Wasserbüffel und griechische Architektur im Mezzogiorno

Midi und Mezzogiorno bedeuten beide dasselbe, nämlich Mittag (oder im übertragenen Sinn: Süden). Frankreichs Süden nennt man also ‘Midi’,und Süditalien von Kampanien bis Sizilien ‘Mezzogiorno’. Und schon habe ich wieder etwas gelernt..

1_Bufala xDer Mozzarella kommt ursprünglich aus Kampanien, wo ich mich ja immer noch befinde. Interessant. Diese Wasserbüffel-Kühe sind sehr hübsch anzusehen mit ihren wolligen Stirnen und ausladenden Hörnern.

Mozzarella ist mitnichten eine ‘neumodische’ Erfindung – die ersten Nachweise darüber datieren ums Jahr 1400. Damals nannte man ihn einfach ‘Mozza’, denn mozzare heisst trennen/abschneiden und bezeichnet den letzten Schritt im Herstellungsprozess: der Käser nimmt den geschmeidig gekneteten Frischkäseballen aus der Lake und drückt vorne zwischen Zeigefinger und Daumen ein rundes Bällchen ums andere ab (dadurch entsteht auch das kleine Zipfelchen auf dem Käse).

Ich habe mir ein paar der Mozzarella-Bällchen und ein kleines Joghurt (von ca. 800g) gekauft, komme aber nicht dazu, die Dinger auch zu essen, denn ich muss immer ins Camping-Restaurant. Aber davon später…

2_BufalaIn Torre di Paestum, in zehn Minuten Spaziergang von meinem Platz aus, steht einer der Höfe, die sich auf Büffelmilch und deren Produkte spezialisiert haben, die Azienda Caseificio Barlotti. Da stehen und liegen bestimmt sechzig der üppig behörnten Kühe und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Allfälliger Regen macht ihnen aber schätzungsweise auch nichts aus. 

Ich stehe auf dem Campingplatz ‘Villaggio dei Pini’ mit über 100 (leeren) Stellplätzen und einer ganzen Reihe von Bungalows, und da es der einzige noch offene Platz ist weit und breit, war die Wahl einfach. Der kleine Supermarkt hat noch offen, aber alle Hotels und Restaurants im Dorf sind geschlossen, und wenn nicht ein paar Einheimische plaudernd vor den Häusern sitzen würden, wäre dies ein typischer Vertreter eines Küsten-Geisterstädtchens.

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Ich hatte Glück: es gab da noch ein anderes Auto auf dem Campingplatz, sogar eines mit Schweizer Flagge auf dem Dach, sonst wäre ich hier der einzige Gast, und da fühlt man sich manchmal schon sehr allein nach ein paar Tagen.

Sylvia und Thomas sind eigentlich noch deutlich zu jung für das ‘Altenteil’, planen aber, mit ihrem Labrador Gioco an acht von zwölf Monaten unterwegs zu sein in Zukunft. Da ich einen vorzeitigen Schritt in die Pensionierung nie auch nur ansatzweise in Betracht gezogen hatte, finde ich das ganz schön mutig.
Inzwischen weiss ich aber auch, dass eine solche Entscheidung viel Leben ins Leben bringt – und ganz eigentlich jedem empfohlen werden darf.

Da auch in Italien praktisch sämtliche Rotkreuz-Hinweise und Tafeln eigentlich ‘Weisskreuz-Tafeln’ sind und ergo Schweizer Flaggen, werden die Beiden öfter für ‘Medicos’ gehalten und hoffen nun einfach, nicht plötzlich als solche zum Nofall-Einsatz beigezogen zu werden… 😊

4_AntonioWir haben zweimal miteinander zu Abend gegessen im Restaurant auf dem Platz, viel geplaudert und gelacht, und nun habe ich einen schönen Vorrat an zwischenmenschlicher Wärme aufgetankt. Das ist auch gut so, denn seit heute Morgen bin ich wirklich ganz allein auf dem Platz, und der Tag hat sich kühl und regnerisch entwickelt.

Antonio, der ‘Junggeselle für alles’ auf dem Platz (Foto oben), arbeitet seit 27 Jahren hier. Er kocht, wischt Laub zusammen, ersetzt kaputte Lampenbirnen und kocht wieder – und dazwischen animiert er die im Moment etwas dünn gesäte Kundschaft dazu, im Restaurant zu essen. Er tut dies in einem so völlig unitalienisch monotonen Jammerton, dass man bald klein beigibt.
Antonios Essen ist aber auch tatsächlich sehr gut. Ich habe also auch heute Abend wieder einen Termin am Cheminée um 18.30h – das Restaurant öffnet etwas früher, um uns Nordländer glücklich zu machen.. (und deshalb komme ich einfach nicht dazu, meinen Mozzarella zu essen.. 😊)

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Abendlicher Nachtrag: heute gab es feine Spaghetti mit viel winzig geschnittenem Broccoli und einer Art Schweinsbratwurst-Stückchen darin, gefolgt von backfrischem Kuchen und einem Limoncello.
Ich bin rund und satt wieder daheim, und die Camping-Familie von acht Personen hat sich eben zum Abendessen hingesetzt um 21.15h. Ich habe sie gefragt, warum sie eigentlich immer so spät damit beginnen. Nun ja, meinten sie, im Sommer ist es schlicht zu heiss zum Essen vor 21 Uhr abends – und dann bleibt man halt dabei – also so, wie wir bei 18/19 Uhr bleiben, auch wenn wir nicht müssten.. Ja, das leuchtet ein.

Ich habe auch mit der Nonna des Clans gesprochen; sie sitzt jeden Abend neben dem Feuer und sieht unzufrieden aus. Es stellte sich heraus, dass sie einst Lehrerin für Geschichte und Geographie war und fürs Leben gern gelesen hat. Nun sieht sie nur noch wenig, hat vor gut zwei Jahren ihren Ehemann verloren, mit dem sie 51 Jahre lang verheiratet gewesen war – und ist sehr unglücklich mit ihrem jetzigen Leben. Ich habe gesagt, es müsse doch etwas geben, was sie gerne tun würde und auch noch tun könnte, aber ich glaube, sie bleibt lieber unglücklich.
xx_mapIm Restaurant herrschen gut und gerne 25 Grad Celsius, was wir wahrscheinlich auch der Nonna zu verdanken haben. Wenn man aus der kühlen Nacht hierher kommt, hat man bald rote Bäckchen und das Bedürfnis, einiges auszuziehen. Da passt auch der Weisswein viel besser als der Rote, mit dem man sich eben noch aufzuwärmen gedachte vor dem (echten) Holzfeuer.. Rechts: ich bin hier ! 😊 Langsam aber sicher…

Paestum: drei Tempel und eine Stadt
Überreste einer grossgriechischen Kolonie

6_PaestumIn Paestum (ausgesprochen: ‘Pestum’) steht die Ruine der griechischen Tempelstadt ‘Poseidonia’ von 600 v. Chr. Sie liegt am Rio Sele und war in der Antike ein bedeutendes Handelszentrum.

Da die Griechen überall ein grosses kulturelles Erbe hinterliessen, wird gerne darüber hinweggesehen, dass sie die Lokalbevölkerung wahrscheinlich ebenso rücksichtslos ‘kolonialisierten’ wie dies später auch die Römer und andere Kolonialmächte taten (‘Magna Graecia’, also ‘Grossgriechenland’ nannten sie ihre Eroberungen von Kampanien bis Sizilien). Man weiss zwar nicht nachweislich, was aus den Siedlungen wurde, die auf dem gewählten Bauland für Poseidonia standen, aber dass es dort bereits Siedlungen gegeben hatte, ist unbestritten.

7_PaestumAls die Römer ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. an die Macht kamen, tauften sie die Stadt um in ‘Paestum’ und rodeten leichtsinnigerweise die dichten  Pinienwälder rund um die Siedlung für den Bau ihrer Flotten. Das Land begann zu versumpfen, und bald breitete sich die Malaria aus. Schliesslich mussten sie den Ort aufgeben und landeinwärts ziehen, und wieder einmal geriet eine ganze Stadt über mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit (ein ziemlich vergessliches Volk, oder ?..)

7_Paestum x.jpgWiederentdeckt wurde Paestum etwa zur selben Zeit wie Pompeji, als die Bourbonen 1750 eine Straße durch das Gebiet zogen und dabei auf die Tempelruinen stiessen (die meisten Gebäude blieben jedoch bis 1950 unentdeckt).

Während Pompeji das Alltagsleben in einer Stadt vor 2000 Jahren zeigt, glänzt Paestum mit seiner griechischen Tempel-Architektur und drei besonders anschaulichen Modellen der dorischen Bauweise, welche massive Gebäude für ihre Götterkulte hervorbrachte und das ästhetische Empfinden jener Zeit illustrieren. 

Kleine Einführung in die Säulenordnung der griechischen Architektur:

8_Säulenordnung xDorische, ionische, korinthische Säulen

Dorische Säulen sind die ältesten der drei Säulenformen. Sie sind einfach gearbeitet, massiv und sehr geeignet als Hauptträger eines Gebäudes. Dieser Stil verlor zwar im Laufe der Zeit etwas von der Wölbung der Säulen, aber in Paestum ist sie noch gut zu erkennen.
Ionische Säulen sind bereits eleganter und zeigen orientalische Einflüsse
Korinthische Säulen sind die jüngsten der drei. Ihre Verzierungen orientieren sich an Acanthus-Blättern (Bärenklau), die eine Fülle von Dekorationsmöglichkeiten für den Säulenkopf und zahlreiche weitere Objekte am und im Bau hervorbrachten.

9_AcanthusDer Bärenklau und die kunstvolle Interpretation seiner Blätter

10_Dorische
Die drei Tempel in Paestum sind alle im Dorischen Stil errichtet. Hier sieht man gut die  typische, leicht bauchige Säulenform der massiven Träger

Nach siegreichen militärischen Konflikten fanden griechische Architektur-Regeln den Weg nach Rom, wo sie in die bereits hochstehende eigene Baukunst integriert wurden. Das Erscheinungsbild veränderte sich dadurch grundlegend, denn bisher waren (zum Beispiel) römische Säulen eher glatt und schmucklos gebaut worden.

11_KolosseumEin schönes Beispiel für die Umsetzung des in die römische Architektur übernommenen Säulenstils der Griechen ist das Kolosseum in Rom
Die Stockwerke sind umringt von Halbsäulen, die im Untergeschoss der dorischen, in der Mitte der ionischen und im dritten Stockwerk der korinthischen Bauweise folgen.

