so sauer, dass man in ihrem Saft bestimmt Eisennägel auflösen könnte 😊

123_12_Rose

In den nächsten Tagen und Wochen werden ja in ganz Europa Lockdown-Lockerungen umgesetzt
– und sei es nur, damit sich die Leute daheim nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Einerseits freue ich mich darauf, wieder selber entscheiden zu können, wann ich wohin gehen möchte, und andrerseits hat diese Zeit auch viel Gutes bewirkt:

– Zum Beispiel haben Zeichner, Dichter und Denker eine Unmenge von witzigen, nachdenklichen, originellen Werken kreiert zum Thema Corona – und uns damit die Langeweile vertrieben. Diese Werke dürften das Jahr 2020 auch im Rückblick präzise beschreiben.
123_18_Taygetos
– Die Strassen und Städte sind leer und der Himmel sauber.

– Wie haben plötzlich die Zeit und das Bedürfnis, miteinander zu kommunizieren, und die allgemeine Hilfsbereitschaft hat sicher ebenfalls gewonnen.
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– Und vielleicht sind wir ja in Zukunft etwas dankbarer für den Luxus, den wir vor einem Jahr noch als Selbstverständlichkeit angesehen hatten, etwa unlimitierte Reiseziel- und Produktewahl, jederzeit Bar- und Restaurant-Service, Konzerte, Kinos, Sportanlässe – die Liste liesse sich beliebig fortsetzen..

– Während einigen wenigen Wochen haben wir nichts verpasst, absolut nichts. Und konnten einfach nur sein – und nachdenken. Und auch das ist keine schlechte Beschäftigung, denn nicht nur Keller und Estriche möchten hin und wieder entrümpelt werden.

123_13_Pusteblume
Jede dieser ‘Pusteblumen’ hat den Durchmesser einer grossen Orange; sie sind dicker und zäher als Löwenzahn – aber die Schirmchen fliegen tadellos und nach demselben Prinzip

123_14_Katzentränke
Die Hunde- und Katzentränke wird rege benutzt

Bis es soweit ist mit der Öffnung – und bis ich vielleicht doch auch plötzlich abreisen möchte – füttere ich weiterhin die Katzen, gehe am Strand spazieren oder mit dem Fahrrad einkaufen (die Supermarkt-Wahl ist schon das halbe Abenteuer), oder ich trinke Wein mit den einen oder anderen Nachbarn. Wobei wir ab Freitag gerade mal noch zu dritt sein werden hier, also zwei Wohnmobile auf dem ganzen Platz..

123_17_ManiBeach

Es bleibt zu hoffen, dass diese allmähliche Öffnung nicht sogleich zu einer zweiten Infektionswelle führt, denn eine solche würde wahrscheinlich den nächsten Lockdown verschärfen.

Bleibt also bitte vorsichtig, damit ich noch vor der 40°C–Sommerhitze in den Norden fahren kann 😊 
Vor allem aber: Bleibt für euch selbst vorsichtig, gesund – und fröhlich.

καλό Πάσχα oder Das Leben geht (vorläufig) weiter

122_01_Gythio
Hier wird Ostern erst in einer Woche begangen, weil die orthodoxe Kirche den alten Julianischen Kalender anwendet statt unserer Neo-Variante.

Da es aber nicht so sehr darauf ankommt, WANN wir Ostern (nicht im grossen Stil) feiern, wünsche ich euch allen schon heute FROHE OSTERN ! bzw eben καλό Πάσχα ! /kal’ó Pás-cha/ 😊 (Nächstes Jahr feiern die ‘West-Christen’ übrigens am 4. April Ostern, die Orthodoxen aber erst am 2. Mai).

122_02_EiFür ein Osterei haben meine Zwiebelschalen gereicht. Danach ist mir aber prompt der Faden ausgegangen, mit welchem ich die Blüten auf weitere Eier gewickelt hätte… 😊.

Der Frühling aber, der blüht unbeirrt weiter..
122_03_ManiBeach

122_04_Kaktus

122_xx_Mohn

Ein Blick zurück oder Stiller Nationalfeiertag in Griechenland

122_06_GR_Nationalfeiertag
Der 25. März ist der griechische Nationalfeiertag.
Die Griechen gedenken an diesem Tag der Befreiung aus der fast 400-jährigen „Türkenherrschaft“ (Tourkokratía).
Die Freiheitsbestrebungen begannen auf der Peloponnes am 25. März 1821 mit dem Aufruf zum Aufstand.

Wenn uns nicht Google daran erinnert hätte, hätten wir nicht einmal bemerkt, dass eigentlich grosses Volksfest wäre ! Also der Tag der grossen Paraden, der blumigen Reden und der Lobgesänge auf die Heldentaten der Vorfahren. Der Tag verlief so still und unauffällig wie alle solchen Tage überall in dieser seltsamen Zeit.

