Calahonda bella und ‘El Camino del Rey’

Der Zugang zum Camino del Rey
Calahonda

Calahonda liegt ein paar Kilometer östlich von Marbella und ist auch im Winter ein belebtes Dorf mit Bars, Restaurants – und vielen Engländern !
Es gibt hier sogar einen British Supermarket, einen von Engländern geführten 2nd Hand Laden, den Royal Phones Handy Shop, Coffee Shops mit British breakfast und viele weitere Extras für die Briten hier. Diese Bevölkerungsschicht dürfte in Zukunft etwas dünner werden – ausser sie haben sich schon vor dem Brexit offiziell hier niedergelassen.

Dorthin bin ich gefahren nach dem ja eher ‘frischen’ Almócita, und ja, es stimmt: von 8 auf 16°C in 800 Höhenmetern ! Schon besser !
Untergekommen bin ich bei Monika, einer ehemaligen Arbeitskollegin, und ihrem Mann Daniel mit ihren zwei Labrador Retrievern Grace und Meghan. Ich wohne tagsüber ‚mit‘ in ihrem hübschen Appartment und schlafe auf dem sicheren Parkplatz in meinem Häuschen – die perfekte Mischung !

Monika und Daniel Hagemeier mit ihren Spürhunden Grace (links) und Meghan (rechts) Bei Grace sieht man gut: es herrscht ‘Leinentragpflicht’ 😊

Die beiden Hunde sind darauf spezialisiert, den Asiatischen Laubholzbockkäfer aufzuspüren, der ganze Alleen zum Absterben bringen kann, wie die Erfahrungen zeigten. Der baumstammfressende Eindringling wird aus China in Transportpaletten in die ganze Welt verschleppt. Im März ist wieder Frankreich dran für das Hundeteam.

Von Hagemeiers Balkon ihrer ‘Überwinterungs-Mietwohnung’ im zweiten Stock reicht der Blick weit über das Meer – und an klaren Tagen bis nach Afrika !

Ich habe mich sofort daheim gefühlt bei den Beiden (oder besser gesagt: bei allen Vieren) – und nicht nur die Aussicht und das stabile Wlan sehr genossen, sondern auch das Bekocht-Werden durch den begabten Küchenchef Daniel, dessen Werke ich durchgehend mit Gusto verzehrt habe.

Im Bild vom Balkon gab es übrigens warme Wachtelbrüstchen und Frischkäsekroketten auf Salat, darunter Dorade mit Broccoli-Kartoffelstock bzw Corvina (Seebarsch) mit Gemüse aus dem Ofen. Genuss pur ! Den Silvester haben wir mit Rindsfilet gefeiert und bald kennen wir alle Weine Spaniens, die im Supermarkt um die Ecke verkauft werden.

Dort ist es ja: Afrika !

Tatsächlich: die Küste Marokkos ist in gerade einmal einer Stunde mit der Fähre zu erreichen.
Als ich mir allerdings vage überlegte, ob ich vielleicht Richtung Tanger halten sollte statt mir eine 37-stündige Schifffahrt nach La Palma anzutun, erfuhr ich, dass momentan vom Reisen nach Marokko abgeraten wird wegen Unruhen. Ja dann…

In der Ferne passiert alle drei Minuten ein Kreuz- oder Frachtschiff die Strasse von Gibraltar auf seiner Route, etwas näher schwimmen manchmal Delfine vorbei, und frühmorgens tuckern beleuchtete Fischerboote dem Hafen zu. Und falls das jetzt sehr romantisch klingt: es ist romantisch ! Zumal entlang dem Strand ein 10 Kilometer langer Holzsteg zum Flanieren einlädt.

El Camino del Rey

Monika und ich hatten uns den berühmten ‘Königspfad’ vorgenommen. Er ist gute 7 Kilometer lang und lässt sich gemütlich erwandern in ein paar Stunden. Schon die Anfahrt nach Ardales zum Start bietet einiges an schönen Ansichten.

Anfahrt zum Camino del Rey: Ist das schön hier !