Und weil mir das mit den Säulen schon in Rom erzählt worden war, ich aber keinen Schimmer hatte, wovon sie es hatten, wollte ich es nun genauer wissen, denn die Säulen kamen auch hier zur Sprache. Und das habt ihr nun davon…
😊

Im Museum von Paestum

12_Taucher.jpgDer Taucher oben kommt auch im Logo des Archäologischen Parks von Paestum vor (darüber eingefügt) Er stammt aus dem Gemälde im Sargdeckel vom ‘Grab des Tauchers’. Es wird vermutet, dass der Sprung vom Turm den Übergang vom Leben in das Totenreich symbolisieren soll.  

13_TöpfernDa ich nun weiss, dass bei dieser Dekorationstechnik alles gemalt werden musste, was beim Brennen schwarz wird, damit die Figuren in der Farbe des Tons erscheinen, bin ich sehr beeindruckt vom Können der Töpfer im 5. Jahrhundert v. Chr.

Und dies, obwohl ich niemals ein solchermassen bemaltes Gefäss besitzen möchte: in meiner Erinnerung sind diese griechischen Motive meistens auf billigen Schalen und Bechern zu finden, die im Regal der Nachbarn gleich neben den schiefen Pisa- und Eiffeltürmchen standen und um die ich sie nie beneidet habe..

Michelangelo soll ja auf die Frage, wie man ein Werk wie den ‘David’ erschaffen kann,  gesagt haben: «Man nehme einen Marmorblock und entferne alles, was nicht nach ‘David’ aussieht».
Meine Bewunderung für Werke der bildenden Kunst rührt schätzungsweise daher, dass mir ein Talent dafür ebenso gründlich fehlt wie der Orientierungssinn…
😊

x_Ebene von Paestum
Die Ebene von Paestum

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Da das Baden am Strand von Paestum offenbar nicht einmal für Rettungsschwimmer sicher ist, habe ich beschlossen, ausnahmsweise nicht schwimmen zu gehen.. 😊

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Mein Super-Rezept für schnelle Penne nach Sorrentiner Art in nur zwei Stunden!

Ich habe das Gas, das ich in meiner Camper-Garage aufgeladen bekam, noch nicht angerührt, denn bisher lief es sehr gut mit dem Kochen auf der elektrischen Herdplatte, die ich bei Fust gekauft habe. Und meine kleine Würfelheizung funktioniert tadellos. Hier in Sorrento habe ich normalerweise auswärts gegessen, da ich aber morgen weiterfahre, wollte ich die leicht angetrockneten Tomätli im Kühlschrank noch verwerten. Mein super einfaches Rezept dazu möchte ich euch keinesfalls vorenthalten.

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Zubereitungszeit: plus/minus 2 Stunden
Schwierigkeitsgrad: super einfach (eigentlich), manchmal etwas aufwändiger..
Zutaten:
eine Handvoll Penne, 2 Esslöffel Frischkäse mit Kräutern, etwas Milch, 1 Zwiebel gehackt, Salz, Pfeffer, ein paar kleingeschnittene Tomätli (Datterini sind besonders geeignet), 2 Esslöffel geriebener Grano Padano

  1. Man setze die Pfanne auf die Elektroplatte, giesse 4 cm Wasser hinein und schalte die Platte ein auf der höchsten Stufe 5 – und gleich wieder aus, weil es die Sicherung rausgehauen hat.
  2. Gang zum Elektropfosten, Sicherung wieder hochkippen
  3. Im Auto nun die Elektroheizung und das Staubsaugerchen, das am Aufladen ist, ausschalten, Platte wieder einschalten auf Stufe 5 (ist ja schliesslich ein schnelles Gericht)
  4. Wiederhole den Sicherungskasten-Gang
  5. Alles ausschalten, was auch nur vage an Elektrizität, Feuer oder Funken erinnert (Lampen, Handy, Feuerzeuge, Taschenlampe), Herdplatte nun auf Stellung 2.5 von 5
  6. Sicherung hält. Na also. Zwiebel kleinschneiden, Tomätchen würfeln, drei bis vier Kapitel eines spannenden Buches lesen
  7. Nun steigt bereits ein kleines Räuchlein auf über dem Wasser ? Hurra ! Penne und einen Löffel Salz dazugeben, gut umrühren (keine Sorge: das Salz löst sich auf, sobald das Wasser etwas wärmer wird..)
  8. Kleine Runde um den Platz drehen, ein paar Fotos vom Vesuv machen, mit der Katze spielen
  9. Penne umrühren (inzwischen ist das Wasser schon ein wenig wärmer als der Finger, den man probehalber hinein stippt – das kommt gut !).
  10. Vielleicht liegt sogar Stellung 3 drin ? Nein, doch nicht. Herd abstellen, Sicherung hochkippen, Stellung 2.5 reicht ja auch völlig aus.
  11. Wohnung staubsaugen, Kleider im Kasten nach Farben sortieren
  12. Penne sind sehr al dente, also genau richtig ! Ins Lochbecken abgiessen und beiseite stellen.
  13. In dieselbe Pfanne etwas Olivenöl und eine gehackte Zwiebel geben
  14. Besuch an der Reception – kleine Plauderei mit der Platzbetreiberin. Morgen geht’s weiter, da kann ich ja auch gleich die Rechnung bezahlen. Das waren dann neun Nächte auf diesem Platz ! Himmel, wie die Zeit vergeht !
  15. Die Zwiebeln sind unten ein klein wenig hellgelb geworden ? Perfekt ! Nun kommen zwei Esslöffel Frischkäse mit Kräutern und ein Schlückchen Milch dazu.
  16. Salat schneiden, würzen, mit Essig und Öl beträufeln. Getränkeflasche für morgen mit frischem Wasser auffüllen an der Abwaschstation (dort gibt’s immer  Trinkwasser), Vitamintablette einnehmen, Augenbrauen zupfen
  17. Aha ! Der Frischkäse hat sich schon beinahe aufgelöst ! Tomatenstücke dazugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen
  18. Lebensmittelkasten aufräumen – aha ! Hier sind sie ja, die Vanillestängel, die ich kürzlich gesucht hatte ! Schön !
  19. Die Sauce mit Salz und Pfeffer würzen, die inzwischen eiskalt gewordenen Penne zur Sauce geben, alles gut umrühren.
  20. Im Campingplatz-Führer blättern und die nächsten fünf möglichen Ziele recherchieren, dann den Reibkäse zu den Penne geben (er hilft, die noch nicht ganz sämige Sauce zu binden..)
  21. Den inzwischen leicht schlabbrigen Salat auf die eine Tellerhälfte schieben, eine schöne Portion der Penne auf die andere Hälfte geben, dabei ein paar der Tomatenstücke oben drauf setzen als Garnitur, frisch gemahlener Pfeffer darüber – und hey presto – fertig ist das schnelle, feine Gericht !

Mmmhm ! Ist das feiiiiin !
(es ist übrigens sowieso besser für die Gesundheit, wenn man das Essen eher lauwarm geniesst..)

Die andere Seite des Golfs von Neapel: Sorrento, Amalfi, Positano, Capri

Nach einer Reise von doch glatt 28 Kilometern ab Pompeji bin ich seit einer guten Woche hier in Sorrento und stehe unter Olivenbäumen.  Von hier aus gesehen liegt Neapel wie ein Halsband um den Vesuv und blinkt nachts als Lichterkette übers Wasser zu mir herüber.

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Mein Ausblick von oberhalb des Platzes und vom Platz Nube d’Argento – der Vesuv ist von überall in der Bucht zu sehen

Sorrento ist eine kleine Bilderbuchstadt – typisch für Touristen-Orte

2_sorrentoEs ist hell, freundlich, einladend mit grossen Fussgängerzonen – und gleich um die Ecke von meinem momentanen Wohnort.

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Im Moment ist viel los: ein Verkaufsstand reiht sich an den nächsten, und was verkaufen die als DIE Spezialität schlechthin ? Schokolade !
Der Anlass heisst ,Fiera del Cioccolato Artigianale’. Ein Wochenende lang steht die Strasse ganz im Zeichen von Schokolade. Ich habe mich zuerst geziert, aber dann musste ich sie halt doch degustieren. Und wisst ihr was ? Die war – ähm, ich sage es ganz vorsichtig – die war richtig, richtig GUT ! 😊 Cremig-zarter Schmelz, knackig geröstete Haselnüsse, keine Spur von dieser körnig-mehligen Struktur, die man manchmal in ausländischer Schokolade findet. Wow ! Ich habe mir eine kleine Ecke Bruchschokolade mit Nüssen einpacken lassen (160g oder so…), alles aufs Mal gegessen – und für eine Weile vermeide ich das Thema Schokolade nun ganz gerne..

4_Limoncello.jpgDas zweithäufigste Verkaufsgut in den Touristenläden ist der Limoncello !
Ausserdem weitere Produkte auf Zitronenbasis wie Seifen, Duftkonzentrate, Bonbons. In jeder Gasse findet man mindestens einen knallgelben Laden, der von einem frischen Sommerduft umweht wird.

5_BellevueSyrene.jpgKomposition in graublau – habe ich schon erwähnt, dass der Vesuv irgendwie immer im Bild ist ? Ach ja ? Hm….

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Auf dem Dach hier gab es eine hübsche Fotoausstellung zu den frühen Jahren von Sophia Loren. Leider durfte ich da nicht fotografieren, aber die Stimmung links erinnert einen schon sehr an die alten Filme, in denen sie mit den Händen in den Hüften ein freches Waschweib mit Herz spielte, nicht wahr ?

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Man wird hier automatisch ein bisschen Vesuv-narrisch, denn er ist immer da, wohin man auch sieht… (wahrscheinlich ist es Zeit für mich, weiterzuziehen, ehe ich nur noch Vesuv-Fotos bringe..). 😊

Black Friday 

Ich gebe es ja zu: ich habe mich mit vielen anderen darüber aufgeregt, dass wir schon wieder etwas aus den USA importiert haben: den Black Friday.
Es ist der Freitag nach Thanksgiving, welches am vierten Donnerstag im November gefeiert wird, und da viele Leute den Tag danach als Brückentag beziehen, wurde dieser Freitag der Auftakt zum Weihnachtsgeschäft und ist für viele Geschäfte der umsatzstärkste Tag des Jahres. Vor ein paar Jahren ist der Trend auch in Europa angekommen, (vorläufig) noch ohne den Truthahn am Vorabend..
‘Black Friday’ benannt hat ihn 1966 die Polizei in Philadelphia, denn für sie ist er einer der arbeitsintensivste Tag des Jahres, der Tag der endlosen Staus, der völlig überfüllten Innenstädte, der Taschen- und Ladendiebe und der kurzen Nerven.