122_06b_ManiBeach
Ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass die Region hier ‘Lakonien’ heisst, nicht wahr ? Deren Hauptstadt ist Sparta. ‘Lakonisch’ wurde abgeleitet von der präzisen, schnörkellosen Art der Spartaner, sich auszudrücken.

Wahrscheinlich färbt das automatisch auf die Bewohner der Gegend ab; wir sind jedenfalls ‘voll entspannt in unserem Exil’, um es gebührend lakonisch zu formulieren.

122_07_ManiBeach
Wir tun hier das, was ihr wohl alle tut (wenn ihr nicht gerade home office praktiziert):

wir gehen spazieren, zum Beispiel am Strand. Von unserem Strand-Exemplar bin ich sehr angetan. Er erstreckt sich kilometerlang und menschenleer auf beiden Seiten des Campingplatzes
wir essen viel und reden gerne über das zukünftige Weniger-Essen
wir lesen und plaudern. Und wir duschen am besten nach dem Mittag, wenn die Solarpaneele das Wasser ausreichend aufgeheizt haben
wir gehen abwaschen, und dazu scheppern wir mit einer Tasche voller Geschirr 200 Schritte weit hin- und zurück
wir treffen uns mit Mit-Campern zum Apéro, wenn es noch gemütlich warm ist an der Sonne – aber am besten nach der Katzenfütterung, damit keine vorwurfsvollen Tiger um den Tisch herumstreichen und einem die Ohren volljammern.

122_10_Strand_vor_RegenVor allem aber sind wir froh, dass wir nach einigen stürmischen Tagen nun himmlisches Wetter haben.
Und einander. Ich kann es bestätigen: zusammen ist man weniger allein.

122_05_Raclette
Am schönsten ist der Kontakt mit Agnes und Werner, den Beiden, die schon seit vielen Jahren in Ungarn leben. An einem Abend war ich bei ihnen zu einem Raclette eingeladen. Was für ein Fest !

122_08_Katzenfütterung
Das hat man dann davon: Meine tägliche Fütterung der Campingplatz-Katzen um 16.00h. Inzwischen kann man die Uhr nach ihrem Erscheinen stellen (Katzenuhren gehen im Allgemeinen etwa eine Stunde vor..).
Es ist jedoch schön zu sehen, wie die anfängliche Gier zu einer ruhigeren Gewissheit der täglichen Mahlzeit geworden ist.

122_12a_Rocky

122_12_Spazieren_mit_Rocky
Spazieren mit Rocky. Er ist froh, in mir einen ‘Tor-Öffner’ gefunden zu haben – und mich freut seine Begleitung am Strand.
Der Unterschied zwischen uns ist: ich sehe das Meer, ein Treibholz oder eine hübsche Blume, Rocky weiss aber inzwischen, wer alles auf den Dünen war während den letzten Stunden, was jeder Einzelne gemacht hat und wie es ihnen geht !

122_xx_StrasseToGythio

122_13a_WernerKocht
Werner kocht in der gemeinsamen Camper-Küche. Diese wird gerne benutzt, wenn etwas länger köcheln muss. Man kann so seinen eigenen, limitierten Gasvorrat schonen. Meine andere Platznachbarin Marylène im Hintergrund wartet darauf, dass ihre Gemüsesuppe weich wird..

122_13b_Gulasch
Unser heutiges Ostermenu war ein waschechtes Ungarisches Gulasch und schlicht gesagt köstlich ! Doch, die Beiden können kochen, das muss ihnen der Neid lassen.

Mein Beitrag zum Fest war der Wein (zwischen ok und OK…) und ein Omnia-Zitronencake (er ist recht gut geworden, aber ich verstehe immer noch nicht, warum Leute freiwillig und in ihrer Wohnung mit so einem Ding auf dem Gasherd ‘backen’, wenn daneben ein Backofen zur Verfügung steht.

122_xxx_Strandboot
‘Zum Wohl !’ auf ungarisch heisst übrigens Egészségére! /Egesch’egere/
Diese Aussage ist ein guter Start in jede neue Sprache !
Auffallend bei diesem Wort: währenddem die Finnen mit Selbstlauten um sich werfen, tun’s die Ungarn mit dem accent aigu – vom é scheinen sie einen unerschöpflichen Vorrat zu haben. Ein Versuch in dieser Sprache dürfte durchaus spannend werden..

122_13_KaloPascha
Das Wlan hier ist zäh wie Honig. Ich habe es deshalb nicht geschafft, meine Ostergrüsse rechtzeitig zu versenden.
Nun sind es halt griechische Ostergrüsse geworden und gelten für das kommende Wochenende: καλό Πάσχα !