Ankunft in Ardales: das ist Hagemeiers Iveco 4×4 ‘Greenhorn’, mit welchem Monika und Daniel unterwegs sind, wenn sie nicht gerade eine Wohnung am Meer gemietet haben. Mit so einem Fahrzeug kommt man auch dort hin, wo mein Fiat längst weiche Knie bekommt oder hängen bleibt mit dem bodennahen Bauch..

Daniel hat in weiser Voraussicht Sandwiches gemacht, ehe wir losfuhren. Madre mía, haben wir einen Hunger bei der Ankunft in Ardales !

Wer übrigens mit Blick auf das ‘Greenhorn’ neugierig geworden ist, hier gibt es mehr dazu: www.Hagis-on-Tour.com

Und währenddem Monika und ich südwärts wanderten, erkundeten Daniel und die Hunde die Umgebung und trafen bei der Gelegenheit auf diese gut anderthalb Meter lange Viper (oder Natter ?), die gerade dabei war, die Strasse zu überqueren

Nordzugang des Camino. Hier muss jeder Wanderer einen Helm fassen (wozu der gut ein soll, ist nicht ganz klar; vielleicht, um uns ein Gefühl von Abenteuer und Gefahr zu vermitteln..😊 ), aber dann geht es immerhin los.
Die Bartgeier lebten hier schon lange vor dem Bau des Camino del Rey – die Schlucht heisst deshalb auch ‘Desfiladores de los Gaitanos’ (Bartgeier-Enge)

Gebaut wurde dieser Weg entlang der steilen, engen Schlucht ab 1901 als Material-Transportweg und Service-Zugang für ein geplantes Wasserkraftwerk, welches den Winterregen und einen Wasseranteil des Flusses Guadalhorce nutzen würde. Der Pfad auf gut 100 Meter über dem Talesgrund bestand vorerst vor allem aus Holzplanken auf Stahlträgern und wurde erst später mit Beton befestigt.

Als König Alfons XIII nach 20 Jahren Bauzeit anlässlich der Einweihung des Kraftwerks die Schlucht auf einer schmalen Brücke überquerte, durfte der Name ‘Königspfad’ oder ‘Camino del Rey’ übernommen werden.
Der Ingenieur, der den Bau des Kraftwerks angeregt hatte, wurde zur Belohnung mit einem Grafentitel beehrt und die Bewohner rund um die Anlage nannten den Weg ‚El Caminito‘ und benutzten die praktische Abkürzung fortan als Schul-, Arbeits- oder Einkaufsweg.

Der alte, ungesicherte Pfad wurde zum Bauen des neuen Caminito benutzt

‘El Caminito’ bröckelte und verfiel allerdings im Lauf der Jahrzehnte, und es kam immer wieder zu Todesstürzen, dort, wo statt Betonwege immer öfter nur noch nackte Stahlstützen aus dem Fels ragten.

Nach Jahren der Totalsperrung wurde 2015 der neue, sichere Camino del Rey eröffnet. Seine Begehung ist nun ein Kinderspiel, aber es ist auch jetzt noch eindrücklich, entlang der steilen Wände zu spazieren, sich an grossartigen Ausblicken zu erfreuen und die federnde Hängebrücke über dem stiebenden Wasserfall zu überqueren.

Auch überraschende Begegnungen gab es unterwegs
Für alle, die mich gefragt hatten, wie ich denn jetzt aussehe: ungeschminkt, mit schlecht aufgesetztem Helm und Haarnetz ungefähr so… 😊 Ich teile mir das Bild deshalb gerne mit der goldenen Sandsteinwand links..
Der alte, ungesicherte Caminito – darüber der Neue..

Was für ein herrlicher Ausflug das war !
(Und was habe ich nach dem Spaziergang die Waden gespürt ! Dort gibt es offensichtlich Muskeln, die man hie und da benutzen sollte..)

Wieder daheim in Calahonda: ein Sonnenaufgang
Gleich hier nebenan : das ‘Chiringuito El Capricho’ (Strandbar und Restaurant) und sein berühmtes Fritura Mixta: frittierte Fische und Meeresfrüchte mit Knoblauchbrot und dicker Kräutermayonnaise. Köstlich !