Ich habe mir am Freitag in Sorrento ein paar Wanderschuhe gekauft für 98.- statt 139.- Euro mit 30% Black Friday-Rabatt.
Ähm: Ich werde etwas eifriger über Halloween herziehen müssen, denn sooo schlimm ist dieser ‘Black Friday’-Import irgendwie gar nicht..  😊
9_Albero.jpgAm Freitag wurde in Sorrento auch der grosse Weihnachtsbaum an der ‘Piazza Torquato Tasso’ hoch offifziell unter Strom gesetzt. 

Natürlich kamen die Stadtbewohner in Massen; eine Guggenmusik und Volksmusikanten spielten auf, diverse Samikläuse bimmelten durch die Strasse – und dann der grosse Moment: alle zählten laut mit beim Countdown – Und nun blitzt und glitzert eine riesige Tanne aus mit Rasenteppich bezogenem Gestell in einem rasenden Lichter-Programm. Jawohl, die besinnliche Zeit ist angebrochen ! (rette sich, wer kann).

10_Enoteca.jpgZum Glück gibt es überall auch gemütliche, ruhige Eckchen…

11_EnotecaAlbero.jpgDer Rotwein in dieser Enoteca ist ausschliesslich aus der autochthonen Aglianico-Traube. Mein Gute-Nacht-Glas vor dem Heimwandern, währenddem der Baum Hula Hoop spielt…

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15_DAnton.jpgIn der Bar D’Anton kann man sich auf weichen Sofas oder alten Esszimmerstühlen niederlassen – und die ganze Einrichtung ist zum Verkauf ausgeschrieben – sogar mein Weinglas war ein schweres Einzelstück. Das Geschäft gehört einem Geschwisterpaar aus Argentinien mit viel Sinn für Deko und die Gastgeberei.
Mir hat es die Weihnachtsbaum-Alternative rechts angetan – ist sie nicht hübsch ? Wenn man erst einmal die Idee hat, sind den eigenen Varianten keine Grenzen gesetzt. 

Amalfis Küste und Italiens meistfotografierte Pinie

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Ich bin froh, dass ich der Empfehlung gefolgt bin, per Bus nach Amalfi zu reisen; die Strasse windet sich nämlich schmal und unter vielen engen Kurven über die Hügel, und ich bin mit einer grenzenlosen Hochachtung für die Busfahrer zurückgekommen – und mit noch immer leicht gesträubten Haaren.

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Schöne Costiera Amalfitana. Die Wolkenschlieren entstanden durch das im Busfenster eingelassene ‘Lochgitter’, das wahrscheinlich ein Splittern des Glases verhindern soll im Falle eines Falles. Das und die Busbewegung. Dramatischer Effekt, nicht wahr ? Er nimmt dem Türkis des Meeres etwas von seiner leuchtenden Intensität, aber man kann nicht alles haben.

18_Amalfiküste.jpg20_Felswand.jpg21_Gischt.jpgOft senkrechte Felswände auf der einen Strassenseite – und auf der anderen die Wellen, die tief unten mit Wucht auf die Küste treffen und in Wolken aus Gischt zerstieben, ehe sie – von weit oben gesehen völlig lautlos – zu einem weissen Schäumchen zerrinnen.

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Positano wird auch als die Perle der Amalfiküste bezeichnet

Amalfi ist ein schmuckes Touristen-Städtchen mit einem kleinen Hafen – und natürlich mit einem Dom.. 😊

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23_Amalfi.jpgIch habe festgestellt, dass mir Kloster-Kreuzgänge mit ihren Hofgärten eigentlich überall gut gefallen.. (rechts)

24_AmalfiDom.jpg ..wohingegen mir der Prunk in solchen Kathedralen immer ein etwas schlechtes (Fremd-) Gewissen verursacht, denn solche Prachtgebäude wurden auch mit Geld wirklich armer Leute gebaut, die sich dieses vom Mund absparten in der Hoffnung auf eine bessere Aufnahme im Jenseits. Schön sind die Dome aber wirklich.
Hier sind die Wände rosa angehaucht und schaffen eine warme, friedliche Stimmung (die sind sicher schaurig froh, dass ich die Farbgebung für gut befunden habe..).

 

Höllenritt nach Ravello..

Da ich bereits anderthalb Stunden gefahren war, kam es auf nochmals eine halbe Stunde auch nicht mehr an, und ich bin in den nächsten Bus nach Ravello gestiegen.
Die schmale Strasse wurde bald noch schmaler, der Bus benötigte nun zwei Drittel der Strassenbreite. Schon hupte der Fahrer kurz – und fuhr ganz nach links hinüber für die nächste Rechtskurve, die er haarscharf am rechten Mäuerchen vorbei schaffte. Von nun an ging es so weiter: der Fahrer hupte immer mal wieder und fuhr mit ungedrosselter Geschwindigkeit um Kurven und Kürvchen, und entgegenkommende Autos klappten augenblicklich ihren Seitenspiegel ein und verdrückten sich in winzige Buchten oder auf Trottoirs, wenn es eines gab. Oder sie fuhren rückwärts, bis sie eines von beidem fanden. Wir selber waren ebenfalls öfters rückwärts unterwegs, vor allem dann, wenn uns ein anderer Bus entgegen kam und an einem breiteren Strassenstück mit ein paar Zentimetern Spielraum vorbeizog. Und der Fahrer pfiff auch noch die ganze Zeit vergnügt vor sich hin ! Unglaublich !

25_Pinie.jpgSie steht in Ravello: die wahrscheinlich meistfotografierte Pinie Italiens !

Sie ziert jede Broschüre dieser Gegend; sie wird zur Hochsaison von Hunderten täglich fotografiert – und ich hätte sie beinahe verpasst, weil ich mir meiner Sache wieder einmal so sicher war, dass ich nicht zweimal hinschaute. Also irrte ich ‘Stägeli uf und Stägeli ab’, sah die Kirche einmal von oben, dann wieder von der Seite, aber immer mit einer Gässchenmauer oder einem Gitter dazwischen. Beinahe hätte ich aufgegeben, als ich einen netten alten Herrn traf, der mich zum richtigen Eingang führte.

Prompt gab es da eine Eintrittskasse zur 800jährigen ‘Villa Rufolo’, auf deren Grund die Pinie steht. «7 Euro», sagte die Dame dort. «Ja, und wenn ich bloss husch die Pinie mit Kirche fotografieren möchte?». «Dann sind es 7 Euro.». Ja dann ! (das war auch wirklich eine völlig überflüssige Frage – den Preis bezahlt man ausschliesslich für DIE PINIE, alles andere gibt’s gratis dazu – das weiss man allerdings erst nach dem Besuch..). 😊

26_PinieVorher.jpgEben: das war vorher, als ich noch dachte, das Finden DER Pinie könne ja nicht so schwierig sein. Doch, doch, kann es sehr wohl..

Wenn bei Capri die rote Sonne…

27_Capri.jpgDie Insel dort hinten ist Capri. Sie liegt fünf Kilometer vom Festland entfernt, was 25 Minuten Bootsfahrt entspricht. Und die Sonne ist um 15.30h halt noch nicht ganz so rot, dass sie deswegen versinken möchte..

Capri ist der Name der Insel mit 14’000 Einwohnern und des Hauptortes darauf. Das Städtchen Capri trohnt oben auf einem Berg und ist so schmuck wie all die Orte hier, die beinahe ausschliesslich vom Tourismus leben (etwas Anbau von Wein, Obst und Oliven auf Terrassenkulturen ergänzen die immergrüne Landschaft).
Die Insel ist 6.3 km lang und 2.7 km breit. Der höchste Berg ist der Monte Solaro mit 589 Metern. Und auch Capri gehört zur Metropolitan-Stadt Napoli.

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Da schau her: Das Funicolare von Capri ist doch tatsächlich in Olten gebaut worden. Es bringt einen vom Hafen ‘Marina Grande’ rasch hinauf in die Stadtmitte von Capri.

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Capri in meiner Erinnerung ist blau, grün und weiss, alle Farben leuchtend und intensiv. Das war ein schöner Ausflug.

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Zurück in Sorrento

Dieser stolze Pfüdi-Besitzer hat sich gefreut über mein überraschtes Kompliment zu seinem Abarth-Tuning. Er ist danach unter lautem Hupen und in einem Höllentempo an mir vorbeigesaust. Das zeigt doch schön, wie sich Statussymbole eigentlich immer zuerst aus dem Nützlichen heraus entwickeln, ehe sie jedes Mass verlieren..

34_OSoleMio.jpg Diese Beiden schmeissen das ‘O Sole mio’ allein – sie ist für das ‘Anschleppen’ von Kunden und den Service zuständig, er für die riesigen, ovalen Pizze, die in gigantischen Schachteln mit nach Hause genommen werden von den Take-Away-Kunden.

In Italien ist es üblich, dass jemand mit der Menükarte vor dem Restaurant steht und potentielle Gäste anspricht. Die Pizza vor dem Fernseher war auch tatsächlich vorzüglich, bloss das Lokal macht den Eindruck, als ob es schon seit Jahren ein wenig überholt werden müsste… Aber die Beiden sind süss, und die Signora sagte mir mindestens fünf Mal: «Grazie del cuore» und hat mich an unsere Frau Konrad im Volg Winkel erinnert..

 

Tierische Bekanntschaften

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Meine ‘Eroberung’ auf dem Sorrento-Campingplatz: eine extrem anhängliche Katze, die am liebsten bei den Gästen wohnen würde.
Ich sitze am Morgen mit dem ersten Kaffee in meine Wolldecke gepackt auf meinem Treppchen und – zack – sitzt die Katze auf mir.

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Tauben sind sich extrem futterneidisch und behindern sich beim Picken gegenseitig und rücksichtslos mit Flügelschlägen. Die hätten es nie und nimmer zum Friedenssymbol geschafft, wenn sie damals nicht einen wichtigen Titel-Vergeber bestochen hätten ! Ehrlich verdient haben sie diese gehobene Stellung nämlich auf keinen Fall ! Immerhin gurren sie hier tatsächlich ein ‘Ruggedigu’ wie es sich gehört laut ‘Aschenbrödel’, kommen also etwas melodiöser daher als die spanische Drei-Silben-Version ‘Gu-huu-hu’.