122_14_Katze

Schlusspunkt:

2020 wird das Jahr sein, in welchem wir gelernt haben, die Hände zu waschen 😊

Hurra ! Wir müssen bleiben ! 😊

121_02b_Meerjungfrau

Ich habe mich ja plötzlich sehr fürs Freistehen interessiert, als ich befürchten musste, dass ich ab heute Montag dazu gezwungen sein könnte. Offenbar war das auch tatsächlich der griechische Original-Plan.
Dann wurde die Regierung wohl von ein paar anderen Sorgen abgelenkt und hat es verpasst, uns ‘Flöhe im Pelz’ rechtzeitig loszuwerden.

121_01_Achim
Achim, ein reisender Informatiker (toller Beruf für sowas!), ist seit ein paar Tagen mein Platznachbar hier im Camping Mani Beach.

Er hat Elektrotechnik studiert und mir freundlicherweise ein paar Nachhilfestunden  erteilt zum Thema ‘Die Rollen von Watt, Volt und Ampère’ im Haushalt – und wie man den persönlichen Strombedarf berechnet für ein eigenes Wohnmobil.

Glück gehabt ! – Ich bin gerade noch rechtzeitig einem Lehrmeister begegnet !
Pech gehabt ! Ich habe per Berechnung gelernt, dass ich tatsächlich nicht länger als zwei, drei Tage aufs Mal frei stehen kann. Dann ist die Wohnbatterie ziemlich leer – und wahrscheinlich bald danach auch kaputt, denn Bleibatterien soll man nicht weiter als bis zur halben Kapazität hinunter nutzen, ehe man sie wieder lädt.

121_02_ManiBeach

Angesichts dieser miesen Ausgangslage hatte ich DIE Idee ! Bei drohendem Rauswurf vom Platz würde ich mich dramatisch an den Olivenbaum neben dem WoMo ketten und davon Fotos an den Blick zu schicken. Und an die Bild-Zeitung. Und an alle anderen bekannten Klatschblätter, die auf genau solche Geschichten stehen.

Also gut; es wäre nicht wirklich eine Kette gewesen, sondern eher eine grüne Wäscheleine, und als Modell für ‘Ausgemergeltes Elend’ eigne ich mich denkbar schlecht nach Monaten von frittiertem Brot und dicker Béchamel-Sauce auf Moussaka. Aber etwas Besseres fiel mir auf die Schnelle halt nicht ein..

121_03_Olivenbaum
Mein Ankett-Olivenbaum
Das weisse Auto hinten gehört Birgitt. Sie ist zurück nach Deutschland geflogen und kommt ihr Auto dereinst wieder abholen. Von ihr ist auch das ‘Salontischchen’ samt Blumenstrauss in der Bierdose zurück geblieben.
Der Campingplatz-Hund Rocky ist ein alter Herr und spricht sämtliche Sprachen. Er reagiert auf jedes Kommando, lässt den Katzen ihr Futter und ist generell ein freundlicher Kerl.

 121_04_Notfallhinweis
Griechisch ist hübsch anzusehen, nicht ? Nicht wirklich praktisch zu lesen, aber hübsch..

Und dann kam gestern gegen 22 Uhr nach gellendem Alarmsignal diese Notfallinformationen auf mein Handy. Das war so laut, dass ich vor Schreck mein Buch von mir warf. Das ist gefährlich, wenn man’s auf dem Herzen hat; wissen die das nicht ?

121_05_staying

Jedenfalls: nun haben auch wir Ausgangssperre, einen abgeriegelten Campingplatz und den obligatorischen Passierschein-Antrag vor dem Einkaufen.

Vor allem aber dürfen wir den Platz vorläufig nicht mehr verlassen mit dem Auto.
Wir haben also weiterhin Strom, WC, warme Duschen und Wlan. 😊 Na also !

121_06_ManiBeach
..und gleich vor der Türe einen kilometerlangen Sandstrand.. Bei diesen Bedingungen dürfte ’social distancing‘ kein Problem werden..

Achim hat sich heute Morgen verabschiedet und sucht sich ein einsames Strandplätzchen, um da ungestört arbeiten zu können.

Wir stehen hier zu dritt in der vorderen Reihe: Ein Schweizer Paar, das in Ungarn lebt und dort jahrelang ein Ferienheim für Behinderte (aus der Schweiz) betrieben hat; ein französisches Paar, das in Spanien lebt und mit der wahrscheinlich letzten Fähre angereist ist. Und ich. Doch, hier lässt es sich sein.

Von allen Möglichkeiten ist dies momentan die beste für mich. Alles in allem habe ich Schwein gehabt (obwohl ein erzwungenes Wildcamping die Gelegenheit zum Üben gewesen wäre..). Die Umrüstung zum Freisteher strebe ich einfach nach Corona an. Also in einem Monat, in einem Jahr..