Ganz neu auf meiner ‚Wie wär’s mal damit..?‘ – Liste: eine Fahrt mit dem Zug ‘Al Andalus’. Wir haben ihn im Fernsehen in einer Andalusien-Dokumentation gesehen und waren begeistert.

Die historischen Wagen von 1928 im Stil der Belle Epoque dienten ursprünglich der Britischen Königsfamilie für ihre Reisen zwischen Calais und der Côte d’Azur.
Nun fährt einen der ‘Al Andalus’ mit Retro-Charme während 7-11 Tagen durch Andalusien mit Stops in Sevilla (prächtiger maurischer Königspalast Alcazar), Jerez (feiner Sherry und Pferdedressur-Show), Granada (Alhambra !), Ronda (Weisses Dorf über dramatischer Felswand) und weitere. Ab 4000 Euro ist man dabei (Full Board und alle Ausflüge inklusive).

Ich müsste allerdings noch ein wenig (viel) in meine Garderobe investieren, denn Jeans und T-Shirt sind nicht gerade das, was man normalerweise zum Gala-Dinner trägt in einem solchen Rahmen. Zum Glück muss ich nicht gleich los; der Zug fährt erst ab Mai wieder..

In Spanien hängt der Weihnachtshimmel übrigens traditionsgemäss voller Jamón Ibéricos..
In Fuengirola gefunden: ein Restaurant für alle Golf-Aficionados… Toll, oder ?

Und nun wird es Zeit für mich, weiterzureisen, damit ich keine Wurzeln schlage.
Es ist allerdings gar zu schön hier, und es fällt mir entsprechend schwer.

Ganz herzlichen Dank einmal mehr an wunderbare Gastgeber, dieses Mal an Monika und Daniel, für die genussvolle Zeit, die ich hier verbringen durfte.

Habt Dank für all die feinen Mahlzeiten, die schönen Spaziergänge und Ausflüge, und natürlich ganz besonders für die interessanten und lustigen Gespräche ! Es war toll mit euch !

Ein besonderer Dank gebührt euch natürlich auch für alle Bilder, die ich bei euch abgekupfert habe, vom Bartgeier über das Hirschlein bis zu einigen Caminito-Aufnahmen – das hat man dann davon, wenn man eine anständige Kamera hat… 😊

Und ganz am Schluss noch dies für alle, denen ich es nicht schon vorher gesagt hatte:

Ich wünsche euch allen EIN GUTES NEUES JAHR !

Möge es so stinknormal werden wie nur möglich, so dramafrei wie schon lange nicht mehr und so glücklich, dass ihr singen möchtet !

Almócita, ein Weisses Dorf in den Bergen

Am 15. Dezember ging es wieder auf die Strasse. Ich hatte mir den kleinen Camping Almócita auf 800 m.ü.M. vorgenommen.

Ich wusste theoretisch, dass die Temperatur pro 100 Höhenmeter um 1ºC fällt, aber erst, als mir die Hände und Füsse beinahe abfielen, hatte ich auch begriffen, was das heisst. Wir haben momentan 8 Grad und etwas Wind, und ich sitze gerne drinnen bei laufender Heizung, dabei ist das wlan dort links bei den weissen Stühlen vor der geschlossenen Bar zu finden. Am Meer unten sind es derweil 15 bis 16 Grad. Welten !

Dennoch: hier gefällt es mir ! Berge und Schluchten ringsherum, und in der Nacht ist es so still, dass man glaubt, die Sterne atmen zu hören.   

Wir sind gerade mal vier Gäste auf dem Platz: der Holländer Hans wohnt hier seit zwei Monaten in seinem klapprigen (und klappbaren) Wohnwagen.

Die eben angekommenen Berliner Claudia und Michael sind Filmemacher und haben sich auf Schulfilme spezialisiert, etwa zum Thema Nachhaltigkeit. Nach ihrem Aufenthalt hier wollen sie auf La Palma dokumentieren, wie die Menschen dort umgehen mit den Folgen des Vulkanausbruchs am Cumbre Vieja.