Das Rotkehlchen hingegen war von Anfang an ein Charme-Bölzchen,
das sich zuerst ein paar Tage lang tänzelnd zierte. Aber mit Brosamen schafft man sich leicht Freunde, und diese erinnern einen auch gerne an die Freundespflicht durch einen kleinen Hausbesuch..   

35xVesuv.jpgHabe ich schon erwähnt, dass der Vesuv…. Ok, ok, ist ja gut.. 😊

Mir ist natürlich klar, dass der Berg sich nicht gross bewegt hat zwischen den einzelnen Bildern…. Morgen entziehe ich mich deshalb der Gefahr, mich in weiteren Bildwiederholungen zu ergehen, versprochen !

Napolis Unterwelt

Wer nun denkt, dass ich ein paar Vertreter der Camorra getroffen habe, hat vielleicht recht, aber mir wurde keiner offiziell vorgestellt, also kann ich nichts behaupten. Mein Titel ist ganz und gar wörtlich gemeint: heute bin ich in die Tiefen von Napolis Unterwelt gestiegen (und wieder hochgekeucht !): Napoli Sotterranea.

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Vierzig Meter tief unter den Gassen von Neapel erstreckt sich auf achtzig Kilometern ein Labyrinth aus Höhlen und ehemaligen Zisternen. Es entstand, als jeweils direkt unter einem geplanten Haus Tuffstein abgebaut wurde, denn dieser ist nachgerade ideales Baumaterial: es lässt sich leicht bearbeiten und ist dabei wärmespeichernd und isolierend. Um sich die Transportwege zur Baustelle zu ersparen, wurde auf dem Bauplatz zuerst ein senkrechter Stollen gebohrt, durch den die Lavagestein-Quader später hochgezogen wurden – und darunter entstanden die Höhlen durch den Abbau selber.

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Diese Art, Häuser zu bauen aus vulkanischem Gestein begann schon vor 5000 Jahren. Ab 700 v. Chr. benutzten auch die Griechen den Tuffstein zum Bau ihrer Häuser, Festungen und Tempel. Die ehemaligen Steinbruch-Höhlen wurden schon damals als Wasser-Reservoirs genutzt.

Nebenbei bemerkt: als die Griechen 500 v. Chr. ihre zweite Festungsstadt bauten, nannten sie sie ‘Neustadt’, also ‘Neapolis’.


Ab 326 v. Chr. kamen die Römer an die Macht. Sie verbanden die Höhlen mit Tunneln und Kanälen und leiteten durch Aquädukte Wasserquellen in diese unterirdischen Zisternen. Nun konnte von jedem Haus aus Wasser daraus geschöpft werden.

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Das Zisternensystem wurde bis 1885 genutzt, nach einer Choleraepidemie in jenem Jahr jedoch durch modernere Leitungen ersetzt. Die Zisternen wurden nicht mehr befüllt
(diese hier wird aus dramaturgischen Gründen für die Besucher am Leben erhalten..)

 

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Während des zweiten Weltkriegs wurden die Höhlen zu Luftschutzbunkern
Die Bevölkerung Neapels verbrachte Tage und Wochen in den unterirdischen Höhlen, die sich als sicherer herausstellten als die Kirchen, die ebenfalls bombardiert wurden. Die Menschen begannen sich unter der Erde einzurichten. Diejenigen, die ihr Haus verloren hatten, bewohnten danach eine Höhlenecke, die sie für etwas Privatsphäre durch Bettlaken abtrennten vom Rest des Raums.

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Nach dem Krieg wurden die Höhlen mit dem Schutt der zerbombten Gebäude gefüllt und in den 50er und 60er-Jahren als Abfalldeponie benutzt. So geriet das unterirdische Neapel langsam in Vergessenheit.

Ende der 70er-Jahre aber gab es einen verheerenden Brand in einem Sägewerk, welches während Jahrzehnten seine Sägespäne in den Höhlen darunter entsorgt hatte.

Der Brand erreichte auch die unterirdischen Höhlengänge, der Rauch breitete sich durch die Tunnelverbindungen aus in alle Keller des betroffenen Stadtteils. Drei Tage lang dauerten die Löscharbeiten, und die Feuerwehr entdeckte dabei eine gemauerte Treppe zu einem Keller. Sie führte zu einem Bunker voller Wandzeichnungen mit Darstellungen aus dem Alltag während des Krieges.

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Dieser Fund weckte das Interesse für das unterirdische Neapel. Da viel zuviel Abfall in den Gängen und Höhlen lag, als dass man ihn hätte entfernen können, wurde er stattdessen gleichmässig verteilt und mit einer drei Meter hohen Betonschicht zugedeckt.

5_Marijke.jpgLinks: durch diesen Gang von 50 cm Breite, 1.75 Metern Höhe und 100 Metern Länge drückten wir uns – oft seitwärts – mit LED-Kerzen, weil es etwas weiter drin keine Lampen mehr gibt an den Wänden.
Rechts: Die Holländerin Marijke rechts vorne war meine ‘Kerzen-Partnerin’ (eine Kerze pro zwei Personen, hatte der Befehl gelautet – die hatten uns sowas von im Griff 😊).
6_Keller.jpgIm diesem Gewölbe wohnte eine alte Frau, die jeweils ihr Bett nach hinten in die Stube schob, um darunter an die grosse graue Falltüre zu ihrem Keller zu gelangen. Dort lagerte sie ihren Wein und Vorräte – mitten in den Garderoben des Amphitheaters..

7_GoogleSatelliteAuf der Satellitenkarte sieht man gut, wie die ‘neuen’ Häuser, die auf dem Amphitheater erbaut wurden, dessen runder Form folgen

In den 80er-Jahren war es dann soweit: einige Zisternen und Höhlen wurden für Besucher geöffnet. Heute gehört das unterirdische Neapel zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Viele der unterirdischen Bauten werden nie ausgegraben werden können, denn irgendwann in der mittelalterlichen Geschichte erging der Erlass, dass keine neuen Häuser ausserhalb der Stadtmauern erbaut werden dürften. Also wurde einfach auf den alten Strukturen aufgestockt.

Wenn man deshalb im kleinen Teil des ausgegrabenen Amphitheaters steht, kann man schon mal das Scharren von Stühlen in der Küche des Hauses darüber hören..

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Durch die Unterhöhlung der Stadt ergeben sich allerdings bis heute auch statische Probleme; in der Vergangenheit gab hin und wieder die Erde nach und verschlang ganze Häuserblocks.

Mein persönliches Fazit der Unterwelt-Tour: Die Geschichte der Höhlen ist interessanter als die eigentliche Besichtigung.
Aber hey, es regnete, und für 10 Euro waren wir zwei Stunden lang unter Dach und bestens unterhalten
😊

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Napoli bei Tageslicht

Der erste Eindruck von Napolis Altstadt ist eher duster. Besonders, wenn es regnet.  Schätzungsweise jedes fünfte Gebäude der Stadt ist stark sanierungsbedürftig, wie ich gelesen habe. Häuser stürzen hier nicht nur wegen der Hohlräume darunter ein, sondern auch wegen Pfusch am Bau. Unbewilligtes Bauen hat eine lange Tradition. Die Mafia hat sich längst aus dem unrentablen Immobiliengeschäft zurückgezogen. Da wursteln nun andere Opportunisten. Die Napolitaner selber beschimpfen die untätigen Politiker – und arrangieren sich.

Auf der anderen Seite dies: Alle waren sie schon hier als ‘Eroberer’, Griechen und Römern, Normannen, Habsburger, Bourbonen, Bonapartisten und viele mehr.. Kein Wunder ist Neapel so reich an Kultur – und so bunt bevölkert.

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Als ich mich über den Dreck in Rom ausliess, hat mich ein Freund daran erinnert, dass man nicht nach Italien fährt, um dort schweizerische Ordnung zu finden. Ich habe mir das überlegt – recht hat er ! Eine sehr entspannende Erkenntnis.

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Wo wir Glaswände um die Stätten des Altertums bauen würden, durch welche man die fein gepützelten Schätze aus gebührender Entfernung betrachten kann, wird hier hemmungslos in und auf diesen Schätzen gelebt !

Kleine Bars in antiken Gemäuern mit den Gläsern auf 2000-jährigen Wandvorsprüngen, die notfalls auch etwas zurechtgemeisselt werden, bis sie passen. Fensterlose Wohnzimmer in der mächtigen Stadtmauer, ein lauter Fernseher an der hinteren Wand und die Türe zur Fussgängerzone offen für etwas Licht. Klar: mit einer Geschichte und Kultur wie jener in Italien wäre das halbe Land unbewohnbar, würde man sie ‘unantastbar’ machen wollen.

Und das ist dann wohl Teil des Charmes von Neapel. Alles ist Geschichte – und alles im täglichen Gebrauch – und unglaublich lebhaft. Unzählige winzige, fröhliche Bars und Imbissbuden säumen die Innenstadt und sind auch bei Regen gut besucht – mir war es spontan wohl in der Stadt.

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11_Napoli_Dom.jpgIm Dom von Napoli (meine Dom-Sammlung ist inzwischen ziemlich eindrücklich, oder ?) Dieser hier enthält die Gebeine des Märtyrers San Gennaro und eine Phiole Blut, die sich einmal im Jahr verflüssigt, wenn die Zukunft es gut mein mit Neapel.

Nein, nein, kein Problem – ich habe dafür ein Bauchgefühl…

Ich wusste einfach, dass der Bahnhof ‘Pompei’ meiner wäre, als ich an der  Piazza Garibaldi in den Zug stieg. Also musste ich auch niemanden fragen..
Öh, nein, es gibt noch einen im Zentrum der Stadt, und dort strandete ich in dunkler Nacht mit Regen in der Luft. Natürlich gab es keinen Shuttle mehr zu den Ruinen,  neben denen ich wohne. Also wanderte ich nach einem intensiven Tag noch zwei Kilometer nach Hause auf einer hässlichen Strasse, auf der ich weit und breit der einzige Fussgänger war. Selber schuld.