😊 Ich wünsche euch allen gute Gesundheit – und viel friedliche Gelassenheit fürs Daheim-Bleiben. Gebt acht auf euch !

121_07_Oldie

Stürmische Corona-Zeiten, und warum ich vielleicht eine Zeitlang nichts mehr sage…

120_01_ManiBeach
Ja, mir geht es sehr gut, und das Wetter ist meistens herrlich.

Aber auch hier jagen sich die Gegenmassnahmen zu der Coronavirus-Ausbreitung.
Zum Beispiel sollen am Montag nicht nur alle Flüge eingestellt werden, nach den Tavernen und Hotels sollen nun auch alle Campingplätze schliessen.

Wir sind ja nur vier Mobile auf dem Platz und stehen mit grossem Abstand zueinander. Ich hätte nicht gedacht, dass sie uns gewissermassen zu ‚Obdachlosen’ machen würden.

120_02_ManiBech
Mani Beach heute Nachmittag

Meine nette deutsche Nachbarin (wir hatten ein paar schöne Tage miteinander) hat heute in aller Eile einen Flug nach Frankfurt gebucht. Sie wird ihr Wohnmobil irgendwo einstellen und am Samstag von Athen aus abfliegen. Der Flug dauert zwei Stunden, die Busfahrt nach Athen fünf.

120_03_Gythio

Die anderen drei Wohnmobilisten auf dem Platz sind alle autark ausgerüstet. Den Schritt dazu hatte ich ebenfalls geplant während meiner diesjährigen Sommerpause in der Schweiz; leider kam Corona deutlich schneller als meine Unabhängigkeit.

Wenn ich also in nächster Zeit nichts mehr sage, liegt es eventuell daran, dass ich wild campen muss, ob ich will oder nicht – und deshalb auch kein wlan mehr habe…

Die Polizei notiert sich nun auch freistehende Campers, und danach darf man sich nicht mehr bewegen. Man muss sich also gut überlegen, wo man hinsteht.

120_04_GythioPharos
Vielleicht kommt aber auch alles anders…
Ich melde mich, falls ich trotzdem hierbleiben kann, falls sich eine andere Lösung ergibt oder spätestens dann, wenn ich nach der ‘wilden Zeit’ wieder in die Zivilisation zurückkehren darf (also von mir aus gerne nach zwei Tagen..).

Ich wünsche euch allen eine robuste Gesundheit und den grösstmöglichen Abstand zu allen Viren und Käfern.
Und viele kleine und grosse Lichtblicke in dieser seltsam dusteren Zeit.

Stalaktiten, Raclette und mein Wildcamping-Début beim Kap Tenaro

119_01_Vlychada
In Pyrgos Dirou bei Areopoli, in der Nähe vom Campingplatz Mani Beach, wurden 1923 diese Tropfsteinhöhlen entdeckt.

Die Vlychada-Höhlen reichen 15 km tief in den Berg hinein; sie sind somit eine der grössten Formationen Europas. Bisher sind sie allerdings erst gut anderthalb Kilometer tief erschlossen. Man kann sich mit einem Boot durch die etwas rudimentär beleuchtete Unterwelt fahren lassen, ehe man die letzten 200 Meter zum Ausgang auf einem befestigten Pfad zurücklegt.
119_02_Vlychada
Ich kam an einem bewölkten Tag gegen 15 Uhr dort an und war weit und breit die einzige Kundschaft. Deshalb gab es für mich einen privaten Gondoliere für die Solo-Fahrt. Es war gerade Flut, weshalb ich alle paar Meter den Kopf einziehen musste, um nicht Haare zu lassen an den tief hängenden Stalaktiten.

119_03_Vlychada
Der Spazierweg zurück zum Eingang um den ‘Höhlenberg’ herum führt an blühenden Sträuchern und Büschen der Küste entlang. Auch das sehr hübsch !

119_04_DirgosCoast

119_05_Heimweg
Die Fahrt zurück zum Campingplatz gestaltete mein Navi ‘Yannick’ wieder einmal spannend und jagte mich auf schmalen Nebenpfaden hoch über die Hügel, ehe er mich in einem Dörfchen ‚ausspuckte’ und selbstzufrieden meinte: «Am Ende der Strasse biegen Sie links ab..». Zum Trost für ‚Blut und Wasser‘ gab’s schöne Aussichten, und der Busch vorne links hat wirklich beinahe keine Kratzer hinterlassen..

119_06_Thiesel&Chantal

Ein Zürcher Paar fuhr gerade auf den Platz, als ich vom Höhlenausflug zurückkam. Thiesel (von Matthias) und Chantal haben gerade einmal zwei Wochen Zeit, ehe sie wieder auf die Fähre müssen.