Aber zuerst nehmen sie sich jetzt Almócita vor, denn das Dorf hat etwas zu bieten. Es ist eines dieser berühmten Pueblos Blancos oder Weissen Dörfer.
Diese Dörfer in Andalusien sind weltbekannt dafür, dass sie – nun ja – weiss sind.
Ja gut: ausserdem sind sie meist antik, und die Siedlungen wurden ab dem 8. Jahrundert von den maurischen Eroberern weiter ausgebaut in ihrem eigenen Stil mit dicken Mauern, üppig bepflanzten Innenhöfen und engen, steilen Gässchen. Weiss sind sie, weil Kalkputz erfolgreich Insekten abhält und weiss die heisse Sonne abstrahlt und das Innere kühl hält. Wobei ich das mit der Hitze-Abstrahlung momentan nicht so wahnsinnig nötig finde.

Auf dem Weg ins Dorf

Der Ort mit seinen 180 Einwohnern hat sich ‘grün’ auf die Fahne geschrieben und tut einiges dafür.
Die Einwohner legten einen gemeinsamen Gemüsegarten an, halten gemeinsam einen Stall voller Hühner und haben reihenweise Bäume gepflanzt um das Dorf herum. Das macht den Ort zu einer Touristenattraktion, was sie mit Malereien und Pflanzen im ganzen Dorf zusätzlich fördern. Sie hoffen so unter anderem, dass die Chance auf eine Arbeit im Dorf die weitere Abwanderung verhindert.

«Grossvater Emilianos Gemüsegarten»
«Mehr Blumen, weniger Abfall» – ein guter Vorsatz ! Es fehlt noch etwas an der Umsetzung beim Abfall – aber Umdenken braucht halt Zeit

Beim Spaziergang durch das Dorf umweht einen immer mal wieder eine frisch-süsse Jasmin-Brise, und die Sprüche und Bilder an den Hauswänden sind sehr unterhaltsam. 

Treffpunkt Dorfplatz mit Supermarkt links und Dorfbar rechts

Wenn es hier etwas wärmer wäre, würde ich gerne noch bleiben. Die Gegend hat es mir wirklich angetan. Morgen versuche ich es aber wieder einmal mit Meereshöhe. Mal sehen, ob das mit den Temperatur-Abstufungen pro 100 Höhenmetern auch dort stimmt.

Marbella liegt zwar nicht direkt um die Ecke, ist aber erreichbar in gut drei Stunden. Dort wohnen Monika und Daniel momentan in einer Wohnung. Ich freue mich darauf, sie zu besuchen – dann wollen wir mal 😊

Tabernas – Wilder Westen, schönes Andalusien

Während meinem ersten Reisewinter 2017 führte mich mein Weg beinahe gänzlich entlang der Treibhäuser-Küste, und ich wollte Andalusien fortan meiden, obwohl ich auch dannzumal schon einige schöne Flecken zu sehen bekam. Nun hat es mich ein zweites Mal hierher verschlagen, und etwas entfernt von der Küste erlebe ich die Region ganz neu. Ich habe auf der Fahrt hierher geschwelgt in Bildern von Grün, Weite, Hügeln und Meer, von Olivenwäldern und Pinien-Alleen. Einfach wunderschön !

Und am Ende des Tages kam ich auf dem Campingplatz ‘Little Texas’ in Tabernas an.

Die früheren, britischen Besitzer hatten ein paar Jahre in Texas gelebt und nannten den Platz deshalb so. Passend zum Namen gaben sie ihm einen Wildwest-Anstrich, den ich süss finde. Es gibt Platz für ca. 24 Wagen, die sich jeweils eine Parzelle teilen: zwei rechts, zwei links, bei hohem Andrang auch mal noch einer dazwischen.

Und natürlich passt der Name ebenso zu den Filmszenen, die in der Gegend um Almería gedreht wurden, zuerst vor allem Western.
Die Gegend ist wie gemacht für dieses Genre. Die meisten Filmszenen von hier stammen aus den Sechziger-Jahren, als Italo-Western gross in Mode waren. Wer erinnert sich nicht an Sergio Leones Kultstreifen ‘Spiel mir das Lied vom Tod’ von 1968 mit der grandiosen Musik von Ennio Morricone !