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Dies wäre mein Bahnhof gewesen, und zwischen den beiden Pfeilern links am Gebäude  sieht man den Eingangsbogen meines Campingplatzes. Gleich um die Ecke, eigentlich…

Um 2 Uhr morgens kam dann das Gewitter; mein Häuschen wurde zur Blechtrommel für den heftigen Regen, es blitzte und donnerte zwei Stunden lang gewaltig. Ich verbrachte die Zeit damit, mir die Theorie des ‘Faradayschen Käfigs’ in Erinnerung zu rufen, die beruhinderweise besagt, dass ein Blitz aussen ums Auto herum abgeleitet würde. Andrerseits: was passiert in einem solchen Moment im Elektroblock des Autos ? Ich kam zu keinem Resultat und begann stattdessen, die Entfernung des Gewitters ‘mitzuzählen’: eine Sekunde Abstand zwischen Blitz und Donner entsprechen 300m zwischen mir und dem Gewitter: einundzwanzig (Rumpel..), einu… (Kradamm!) … Mama mia ! Dann kam mir zu allem Elend in den Sinn, dass, wenn beim Faraday-Käfig der Blitz erst einmal im Käfig DRIN ist, man gut daran tut, DRAUSSEN zu stehen. Na toll..

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Heute lagen jede Menge Orangen auf dem Boden – mein Frühstücksaft ist auf Wochen hinaus gesichert… Und eine junge Platzangestellte hat mir eben diesen Strauss  gebracht.

13_PiaggioApe.jpgPiaggio Ape, wenn ich mich nicht täusche, oder ? Die sind üüberall ! Und sie sind frech ! Und wendig ! Und passen auf jede noch so schmale Strasse. So eines wäre manchmal sehr praktisch ! Mit etwas wenier Rost vielleicht..?


„O’ sole mio“
ist das bekannteste neapolitanische Volkslied.

Es steht so sehr für Italien, dass es bei den Olympischen Spielen in Antwerpen im Jahr 1920 aus Versehen anstelle der italienischen Nationalhymne gespielt wurde.

Eduardo di Capua hat es 1898 komponiert auf einer Reise in die Ukraine, als ihn eines Morgens die Sehnsucht nach ‘seiner Sonne Neapels’ übermannte.
Wer das Lied nicht kennt, erinnert sich vielleicht an Elvis Presleys „It’s now or never“. Spätestens durch ihn erlangte die Melodie Weltruhm.

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Weisheit zum Tage, gefunden auf historischem Gemäuer:
«Das Leben ist wie ein Weihnachtsbaum.
Es gibt immer jemanden, der die Kugeln kaputt macht.»
(..darf/soll eher im übertragenen Kugel-Sinn verstanden werden… 😊)

“Darraptschen offa da Vesuvio on sixatisixa hectaris offa Pompeii !”

1_VesuvDas Forum von Pompeji (der Hauptplatz, auf welchem Versammlungen und Feste stattfanden)– dahinter der Vesuv in 10 Kilometer Entfernung

Good-a morning-a, my name-a is-a Stella, and-a I’m-a your guide-a ! So begrüsste heute Morgen die blond gefärbte junge Dame unser Grüppchen von 16 Leuten vor dem Bahnhof. Wunderbar; es stimmt also doch, was man sich über italienisches Englisch erzählt.

Die nächsten beiden Stunden versuchte ich, gleichzeitig die Gegend zu bewundern und Stellas Kommentare simultan zu übersetzen oder sie einfach herrlich zu finden, etwa «Fruuits and Vetschetabulls» oder «Darraptschen offa da Vesuvio». Letzteres entpuppte sich als ‘Eruption’ (die sagenhafte vom Jahr 79 auf alle 66 ha von Pompeji), und wir haben das Wort ‘Darraptschen’ so oft gehört, dass ich es wahrscheinlich nie mehr los werde. Mosäck-a sind übrigens Mosaike, von denen es viele gibt in der Stadt.

Ah, und dann gabs da noch Stellas Satz: «Broddels in Pompei were allegal» – jä: waren sie’s nun oder waren sie’s nicht ? Dann besuchten wir so ein Freudenhaus – jawohl, sie waren legal. Ok ! Nun wissen wir zum Glück, was uns andernfalls doch sehr gefehlt hätte in unserem Allgemeinwissen..

2_Stella
Stella in Aktion. Unser Grüppchen bestand aus der Kalifornierin links (mit dem empfohlenen Outfit aus ‘Reisen unter Italiens Herbstsonne’), dem Schweden rechts, mehreren Neuseeländern, Aussies, zwei Inderinnen und ein paar Engländern.

Eigentlich heisst die Stadt einfach nur POMPEI. In Englisch schreibt sich der Ort mit ii (ich habe ihn auch so geschrieben im Titel, denn Stella sprach ja sozusagen englisch..), und in Deutsch wurde die Endung zu ‘-ji’, wohl darum, damit die Endsilbe nicht als ‘Ei’ ausgesprochen wird..

Für den Eintrittspreis von €15.- gab’s ein Ticket und eine Stadt-Karte, die sich nach dreimal entfalten sauber in ihre jeweiligen Rechtecke auflöste. Das Puzzle ist aber nicht schuld daran, dass ich mich später verlief in Pompeji – ich hatte einfach wieder einmal auf mein Bauchgefühl gehört bei der Suche nach dem Ausgang und fand nun Stadtteile, die möglicherweise noch nie von Touristen besichtigt worden waren. Aus gutem Grund, wie ich zugeben muss: es gab dort vor allem viele Matallgerüste und Verbotsschilder..

3_Pompeji
Pompeji. Es ist seltsam, durch eine Stadt zu wandern, die seit bald 2000 Jahren wie ein Pfirsich in einem Einmachglas gelegen hat.
Eine grosse, unbewohnte Stadt, in der man noch immer das einstige Leben erkennt: ‘Take-Away’-Kochstellen an den Strassen, öffentliche Wasserbrunnen,  Läden mit verblassten Schriftzeichen; Bäckereien mit Mühlen und Holzöfen, Malereien in satten Farben in den Atrien der Reichen.

Inmitten dieses früheren Lebens steht heute ein grosses Restaurant, in den Ruinen verteilt findet man einige mit ‘Direzione’ beschriftete Bürocontainer für die Archäologen und Sicherheitsdienste. Alles sonst ist (halt echte) Kulisse, durch welche die Touristengruppen streifen mit ihrem Guide, der einen Regenschirm in die Höhe hält als ‘Follow me’-Flagge. 4_Sidewalks
Strasse mit ‚Fussgängerstreifen‘ in Pompeji. Wenn es regnete, waren die Strassen bald überflutet, daher die hohen Tritte. Deren Abstand entsprach dem Radabstand der damals benützen Transportkarren.

Damals im Jahr 79 war Pompeji eine blühende Handelsstadt.

Die Reichen waren sehr reich, wohnten in kunstverzierten Villen und hielten sich gerne Sklaven; die Armen waren sehr arm und hausten in feuchten, fensterlosen Zimmern. Eigentlich wie heute in vielen Teilen der Welt, nicht ?

An jenem schicksalshaften Tag kündigte morgens ein Erdbeben das Erwachen des Vesuvs an, was aber von vielen nicht richtig gedeutet wurde, da die Erfahrung mit Ausbrüchen fehlte und es immer mal wieder kleinere Beben gegeben hatte. Am Nachmittag kam es dann ganz plötzlich zur Eruption, weil das Beben den Pfropfen im Krater gelockert hatte wie den Zapfen in einer Champagnerflasche. Eine Säule aus Asche und Bimsstein stieg 32 Kilometer hoch in den Himmel und dehnte sich dann weit aus wie eine Pinienkrone (Zeugenaussage !). Die schwarze Wolke schob sich vor die Sonne, und dann ergoss sich Asche und Gestein auf die Stadt und deckte sie zu. Dächer begannen einzustürzen unter dem Gewicht.

Nun griff Panik um sich; viele Einwohner machten sich nun doch auf den Weg aus der Stadt, andere suchten Schutz in ihren Häusern. Ein Drittel der Bevölkerung kam bei dieser ersten Eruption ums Leben. Die Menschen erstickten in ihren Häusern oder wurden durch herabfallendes Gestein auf der Flucht erschlagen.

Noch verheerender war allerdings der zweite Ausbruch am nächsten Morgen.

Pyroklastische Ströme schossen ins Tal: der bis zu 800 Grad heisse Gluthauch aus entzündeten Gasen und geschmolzenem Gestein löschte alles Leben aus auf seinem Weg; Lavamassen drangen in die Häuser ein, und es gab kein Entkommen mehr. Die meisten Opfer wurden beim zweiten Ausbruch getötet. Die ganze Stadt wurde unter sieben Metern Asche, Bimsstein und Gesteinsbrocken begraben – und geriet danach für Jahrhunderte in Vergessenheit!

1748 wurde die Stadt wieder entdeckt, und damit begann der Diebstahl im grossen Stil.

Da man vornehmlich auf der Suche nach Schätzen für Sammlungen war, wurde völlig rücksichtslos vorgegangen. Ausgegrabene Häuser wurden teilweise wieder zugeschüttet, nachdem Wandfresken, Kunstgegenstände und Statuen fortgeschafft worden waren.

Erst König Vittorio Emmanuele II. setzte sich für eine systematische Forschung ein und berief einen gewissen Giuseppe Fiorelli zum Leiter der Ausgrabungen. Diese begannen 1860 und dauern bis heute an. Noch immer sind beinahe ein Viertel der Ruinen nicht ausgegraben, und das ist gut so: sobald die Schätze nämlich ans Tageslicht gelangen, verblassen die bis dahin leuchtend erhaltenen Farben, die Steine beginnen unter der Witterung zu bröckeln und die unbekümmerten Touristen tragen das Ihre dazu bei, dass vieles weiter beschädigt wird.

5_FundeDie Ausgrabungen fördern immer wieder Schätze zutage wie die reich verzierte korinthische Säule links, oder die gut erhaltenen Amphoren, in denen Wasser, Wein und Öl aufbewahrt worden waren.  

Die Körper der beim Ausbruch in meterhohem vulkanischen Material begrabenen Menschen und Tiere zersetzten sich im Laufe der Jahre, so dass nur deren Skelette zurückblieben in den Hohlräumen aus Lava.

Fiorelli hatte die Idee, diese Hohlräume mit Gips auszufüllen. Nachdem man anschließend das vulkanische Gestein abgeschlagen hatte, entstanden so Skulpturen, die zeigten, was die Bewohner Pompejis gerade taten, als sie vom Tod eingeholt wurden; einige scheinen noch zu schlafen oder sich kurz zum Ausruhen hingesetzt zu haben.

6_LupanarUnd ja, es gab auch ein Freudenhaus in der Stadt. Die Damen dort waren meistens Sklavinnen und des Lateins unkundig. Deshalb gab es im ‘Lupanar’ (Bordell) gleich im Vorraum einschlägige Fresken an den Wänden, eine Art Menü, wo der Besucher auf seine Wahl zeigen konnte.