Und schon hatte ich eine Einladung zum Raclette-Essen bei ihnen. Oh, Wonne !

119_07_Raclette

Olivier (rechts) ist aus dem Südtirol und hat deshalb eine Italienische Autonummer. Er hatte kaum sein Mini-SUV geparkt, da montierte sich der Platz-Chef Erion bereits hastig eine Maler-Maske gegen alle Unbill und den Corona-Virus…

119_07b_OliOli hätte nicht gedacht, dass er eines Tages zu den ‘Geächteten’ gehören könnte, ertrug es aber mit Galgenhumor und stellte erst einmal sein Zelt auf.

Eigentlich sollte Oli für eine humanitäre Rettungsorganisation zu einem Einsatz auf Lesbos reisen; dieser wurde aber kurzfristig abgeblasen wegen den Unruhen dort. Nun wird er sich für eine Weile in der Gegend aufhalten, um abrufbereit zu bleiben. Und er wurde ebenfalls an den Raclette-Abend eingeladen.

Das Raclette schmeckte einfach himmlisch, der Abend wurde laut, lustig, spät und kühl – und der nächste Tag war auffallend ruhig.. 😊

Auf in den Süden der Mani

Man hat mir empfohlen, der Küste entlang zu fahren und in Porto Kagio einen Fisch zu essen. Fisch ist so ziemlich das Teuerste, was man sich hier bestellen kann, denn das Meer ist beinahe leergefischt. Dennoch gibt es sie noch, die Fischer, die mit einem kleinen Netz oder mit der Harpune auf Fischfang gehen, und in Porto Kagio gibt es eine Fisch-Taverne. Na dann !


‘Die Mani’ ist das Gebiet zwischen dem Golf von Messenien und dem Golf von Lakonien auf dem Mittelfinger der Peloponnes
.

119_09_Manihaus

Die trockenen Ausläufer des Taygetos-Gebirges sind nur stellenweise zur Landbewirtschaftung geeignet, sie sind aber wunderschön, karg und schroff – und mit unzähligen Wohntürmchen übersät, die wie Bauklötzchen auf und an den Hügeln kleben.

119_10_ManiDorf

119_11_Manidorf

Diese Bauweise mit den Schiessscharten stammt aus der Zeit, als die Einwohner sich immer wieder gegen Eroberer zu wehren hatten. Auch neuere Häuser weisen diese Bauart auf, nun aber mit kleinen Fenstern.

119_12_PortoKagio
Porto Kagio liegt idyllisch in einer kleinen, geschützten Bucht

119_13_PortoKHafen

Ein Fischer und seine Frau flicken ihre Netze im kleinen Hafen

119_14_TavernaPortoDie Wirtin der ‘Taverna Porto’ nickt, ich könne gerne einen Fisch haben, solle aber vorher die Kapelle am Ende der schmalen Landzunge besuchen; bis zu meiner Rückkehr sei der Fisch dann fertig. Ja, gut, dann wollen wir mal..

119_16_KüsteEs ist ja auch wirklich schön hier

119_17_C&T_Taverne

Als ich zurück zur Hafentaverne komme, sind eben Chantal und Thiesel eingetroffen. Wie schön ! Heute ist Chantals Geburtstag, und zur Feier des Tages gönnen sie sich den grössten Fisch, den ihnen die Wirtin aus ihrer Kühlschublade präsentiert. Sie planen, am nächsten Tag mit Fahrrad und zu Fuss die südlichste Spitze des griechischen Festlands zu besuchen und laden mich ein, mitzumachen.

119_18_WildCamping

Das ist DIE Gelegenheit zum Wildcampen-Début ! Die kann ich mir nicht entgehen lassen.
Wir suchen also nach einem geeigneten Plätzchen für zwei Wohnmobile, und hier oben auf dem Berg würde es uns ausnehmend gut gefallen, wenn nicht die Zufahrt für Autos blockiert wäre.

c21086c2-0559-4b6d-a29e-8f580a8ff7d8Oder hier neben dem verwaisten Turmhaus – da hätten wir den Sonnenuntergang gut sehen können, dafür pfiff uns dort der Wind um die Ohren.. 

119_19_LagerHafenAlso bauen wir unsere Wagenburg am Ende des kiesigen Strandes von Porto Kagio (Bildmitte), in kurzer Gehdistanz zu unserer Fischtaverne und mit herrlichem Blick auf die Bucht hinaus.

xx_PortoKagio
Zum Nachtessen kocht uns Chantal nach dem mittäglichen Fisch Spaghetti an einer würzig-rahmigen Sauce, und wir fühlen uns wie im Paradies unter dem noch beinahe vollen Mond und einem Baldachin aus leuchtenden Sternen.