Vier Jahre zuvor hatte der noch wenig bekannte Leone nur ein kleines Budget und konnte sich keine grossen Schauspieler-Namen wie Henry Fonda oder James Coburn leisten im Streifen ‘Für eine Handvoll Dollar’. So begann der rasante Aufstieg des vorher völlig unbekannten Clint Eastwood. Mir gefällt Eastwood, aber Leone hielt nicht allzu viel von seinem Schauspieltalent. «Er hat zwei Gesichtsausdrücke: einen mit und einen ohne Hut.» (😊 kicher…).

Das ist momentan die Reception und Bar in einem. Rechts hinten geht’s zu den WCs und Duschen.

Filme, die ebenfalls teilweise hier gedreht wurden, sind: The Good, the Bad and the Ugly, Lawrence of Arabia, Patton oder Indiana Jones.
Die offizielle Liste ist deutlich länger, aber diese Filme habe ich zumindest alle gesehen..  

Echte Filmfans können sich hier Original-Drehorte ansehen. Wer sich nicht mehr so gut erinnert, geht zuerst in die Film-Vorführungen.
Mir reicht es schon zu wissen, dass ich (beinahe) dort war, wo Charles Bronson Henry Fonda gegenüber stand beim Showdown.  

Eine kleine Menschengeschichte

Vor drei Wochen haben die neuen Besitzer Nick und Leanne den Platz ‘Little Texas’ übernommen. Sie haben ein kleines Baby, weshalb Leanne momentan vor allem das Brotbacken auf Bestellung am frühen Morgen übernimmt. Nick hingegen arbeitet seit drei Wochen täglich von 7 bis 22 Uhr und öfter auch länger, wenn ihn späte Ankömmlinge aus dem Bett läuten. Er freut sich schon sehr darauf, dass Leannes Eltern bald aus England dazustossen und ihm die Arbeit tageweise abnehmen, damit auch er zur Abwechslung frei nehmen kann..

Dieser Nick ist wahrscheinlich der mutigste (oder leichtsinnigste ?) Mensch, der mir seit langem begegnet ist. Nicht nur hat er keine Ahnung vom Campen oder vom Verwalten eines solchen Platzes, er war doch tatsächlich vor diesem Neustart Nuklear-Ingenieur ! Das dürfte so ziemlich am anderen Ende der idealen Talent-Skala für einen Campingplatzbetreiber liegen. Oder vielleicht doch nicht ?

Nick hatte innerhalb von ein paar Jahren seine krebserkrankte Frau, seinen einzigen Bruder und beide Eltern verloren. Nach der Zeit der Trauer kam der Tag, an dem er beschloss, in Zukunft etwas gaaanz anderes zu tun und – genau – zum Beispiel einen Campingplatz in Spanien zu bauen. Als diese Idee doch tatsächlich ernst zu werden begann, lernte er Leanne kennen, und sie meinte, sie würde da schon mitmachen. Und just dann wurde doch tatsächlich der bereits beliebte Platz ‘Little Texas’ zum Verkauf angeboten, und das war noch viel besser als selber einen zu bauen und ein paar Jahre ohne Einkommen auszukommen.

Und um es abzurunden: das kommt gut ! Nick ist ein überaus freundlicher Gastgeber, und es gefällt ihm, überall Hand anzulegen. Und der fest angestellte Valerio, der den Platz vor fünf Jahren nach den Plänen der Vorbesitzer praktisch im Alleingang aufgebaut hat, ist bei Nick geblieben und erledigt weiterhin das Handwerkliche auf dem Platz. – – – – Ich wüsste gar zu gerne, wie es hier in einem Jahr aussieht.


Der Circuito de Almeria ist bei Motorrad-Rennfahrern gut bekannt

Da man das Aufheulen der Maschinen ziemlich gut hört auf dem Campingplatz Little Texas (einziger Negativpunkt dort), beschloss ich, mir diese Rennstrecke anzusehen. Aber natürlich nicht via die Hauptstrasse, sondern hinten herum mit dem Velo. Viel hübscher. 