Man ging hier keineswegs heimlich ins Puff; auf der Strasse gab es sogar Richtungs-Hinweise. Eine nette Geschichte: Der Politiker Cato, der einmal einen ‘anständigen Mann’ aus dem Bordell kommen sah, lobte diesen dafür. Man müsse mit seiner Sexualität umgehen, ohne Schuld auf sich zu laden, wird Cato zitiert (der Besuch einer Prostituierten galt nicht als Ehebruch). Als Cato den Mann jedoch häufiger aus dem Bordell kommen sah, soll er ihm gesagt haben: „Ich habe dich dafür gelobt, dass du ab und zu hierhin kommst, nicht dafür, dass du hier wohnst.“

7_GlücksbringerHier links abbiegen zum Freudenhaus ‘Lupanara’, ein Richtungshinweis auf der Hauptstrasse. Rechts ein Glückssymbol (Honni soit qui mal y pense): man trifft es immer wieder in Pompeji. Vor einer Bäckerei gab es eines mit dem Spruch: ‘Hic habitat felicitas – hier wohnt das Glück. An Souvenirständen verkaufen sich Glücksamulette mit diesem Motiv gut.. 

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9_MosaikMosaike am Eingang von Edelvillen. Der Hund galt schon damals als Beschützer der Menschen. Rechts der Blick in ein Atrium und den dahinter liegenden Garten.
Atrien waren gedeckt, aber durch eine ausgesparte Dachlücke konnte das Regenwasser im Brunnen in der Mitte des Platzes gesammelt werden.

10_Kunst.jpgKunstvolle Details zeugen vom Geschmack der reichen einstigen Bewohner Pompejis

Die Ruinen des alten Pompeji (Scavi di Pompei) werden jedes Jahr von über zwei Millionen Touristen besucht. 

11_Vesuv OriginalSo ungefähr könnte der Vesuv im Jahr 79 ausgesehen haben laut Wissenschaftlern, ehe er die Städte Pompeji, Herkulenaum und Stabiae auslöschte. Er war damals beinahe 2000 Meter hoch.
Bei diesem Bild ahnt man, was für eine gewaltige Energie sich hier entladen haben musste.


Ich habe hier nur Pompeji erwähnt, weil ich diese Stätte besucht habe. Ausgrabungen gibt es aber auch in Herkulaneum und Stabiae zu besichtigen.

Die letzte Eruption des Vesuv war 1944; der Berg gilt auch heute noch als gefährlich. Mit einem neuerlichen Ausbruch wird eigentlich jederzeit gerechnet, allerdings schon seit Jahrzehnten.. Neapel hat einen Evakuierungsplan entworfen, von dem die Stadt hofft, dass sie ihn nie wird einsetzen müssen.

Ich habe den inzwischen noch 1281 Meter hohen Vulkan bestiegen ! Nun ja, die letzten paar Hundert Meter davon, denn man wird bequem mit einem Minivan bis hoch hinauf gefahren. Immerhin zeigte mein Handy an, dass ich 50 Stockwerke erklommen habe. So hat es sich auch angefühlt… Mindestens !

12_Golf von NeapelAuf dem Weg nach oben: der Golf von Neapel

13_Golf von Neapel Karte

14_Vesuv Krater walkDer Fussweg entlang des Vesuv-Kraters. Das alles links hinten ist Neapel mit seiner Million Einwohner. Die Metropolregion Neapel ist  ein Moloch, der nach und nach sämtliche Aussenquartiere überrollt (Pompeji ist eines davon) und damit auf gut 4 Millionen Einwohner kommt, von denen viele im Falle eines Falles evakuiert werden müssten..

15_Vesuv Krater.jpgDer Vesuv-Krater. Wir haben zwar bedeutend dekorativere Geröllhaden zu bieten in der Schweiz…

16_Vesuv_Schwefeldampf..aber unsere stossen keine schwefligen Dämpfe aus, und die Steinschläge enden nicht in einem ‘Kochtopf’, unter dem es in der Tiefe brodelt..

17_Vesuv x2
18_Flankenbrände 2017Die Spuren von grossen Bränden an den Flanken des Vesuvs letztes Jahr sind noch zu sehen. Als die Leute dichten Rauch aufsteigen sahen, befürchteten sie zuerst, dass er der Beginn eines neuen Ausbruchs ankündige. Nochmals Glück gehabt.
Da der Berg ein Naturschutzgebiet ist, wird aus der Asche bald neues Leben entstehen.

19_OrangenbaumalleeDer Campingplatz ‘Zeus’ ist ideal gelegen für einen Besuch der Ruinenstadt, des Vesuvs und von Napoli. Und ich stehe allein in meiner Orangen-Allee. Sehr hübsch, und jetzt gibt es wieder Orangensaft zum Frühstück 😊

20_HortusPompeiKampanien ist das Land der Orangen und Zitronen und der üppigen Gemüse- und Früchtegärten. Riesenzitronen sind nur eine der vielen Spezialitäten von hier..

21_Hortus PompeiDas ‘Ristorante Hortus Pompei’ ist gleich zu meinem Stammlokal geworden. Es hat namensgemäss einen gemütlichen Garten, einen flotten Service – und feines Essen !

22_Oranges by NightMein Ausblick bei der letzten Zigarette vor dem Schlafengehen. Ein Orangenhimmel..

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Camping-Episödchen..

1_GattoHunde und Menschen. Und Schlüssel..

Auf der übernächsten Parzelle ist ein altes Paar in einem neuen Wohnmobil angekommen. Beide sind klein und dicklich und gehen etwas gebeugt.
Die ‘Fernsehschüssel’ auf dem Dach drehte zehn Minuten lang, währenddem der Mann immer mal wieder ein paar Zentimeter vor- und zurücksetzte. Dann war es soweit: TV läuft, das Wichtigste ist geschafft ! Eine Stunde später fuhren drei Platz-Mitarbeiter vor und sägten das diebstahlsichere zweite Schloss an der Türe auf, für welches das Paar den Schlüssel daheim vergessen hatte..

2_TürschlossLinks von der Tür hängt noch die eine Schlosshälfte, die nun nichts mehr nützt

Nun konnte es also endlich losgehen mit dem Entspannen: die Frau liess sich sogleich von einem grossen Hund über den Platz schleifen und kam zehn Minuten später völlig erschöpft zurück und zog nun ihrerseits den Hund hinter sich her, denn der Wuffi war offensichtlich noch nicht fertig mit Spazierengehen und liess sich wie ein Schlitten über den Platz ziehen.
Falls das Paar den Hund zur Förderung ihrer Fitness gekauft haben sollten, dürften sie ihr Ziel bereits erreicht haben. Vielleicht sollten sie den Besuch einer Hundeschule aber dennoch in Betracht ziehen, denn der Hund wird noch grösser und stärker, sie jedoch eher nicht..

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Familienwochenende – zur Nachahmung empfohlen !

Gestern Samstag Morgen parkierten zwei grosse Alkoven-Mobile so, dass die ‚Wohnungstüren‘ einander gegenüber standen. Dann ergossen sich vier Kinder und ebenso viele Erwachsene, vier Fahrräder, zwei Markisen, eine abschirmende Rückwand, ein Heizstrahler, ein Grill, ein Tisch, acht Stühle – und ein grosses Radio auf den Platz. Und ! In weniger als einer halben Stunde stand alles tadellos – ich war beeindruckt.

Die beiden Familien sind aus Neapel und verbringen öfter solche Wochenenden miteinander, daher die Routine. Die Kinder hörte und sah man nur zu Essenszeiten (Abendessen gabs um 21.30 Uhr), alle sahen sehr zufrieden aus, und der ungeräumte Keller daheim spielte überhaupt keine Rolle mehr.
Sehr zur Nachahmung empfohlen ! (ich würde allerdings das Radio daheim lassen: acht Leute und ein Sportreporter, die gleichzeitig reden, sind mindestens einer zuviel)..

Touristenstädte meiden am Wochenende !

Das Innerschweizer Paar wollte gestern Samstag die Sixtinische Kapelle besuchen. Sie stellten sich in die Warteschlange und erfuhren dort, dass es von diesem Punkt aus voraussichtlich drei Stunden dauern würde bis zum Einlass. Offenbar sind also die Touristen zurück im Land. Die Beiden haben beschlossen, sich vorläufig mit den Online-Bildern zufrieden zu geben…

4_OttavoColleIm Restaurant Ottavo Colle oben auf dem Hügel kochen sie gut ! Die Pizza von hier war tadellos !

Rendezvous mit Gino 😊

Gerade als ich gestern fertig geworden war mit meinem Haushältchen, kam Gino vorbei und hat mich spontan zum Pizza-Essen bei sich eingeladen. Wir haben schon ein paarmal miteinander geplaudert, wenn er sein Elektrogefährt kurz angehalten hatte.  Und da er ein unterhaltsamer, interessanter Gesprächspartner war, sagte ich: „Ja gerne“, denn etwas  Gesellschaft hin und wieder ist einfach nett.

Er ist einer jener Angestellten, die neun Monate durcharbeiten und danach drei Monate lang frei haben, deshalb wohnt er in einem Bungalow auf dem Platz.
Er fuhr also gegen neun Uhr abends bei mir vor mit der Pizza, und ich sagte, wir könnten sie auch bei mir essen. Nein, nein, meinte er, in seinem Haus hätten wir viiiel mehr Platz! Also fuhren wir mit der Pizza und flatternden Seitenvorhängen aus Plastik auf den Hügel zu seiner Villa.

Mehr Platz ? Ha ! Vom niedrigen Tisch vor dem Sofa (der einzige Sitzplatz und gleich vor der Küchenzeile) war gerade mal ein knapp pizzaschachtelgrosses Feld nicht belegt mit Zeitungen, Werkzeug und Ramsch. Auf einem Regal stapeln sich die Nippes, die er von Gästen erhalten hat: Eifeltürme, Schneekugeln, Sphinx, Plastikpferdchen, Teddybären und Pyramiden. Jede Oberfläche ist vollgestellt mit Dingen, und über allem liegt ein grauer Schleier. Wahrscheinlich von der Heizung. Der Wasserhahn tropft beharrlich und die Vorhänge sehen aus, als wären sie vor zwanzig Jahren zum letzten Mal gewaschen worden.

Gino goss kupferroten Wein aus einer (wahrscheinlich vor einem Monat geöffneten) Flasche in zwei beinahe undurchsichtige Biergläser und reichte mir einen Teller, der noch die Spuren von mindestens zwei Mahlzeiten aufwies. Wir sassen nebeneinander auf dem Sofa und unterhielten uns, währenddem ich versuchte, die schwarzen Flecken rund um die Griffe der Küchenschubladen nicht anzustarren. Ich ass tapfer zwei Stück Pizza und trank den schlechtesten Wein meines Lebens aus.