119_19b_LagerCloseUp
Am Ende blieben wir zwei Nächte in Porto Kagio, und ich habe viel gelernt über das Freistehen. Zum Beispiel:

vorher einkaufen ! Ich bin ja sehr für Tavernen-Besuche, aber ein Glas Apéro-Weisswein vor dem WoMo und mit Aussicht ist etwas Gutes, wenn man denn welchen hat (wie gut, dass Chantal und Thiesel eingekauft hatten..)

alles aufladen, solange man noch am Strom ist ! Handy, eBike, Zahnbürste, Autostaubsauger, eReader, Laptop etc etc. Es ist schon unglaublich, was alles aufgeladen werden muss heutzutage, nicht ? Zum Glück sind Taschentücher noch analog, sozusagen..
(..ich kam mit einem Mehrfachstecker in die Taverne und habe während dem Essen möglichst viel Ladung nachgeholt)

Gas-Funktions-Check ! Das hat tadellos geklappt, allerdings hätte gemahlener Kaffee, der nicht schon bald jährig ist, wohl besser geschmeckt
(etwas Heizung hätte auch nicht geschadet am kühlen Abend, aber ganz so weit bin ich noch nicht mit dem Gas – und im Bett war es ja warm)

Robidog-Säckchen einpacken – und Erfrischungstücher ! Chantal hatte eine ganze Rolle mit dabei. Sie liest die Geschäfte ihres Hundes immer auf und hält es ebenso mit den eigenen Geschäften beim Wildcampen. (ich bin noch nicht ganz sooo naturverbunden, wenn es sich vermeiden lässt, und habe stattdessen angeregt, nochmals in der Taverne zu essen – dort gab’s nämlich auch ein blitzsauberes WC). Die Beiden hinterlassen ausserdem prinzipiell kein einziges Stückchen Abfall, wo immer sie sind. Das nenne ich vorbildlich, so halte ich das nämlich auch.

Kap Tenero – der südlichste Punkt des griechischen Festlands auf der Mani

119_23_MosaikGleich zu Beginn der Wanderung kamen wir an diesem Mosaik vorbei. Es wird in den Reiseführern zwar als sehenswerte Ausgrabungsstätte angepriesen, aber sonst gibt es keinerlei Informationen dazu.. Eigentlich weiss niemand etwas darüber, also liegt es hier so vor sich hin und wird sich in Wind und Regen auflösen.. Ok, ‘Kultur’ für heute erledigt. Weiter geht’s.

119_24a_KapTenero
Links liegt der Golf von Lakonien, rechts jener von Messenien (leider ein kleines Stück ausserhalb meiner Handy-Kameralinse – Samsung Handies können dies scheint’s besser…) 

119_24_KüheAlpenstimmung. Die Kühe laufen frei. Das müssen sie auch, denn das Gras wächst nur sehr spärlich zwischen den borstigen Büschen

119_22_map


Ziel erreicht: der Leuchtturm am Kap Tenero ! Hier ist er, der südlichste Punkt auf dem griechischen Festland

Es ist schön hier, und aus dem ebenerdigen Stock des Leuchtturms dringt Musik – und etwas später Bratenduft. Da arbeitet jemand ! Was der wohl den ganzen Tag so macht ? Vielleicht muss er abends jeweils das Licht des Leuchtturms einschalten ?

119_xx_TavernaPortoWas für ein schöner Tag ! Am Abend sind wir nochmals bei der freundlichen Wirtin im ‘Porto’ eingekehrt und haben zum Apéro Horta-Pita serviert bekommen.

Horta ist ein Grünzeug, das hier wild auf den Wiesen wächst und als Gemüse gegessen wird. Es gleicht dem Löwenzahn und schmeckt wie dieser leicht bitter. Das Pita-Brot wird ganz dünn ausgewallt, mit dem Gemüse und Zwiebeln gefüllt und anschliessend auf dem Grill gebacken. Es schmeckte sagenhaft gut.

Vor dem Schlafengehen gab es auf unserem Logenplatz einen Kaffee mit einem schönesn Schuss Tsipouro, einem griechischen Grappa oder schlicht Tresterbrand.

119_xx_Orchidee

Am nächsten Morgen war für uns alle Aufbruch angesagt. Chantal und Thiesel reisen langsam Patras und der Fähre zu; ich möchte noch ein paar Ecken mehr von der Peloponnes sehen in den nächsten Tagen.

119_xx_ZweiGolfBild

119_xx_Gythion_WäscheZurück in Gythio habe ich gleich sehr lange geduscht 😊 – und gewaschen – für den Fall, dass ich wieder irgendwo frei stehen möchte – oder muss..

Letzte Coronaviruskrise-Entwicklung: sämtliche Tavernen auf der Peloponnes sind für mindestens 14 Tagen geschlossen; die Dörfer wie ausgestorben. 

Sogar auf dem Campingplatz musste der Chef die Tische und Stühle vor der Bar/Reception entfernen, damit wir (total 6 Personen) uns nicht dort ‚zusammenrotten‘ können… 😊

Griechenland muss mich eventuell länger behalten als die von rechts wegen gewährten sechs Monate. Nun ja.. 😊

 

Abschied von Finikounda und Serpentinenfahrt über die ‚Alpen‘ der Mani

118_01_Alpentunnel
Geschafft ! Ich habe Finikounda verlassen !

Nach beinahe vier Monaten der Sesshaftigkeit war das nicht einfach, denn irgendwann ist man so richtig daheim wie in alten Fellpantoffeln; man weiss, wie lange man das Wasser in der Dusche laufen lassen muss, bis es warm wird (drei Minuten mindestens !), wann man am besten abwäscht in der öffentlichen Küche (so lange es noch windstill ist – danach weht es einem beinahe die Teller aus der Hand) – und dass man gut daran tut, gleich zu Beginn des WC-Besuchs zu prüfen, welche Kabine noch Papier hat auf der Rolle… Man hat einen Lieblings-Spaziergang, eine Lieblings-Taverne und einen Lieblings-Minimarkt (weil der zum Beispiel die besten Granatäpfel verkauft).

118_02_FrühlingFrühling ! Im November hat die Regenzeit begonnen – wenn man die kurzen, heftigen Schauer im Abstand von vielleicht zehn Tagen als solche bezeichnen darf.
Sie haben es dennoch geschafft, das Gras unter den Olivenbäumen zu saftigem Grün zu erwecken, und zusammen mit den Wiesenblumen ergibt das einen leuchtend bunten Teppich in der Sonne.
In Griechenland gilt ja die Regel, dass Touristen das Land nach sechs Monaten verlassen müssen, sonst wird es teuer – Bussgelder können glatt 8000 Euro betragen. Da die meisten Campingplatzbetreiber in bar (also schwarz) bezahlt werden möchten, würde auch eine Kurtaxe nichts bringen für den Staat; stattdessen wurden Kameras an allen Grenzübertritten montiert zur Erfassung der Autonummern aller Einreisenden – und diese potentielle Geldquelle wird sehr genau überwacht.
Da ich schon noch etwas mehr sehen möchte vor Ablauf meines Willkomms, war nun wirklich Aufbruch angesagt.

 

Ehe es losging, radelten wir aber noch einmal zu der hübschen Hafenstadt Pylos, die in einer guten Stunde über die Hügel erreicht werden kann.

118_03_NavarinobuchtDas ist sie nochmals: die berühmte Bucht von Navarino mit dem Ort Pylos aus etwas anderer Perspektive
Hier erkennt man gut, wie eingekesselt die Armada der Osmanen 1827 in der Bucht vor Anker lag, als von der Meeröffnung links die Segelschiffe der Griechen, Briten, Franzosen und Russen angriffen und mit ihrem Sieg (trotz empfindlicher Unterzahl bei 28 gegen 89 Schiffe) erfolgreich das Ende der 400jährigen Herrschaft der Osmanen einläuteten.
118_04_Navarino_Schlacht

Wir sind auch nochmals in jeder unserer Stamm-Tavernen in Finikounda eingekehrt und haben uns dabei von den Wirten verabschiedet.

118_06_Priska&OskiEndgültiges Abschiedsessen in der Taverna Ploes. Die Schwyzer Priska und Oski waren schon als junge Familie Camper, und seit ihrer Pensionierung verbringen sie jeden Winter irgendwo im Süden. Zu empfehlen !

Mit ihnen habe ich am meisten Zeit verbracht; manchmal wurde unsere Gruppe grösser, dann schrumpfte sie wieder, und in den letzten Tagen waren wir praktisch die letzten drei Leute auf dem Campingplatz, wenn man von ein paar durchreisenden Franzosen und einem Finnen absieht – und einem Paar aus Athen, das hin und wieder für ein Wochenende anreist.
Am Donnerstag war es dann soweit: Priska und Oski hielten nord- und heimwärts, währenddem ich Richtung Osten den ‘Mittelfinger’ der Peloponnes unter die Räder nahm. Die Region heisst Lakonien und der Landstrich hier heisst Mani und ist dank dem Taygetos-Gebirge die hügeligste Gegend.
Das Auto sprang tadellos an nach seinen dreieinhalb Monaten Total-Stillstand. Uffa!