Und dann sagte Gino unvermittelt, dass er die Arbeit hier lange genug gemacht hätte und eine nette Frau suche, mit der er in Zukunft ein einfaches Leben führen würde in einem kleinen Häuschen weit draussen im unberührten Land; alles kein Problem, da er Agrar-Ingenieur sei.. Er brauche wirklich nicht mehr als das hier zum Glücklichsein, fügte er hinzu, und seine Rundum-Geste schloss den gesamten Abfallhaufen in den vier Wänden mit ein.
Ich war ganz plötzlich ganz furchtbar müde und musste dringend nach Hause.

Zurück in meinem Wagen war ich mit einem Mal froh, dass ich keine Münze über die linke Schulter in den Trevibrunnen geworfen hatte. Die Legende besagt nämlich, dass man für die erste Münze zurückkomme nach Rom, sich für die zweite in einen Römer verliebe und diesen für die dritte Münze heirate ! 😊

5_OttavoColleNight

Unwetter in Italien ?! Eine Prise Salz ist angebracht..

1_Toscana

Als wir von 1974 bis 1976 in Nairobi lebten, ging dort eine Bombe hoch. Ich habe keine Ahnung mehr, worum es dabei ging, aber eines weiss ich noch: die ganze Welt bekam zu hören, dass Nairobi praktisch in Schutt und Asche liege, währenddem wir in der Stadt waren – und von nichts wussten.
Jedenfalls so lange nicht, bis unsere Familien abends die Telefon-Ferngebühren auf sich nahmen und uns informierten… (gleichzeitig erfuhren sie erleichtert, dass es uns wider Erwarten noch gab).

Italien erging es ähnlich in den letzten Wochen. Die Nachricht der sensationslüsternen News-Macher hiess «Unwetter in Italien», und wenn ich nicht in Italien wäre, sähe für mich aus der Ferne das ganze Land aus wie die Bilder, die von gebührend bedrückt aussehenden Fernsehsprechern  mit ‘Szenen apokalyptischen Ausmasses’, kommentiert werden und den Eindruck vermitteln, dass hier gerade das Ende der Welt eingeläutet wird.
In Englisch sagt man, dass man die Dinge ‘mit einer Prise Salz’ nehmen, also  nicht alles glauben soll, was man hört. Bei den Nachrichten heutzutage tut man (generell !) gut daran, gleich ein ganzes Salzfässchen neben sich zu stellen, ehe man sie zu sich nimmt.

Doch ja, es hat örtlich begrenzt gewaltige Stürme gegeben, und ja, es gab Opfer. In einigen Regionen ist die Stromversorgung zusammengebrochen, und Stürme haben ganze Wälder niedergewalzt. Aber entgegen anders lautenden Meldungen ist das Land nicht dabei, als Ganzes unterzugehen. Als Folge der hysterischen Berichterstattung meiden jedoch viele Touristen das Land; jedenfalls stand ich gestern gerade mal sieben Minuten lang an für ein Ticket ins Kolosseum.

Mir selber tut es vor allem leid um die Orte, die ich besucht hatte und die damals so friedlich vor sich hinschlummerten: Rapallo, Portofino, Monterosso al Mare und ähnliche, deren Hafen teilweise zu Schutthalden wurden für Luxus-Boote.

2_PortofinoPortfino zu beschaulicheren Zeiten – und zu Beginn einer Sturmfront Anfang November

3_RapalloRapallo. Links: so sah es aus, als ich das Kursschiffchen nach Portofino bestieg, und so vor ein paar Tagen in den Nachrichten
Auch Monterosso in Cinque Terre, das 2011 schon einmal überschwemmt wurde, hat wieder einiges abbekommen, und Genua stand in strahlendem Sonnenschein, als ich seiner Küste entlang fuhr – und scheint nun eine der am härtesten getroffenen Regionen zu sein.

4_ToscanaAuf dem Weg von Castiglione della Peschaia nach Saturnia bei bestem Wetter – sooo hatte ich mir das ungefähr vorgestellt in der Toscana..

5_Toscana ..oder so..

6_SaturniaSaturnia Die Hauptattraktion dieses kleinen Dorfes in der Maremma/Toskana ist dessen Thermalquelle.

Das Quellwasser wird in der Tiefe des Berges mit Schwefel und Mineralien angereichert und entspringt einen Kilometer vom Dorf entfernt bei 37.5 °C und mit 500 Litern pro Sekunde. Das Wasser soll heilsam wirken bei Hautproblemen, ausserdem den Blutdruck senken, die Leber regenerieren und gefässerweiternd den Herzkreislauf entlasten; ein veritables Wunderwasser also.

Hier kann man sich gratis gesundbaden, und entsprechend hoch ist die Besucherfrequenz während den freundlicheren Jahreszeiten. Im Moment lässt es sich hier gut sein. Man kommt am besten schon im Badeanzug, wirft seine Siebensachen auf einen Haufen und ruht in einem der natürlich terrassierten Becken im  warmen Wasser. Herrlich ! Da die Luft deutlich kühler ist, möchte man am liebsten gar nicht mehr aus dem Wasser steigen.

Wenn man es schliesslich doch tut, wird’s interessant: Anfänger verraten sich dadurch, dass sie versuchen, nicht allzu viel von ihrer frisch gebadeten Haut zu zeigen. Da rutschen verhüllende Badetücher, man hängt verkehrt herum in den Unterhosen – und immer mal wieder dringt ein unterdrückter Fluch aus den auf einem Bein hüpfenden Kleiderbündeln.
Die Habitués ziehen sich unzeremoniell nackt aus, trocknen sich ab und ziehen sich an – so geht’s am besten. Ich selber habe ein sauberes Zwischending zwischen prüde und praktisch hingelegt: das Badetuch ist mir beim diskreten Abtrocknen in den Sand gefallen (Scheiii…!), dafür war danach das Peeling perfekt.. 😊

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Hier geht’s von der Quelle zurück zum Camper-Stellplatz, wenn man den Kilometer dahin zu Fuss zurücklegt..

7_Saturnia SPIn Saturnia habe ich auf diesem Stellplatz gewohnt. Stellplätze sind häufig nicht parzelliert, man steht also nebeneinander wie auf einem Parkplatz, und normalerweise darf man auch keine Stühle und Tische aufstellen. Es gibt viele ‘Stellplatz-Bevorzuger’, da die Plätze billig sind. Dieser hier bietet aber alles: WC, Duschen, eine Bar, in der man Pizza vom Dorfpizzaiolo oder frische Frühstücksbrötchen bestellen kann – und einen stündlichen Gratis-Shuttle zu den Thermen. 15 Euro die Nacht für all diese Annehmlichkeiten scheinen mir sehr günstig. Viele Italiener machen hier Halt, und am Abend geht es sehr lebhaft zu an der öffentlichen Grillstelle, wo Würste, Hamburger und ganze Poulets oder Braten über dem Holzfeuer gegart werden. Sehr unterhaltsam !

Rom

Eigentlich wollte ich Rom auslassen, aber das geht einfach nicht, wenn man noch nie hier war.

Die Lage des Campingplatzes Flaminio ist zu Rom wie das Verhältnis von Oerlikon zu Zürich: beide sind in der eher unschönen Agglomeration, man ist aber mit dem Vorortszug in lediglich zehn Minuten mitten in der Stadt. Dieser Camping hat sehr schmale Standplätze, da ich aber allein auf weiter Flur stehe, spielt das keine Rolle.

8_Rom CPDie Sanitäranlagen allerdings sind die edelsten, die ich bisher auf einem Campingplatz angetroffen habe: im geheizten Raum plätschert fröhlich ein Mosaikbrunnen, und über Deckenlautsprecher erklingt 24 Stunden am Tag klassische Musik. Man ertappt sich dabei, dass man unwillkürlich aufrechter zur Toilette schreitet und dabei die Pyjamahose etwas zurechtzupft.             Im Bild rechts die Kinderanlage. Schnuckelig.

9_Rom_DuePontiDer Bahnhof hier heisst ‘Due Ponti’ und ist schlicht scheusslich.
Da passenderweise auch beide Ticket-Entwertungsmaschinen ausser Betrieb waren und mein Dreitagesbillett erst abzulaufen beginnt beim ersten Abstempeln, bin ich über das Drehkreuz geklettert und habe beinahe einen Tag dazugewonnen. Immerhin.

10_Rom_StazioneAnkunft in Rom an der ‘Piazza Flaminio’. Die Züge glänzen weder aussen noch innen vor Sauberkeit, aber immerhin der Perron..

Nun zu Rom: Geprägt vom Eindruck von Due Ponti fand ich zuerst alles ziemlich schmutzig und ungepflegt. Der Verkehr ist furchtbar, die Abfallhaufen an jeder Ecke sehr unappetitlich. Dann kam ich in die Fussgängerzone, wo sich Laden an Laden reiht mit all den bekannten Namen aus der Mode- und Schmuckbranche (dazwischen ein H&M und eine Ikea..), und die Gegend wirkte auf der Stelle ordentlicher, heller und freundlicher.

11_Rom_SpTreppeDie Spanische Treppe heisst eigentlich Scalinata della Trinità Monti – zum Glück ist sie wenigstens an der ‘Piazza Spagna’ als kleiner Spanien-Hinweis..

Die Strassen waren am Samstag voller Leute in Freizeitstimmung, die Strassencafés voll, und bei der Spanischen Treppe kam mir unversehens der Film ‘Roman Holiday’ in den Sinn mit Audrey Hepburn und Gregory Peck. Dieser hat wohl das Bild geprägt, das ich von Rom mit mir trug. Übrigens war er einer der ersten Romanzen, die nicht in Hollywood gedreht – und damit Wegbereiter für Vor-Ort-Aufnahmen – wurde. Ich glaube nicht, dass Rom seither in irgend einer Weise gewonnen hat, aber es gab Momente auf meiner Rom-Wanderung, in denen ich die Stadt aus dem Film fand. Schön.

12_Rom_TreviDer Trevi-Brunnen ist 26 Meter hoch, 50 Meter breit und wurde 1762 fertig gebaut.
Schön ist er – und ich hatte ihn ganz für mich allein wie einst Anita Ekberg und Marcello Mastroianni in ‘La Vita è Bella’…

13_Rom_Trevi2..wenn man von den paar Hundert Leuten absieht, die sich ebenfalls drängelten vor dem Wasser..

14_Basilica rosa_polychromDie barocke Pracht der Basilica dei SS Abrogio e Carlo mitten in der Altstadt
Dies ist gefühlt die mindestens 127igste Kirche, die ich in den letzten zehn Monaten besucht habe. Ich glaube, es wird Zeit, dass ich die nächsten paar auslasse, ehe ich damit beginne, den Besitzern Dekor-Verbesserungen vorzuschlagen (hier zum Beispiel sind die grauen Streifen aufgemalt und machen die Sache viel zu unruhig, da der Marmor ja auch schon mehrfarbig ist. Da hätten sie auch selber drauf kommen können, nicht ?..).

15_StreetartistsDie Hunde links sind aus Sand, und die beiden ‘gesichtslosen’ Herren rechts sehen nur, was das winzige Auge im ‘Hals’ ihnen zeigt..
Die ‘Künstler’ lassen sich einiges einfallen für das verwöhnte Spenden-Publikum.. (wofür diese beiden allerdings Schirme benötigen, da sie ja keine Haare haben, die im Regen nass werden könnten, ist mir schleierhaft..). Eigentlich tun sie mir etwas leid – was haben die sich für einen furchtbar langweiligen Job ausgedacht..

16_BasilicaStaMariaMaggiore_verso

17_PzaVicenza

18_PzaVicenza 

19_ColosseoDas Kolosseum ist das grösste je gebaute Amphitheater der Welt.

Es wurde im Jahr 80 vollendet durch Vespasian, Kaiser Neros Nachfolger, der es politisch geschickt auf dem Platz errichten liess, den Nero privatisiert und wo er sich einen Palast hatte bauen lassen. Damit gab Vespasian dem Volk demonstrativ auch dessen Gebiet zurück und lenkte gleichzeitig ab vom blutigem Bürgerkrieg, der ihn an die Macht gebracht hatte. Gleichzeitig schenkte er den Römern Spektakel zur Unterhaltung und Belustigung, die für alle freien Bewohner Roms gratis waren. Es handelte sich dabei zumeist um grausame und brutale Veranstaltungen: Gladiatoren bekämpften sich bis zum Tod, Straftäter oder ungehorsame Sklaven wurden von wilden Tieren gerissen oder exotische Tiere aufeinander gehetzt.

Allerdings ist dieser Bau auch eine architektonische Meisterleistung und ein logistisches Vorbild, nach dem noch heute Stadien gebaut werden: 80 Eingänge ermöglichten es 50’000 Zuschauern, ihre Sitze oder Stehplätze innerhalb von 15 Minuten zu erreichen oder das Theater notfalls innert 5 Minuten zu verlassen.
Auch die Bühnentechnik war ein Geniestreich: anfangs fanden in der gefluteten Arena sogar Seeschlachten statt; später wurde der Raum unter der Bühne der Logistik angepasst und mit Gängen, Räumen und Rampen versehen. Mit Hilfe eines komplexen Systems von Winden und Flaschenzügen konnten nun zur Überraschung der Zuschauer innerhalb von wenigen Minuten eine komplette Wald- oder eine Wüstenlandschaft aus dem Boden auftauchen.

Im 6. Jahrhundert wurden die Veranstaltungen eingestellt und die Arkaden und Gänge des Kolosseums zu Wohnräumen  umfunktioniert. Zwei schwere Erdbeben beschädigten den Bau  im Laufe der Jahrhunderte, und während des ganzen Mittelalters wurde das Kolosseum von den herrschenden Familien Roms und den Päpsten immer wieder als Steinbruch für ihre eigenen Bauten genutzt. Deshalb ist vom äusseren Ring der viergeschossigen Fassade nur die nördliche Hälfte erhalten geblieben.

Die allmähliche Zerstörung wurde erst beendet, als Papst Benedikt XIV. das Kolosseum im 18. Jahrhundert zur geweihten Märtyrer-Stätte erklärte und den Erhalt des Kolosseums anordnete. Seine Annahme, dass dort zahllose Christen für ihren Glauben gestorben seien, ist zwar heute umstritten, aber es wäre tatsächlich jammerschade gewesen, wenn der kolossale Bau ganz verschwunden wäre. Man kommt nicht umhin, diesen Bau zu bewundern, wenn man davor – und drinnen – steht.

20_Colosseo

21_Colosseo

 

22_PantheonDas Pantheon

(altgriechisch pan = alles und theós = Gott) war einst ein allen Göttern Roms geweihtes Heiligtum.

MŸ-A-GRIPPAŸ-L-ŸF-ŸCOS-ŸTERTIUMŸ-FECIT steht auf dem viereckigen Vorbau, oder ausgeschrieben: Marcus Agrippa Luci Filius Consul Tertium Fecit (Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, hat dieses Gebäude errichtet, als er zum dritten Mal Consul war).

Das Pantheon hatte 1700 Jahre lang die größte Kuppel der Welt mit ihren 43.45 Metern Innendurchmesser – und sie ist auch heute noch eine der grössten selbsttragenden Betonguss-Kuppeln der Welt, grösser noch als jene des Petersdoms. Zu einer Kugel vervollständigt würde sie etwa einen halben Meter unter dem Boden hindurch führen. Sie gilt ausserdem als eines der am besten erhaltenen Bauwerke der römischen Antike.

Etwa im Jahr 609 wurde das Pantheon in eine christliche Kirche umgewandelt und heisst seither Santa Maria ad Martyres, wird aber seit dem Mittelalter umgangssprachlich  La Rotonda genannt.  Der Maler und Architekt Raffael ist hier beerdigt, ebenso wie Vittorio Emanuele II. und weitere Mitglieder des Königshauses.

23_Pantheon

24_PantheonVon oben scheint die Sonne durch eine kreisförmige Öffnung von knapp 9 Metern Durchmesser und erfüllt den Raum mit erstaunlich viel Licht. Von dort kann es allerdings auch hereinregnen, weshalb der Boden in der Mitte eine Delle bildet und mit Abflusskanälen versehen ist.

25_VatMus_AdamIn der Sixtinischen Kappelle ist fotografieren streng verboten !

Unser Guide Grant erklärte, dass irgend ein  (japanischer?) Foto-Konzern die Riesenkosten für die Reinigung der Bilder 1980 übernommen – und damit das Recht auf die Bilder erworben – habe. Wenn man sich nicht daran halte, könne es sein, dass einem Handy oder Fotoapparat abgenommen – und nie mehr zurückgegeben – würden.. Hmm..

Der Bilder- und Farbenfülle an Decke und Wänden ist schlicht überwältigend. Die Fresken erstrahlen in kräftigen, leuchtenden Farben und zarten Pastelltönen, wie man schön sieht an der ‚Erschaffung Adam‘ oben. Auf den Seitenwänden sind auch Werke anderer Künstler zu finden.
‘Genesis’ (altgriechisch für Schöpfung, Entstehung, Geburt), das 1. Buch Mose, war Michelangelos Thema für die 520 Quadratmeter Decke, und wenn man im Nacken ein Ziehen verspürt nach dem andächtigen Hochschauen, darf man sich bewundernd vor Augen führen, dass Michelangelo diese Stellung während ganzer vier Jahre täglich über Stunden eingenommen hat bis zur Vollendung seines Werks im Jahr 1512.

26_VatMusDie Fresken wurden nur gereinigt, nicht nachgefärbt.
Fresken sind Malereien auf feuchtem Putz; dabei dringen die Farbpigmente tief in die Mauern ein, weshalb die Farben so intensiv erhalten blieben unter den Schichten von Kerzenruss und Staub.   

27_VatMus_ChiaroScuroDank der Maltechnik ‘Chiaroscuro’, die sich durch starke Hell-Dunkel-Kontraste auszeichnet, sieht dieses flache Deckengemälde aus, als ob es ein Relief wäre.


28_VatMus_SanPietroDas berühmte Papst-Balkönchen…

x_SchweizerGardist..und (wahrscheinlich) ein Innerschweizer, der hier in den traditionellen Farben des Hauses Medici das Stillstehen übt..

30_HabemusPizzaLinks wird gerade renoviert – offenbar läuft das Geschäft mit dem witzigen Namen..

 

32_TrattoriaBorgoPia

Gestern konnte ich plötzlich recht gut Italienisch, als die alte Wirtin in der Trattoria Borgo Pio 92 zu meiner bestellten 8 Euro-Vorspeise Spaghetti Bolognese den Vorschlag machte, dass sie mir noch ein paar Hackfleischkügeli und ein paar Pilzli dazu empfehlen würde. Ja gerne.
Es kamen zwei separate Tellerchen: auf dem einen waren zwei Hackfleischkugeln, auf dem anderen eine Lage Büchsli-Champignons. Und laut Rechnung waren das zwei Hauptgänge à nochmals je 9 Euros, womit sich mein Snack auf 35 Euro belief inclusive  Wasser und Kaffee..

Mir fehlten zwar ein paar Ausdrücke in Italienisch, etwa ‘Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder ? / Schämen Sie sich nicht ? / Sie habgierige Tante !’ und ähnliches, aber die Nachricht als solche wurde verstanden, denn die Rechnung wurde subito auf 25 Euro korrigiert – und der Kellner jammerte, dass es schon sehr peinlich sei, unter der giftigen Alten zu arbeiten. Es erstaune ihn gar nicht, dass niemand in ihrer Familie mehr etwas zu tun haben wolle mit ihr. Geld ist nicht alles, sagte er, sie hat es nur noch nicht begriffen. Ein weiser Knabe, das. Ich habe ihn mit einem grosszügigen Trinkgeld getröstet und ging zufrieden nach Hause.

33_Rom

Rom. Schlussfolgerung.
Die Stadt ist an vielen Stellen heruntergekommen, ungepflegt und abgasgeschwärzt, der Verkehr wütet ungezügelt, die Strassen sind in schlechtem Zustand und vieles wirkt sehr reinigungsbedürftig. Etwas weniger Korruption und das Investieren von so gesparten Geldern in die Pflege von Kulturgütern wären sicher keine schlechte Idee..

34_RomDennoch ! Wo Rom schön ist, ist es dramatisch schön ! Oder zumindest schön dramatisch !
Diese Stadt atmet förmlich Geschichte, und sie tut dies mit einer einnehmenden, unbekümmerten Selbstverständlichkeit. Halt das pure, schmuddelige Leben statt Museumspflege. Jaaa. Doch. Ich mag diese Stadt…
😊

x_Rom