118_05_Rebberg
Ein typisch griechischer Rebberg

Die häufigste rote Rebsorte hier heisst Agiorgitiko; es werden aber auch Cuvées aus dieser Traube mit Merlot oder Cabernet Sauvignon angeboten, und Rosé aus Grenache-Trauben gibt es ebenfalls zu kaufen. Weissweine sind oft eine Mischung aus allen möglichen Trauben der Gegend. Die Weine sind sehr einfach, ‘Feinfühlige’ behaupten jedoch, dass sie nie Kopfweh hätten nach griechischem Wein. Nach all den Monaten hier habe ich mich an die süffige Leichtigkeit und den Mangel an Körper gewöhnt und finde den Wein meistens tiptop…. 😊

118_07_Koroni
Erster Halt: Koroni an der Ostseite gegenüber von Finikounda. Auch dies ein Hafenstädtchen mit ‘Geröllkrone’, die einst eine Festung war. Charme haben diese Orte aber allemal, weil sie – besonders jetzt im Winter, wo sich beinahe nur Einheimische (na ja, und ich) darin tummeln, viel einfache Echtheit verbreiten.

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118_09_Koroni
In solchen ‘Hauptstrassen’ kann es schon mal passieren, dass ein Wohnmobil mit Alkoven (also mit dem Bett über der Fahrkabine) einen Teil des Dachs an einem Balkon abstreift beim Umfahren parkierter Autos..

Und dann ging es über die ‚Alpen‘ zwischen Kalamata und Sparta

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«Steinschlaggefahr für die nächsten 40 Kilometer» kündigte eine Tafel an. Und tatsächlich muss hier am Morgen eine Art Geröllpflug die herabgefallenen Felsbrocken zur Seite gewischt haben. Immer wieder gab es solche Steinhaufen an der Strassenseite.

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Hoch hinauf und tief hinunter; da kommt wirklich Alpen-Feeling auf . Das Schöne daran war, dass ich so gut wie ganz allein unterwegs war auf diesen Serpentinen

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118_16_Velofalle
Dann bin ich einer Tafel gefolgt, die ein «Panorama» versprach. Statt einer einladenden Terrasse endete die Fahrt auf einem schmalen Pfad zwischen zwei Häusern, beide mit dicken Eisenzäunen bewehrt.

Ich habe folgerichtig eine (theoretische) Dreipunkt-Wendung in 30 x 6 Grad vollzogen, und ich habe es bei einer der vielen Rückwärtsfahrten geschafft, die Velo-Lenkstange so präzise in den Gartenzaun zu hängen, dass alles Rütteln nichts mehr half und ich neun zusätzliche Punkte vor- und zurückfahren musste (inklusive mehrmaligem Aussteigen zur Lage-Einschätzung). Zum Glück war da niemand ausser mir und einem Hund, der mich die ganze Zeit geifernd anbellte durch den Zaun.

Dann hatte ich die Alpenüberquerung aber geschafft und bin jetzt in Gythion auf dem mittleren Peloponnes-Finger

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Der Strand vor dem Camping Mani Beach in Gythion

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118_23_Taygetos
Das ist das Taygetos-Gebirge, für welches die Mani bekannt ist. Vor ein paar Wochen waren Berghöhen noch schneebedeckt. Ich bin froh, dass sie es nicht mehr sind..

Scheisse !!! (ähm: äxgüsi). Ich habe eben zum zweiten Mal alle Tagesaufnahmen direkt vom Handy gelöscht ! Ich weiss zwar, wie ich das vermeiden könnte, aber ich bin ja so ein Profi, dass ich mir den Extra-Schritt sparen kann… Geschieht mir zwar recht, aber schade um die Bilder ist es trotzdem.

118_18_Gythion
Die Fotos waren vom Hafendorf Gythion, und mein Stolz des Tages waren die Aufnahmen der langen, steilen Treppen, die die Leute am Hang täglich mehrfach erklimmen müssen, um zu ihren Hauseingängen zu gelangen. Viele davon steigen so fünf Stockwerke hoch an der Seite der Häuser, auf Treppen mit unregelmässigen Stufenhöhen. Und eine davon war bemalt wie eine Klavier-Tastatur. Herrlich !

Die anderen Bilder waren mein Lobgesang auf das Blau des griechischen Meeres, den hübschen Leuchtturm, die Hafenpromenade – und über das Club Sandwich, das ich vor einer Snackbar mit 187ml Wein habe schmecken lassen. Und das da oben ist ein Trostfoto – vor allem für mich (ich sage aber nicht, woher ich das habe…).

Nach dem strahlenden Tag von gestern wirkt heute alles etwas grau – ich warte noch etwas ab (eine Stunde oder ein paar Tage), ehe ich mich aufmache an die Südspitze der Mani.. 😊