Die Feldstrasse endete allerdings bald an einem ‘Schweine-Hof’ zwischen Olivenbäumen. Die riesigen Jauche-Silos dort stanken dermassen, dass mir beinahe schwindlig wurde. Nie würde man vermuten, dass der hauchdünne, fein-rauchig duftende Jamón Ibérico einmal so begonnen haben könnte.
Nach weiteren 100 Metern durch hohe Traktorradspuren in der harten Erde der Olivenbaumplantage gab ich auf und entschied mich nun doch für die Hauptstrassen-Route.

Inzwischen machten die Rennfahrer Mittagspause, und ich konnte mich nicht mehr am Motorenlärm orientieren. Ich bog rechts ab und fuhr ein paar Kilometer der Hauptstrasse entlang, besuchte dann eine Tankstelle mit Laden, weil mir der fein geschnittenen Käsescheiben ‘semi curado’ so gut schmecken und fragte bei der Gelegenheit, wie weit es noch sei bis zum Circuito: Oh, etwa 6 Kilometer in diese Richtung !

Shit ! Da kam ich her ! Prompt ! Verflixt und zugenäht ! Wenn ich mich wenigstens darauf verlassen könnte, dass mein Bauchgefühl sich immer irrt, könnte ich einfach in die Gegenrichtung halten. Aber nein, manchmal hat es ja sogar recht ! Vielleicht sollte ich eine Strichliste führen und den Prozentsatz ausrechnen ?

Nun ja. Zum Glück hatte ich schon etwas erlebt, denn der Rest war nicht mehr so spannend – jedenfalls nicht für Amateure wie mich – Kenner sähen das wahrscheinlich anders.
Nicht-Kunden dürfen nicht auf den Platz fahren laut gross angebrachter Tafel. Ich fuhr also auf den Platz und war prompt beeindruckt von der Grösse der Anlage, die an einen kleinen Flugplatz erinnert.

Dann stand ich unschlüssig in der Bar ‘Fast Lap’ herum und hatte weder Lust auf Kaffee noch auf Wein. Stattdessen sah ich eine Weile den Fahrern zu, die an mir vorbei rasten und in den Kurven (beinahe ?) den Boden berührten mit ihren Knien. Verrückte Kerle. Ok, das wars.

Zurück auf dem Campingplatz setzte ich mich mit einem Glas Rosé oben an den Pool und las ein wenig vor dem Abendessen. Jaaaa !   

Isla Plana bei Mazarrón: heisse Thermen – und ein erster Blick auf die ‘Costa Plastica’

In der Region Murcia dringt an vielen Orten durch vulkanische Aktivität in der Tiefe erwärmtes Meerwasser an die Oberfläche.

Der Campingplatz Los Madriles in Isla Plana (bei Mazarrón) füllt seinen Pool jeden Morgen frisch auf mit dem 30°C-warmen Wasser – und lässt das Wasser abends wieder ab. So kühlt er nicht zu sehr aus und benötigt keine Chemikalien. Die Wintercamper hier schwören auf die heilsame Wirkung in ihren rheumageplagten Gelenken. Ein Platz in der Nähe hat sogar 45°C heisses Wasser.

Ich habe mich jeweils gegen Abend in das bereits etwas kühlere Wasser gewagt und nur eines zu bemängeln: wenn man erst einmal drin ist, will man gar nicht wieder herauskommen in den kühlen Abendwind..

Das ist er, der Campingplatz Los Madriles in Isla Plana
Früchte und Blumen gedeihen hier auch im Dezember prächtig..
..und dramatische Sonnenuntergänge können sie hier auch..
Es gibt hier sogar noch einige von der Love-is-all-you-need – Generation. Sie reisen allerdings etwas komfortabler heutzutage – und tragen inzwischen BHs 😊
Die andere Seite allerdings… Hier ein Bild von ganz oben auf dem Campingplatz. Der helle Streifen vor dem Meer sind die ersten Treibhäuser an der Küste der Murcia–Region vor Andalusien im Süden
Hier beginnt sie nämlich, die ‘Costa Plastica’: Mein Velo steht in beiden Bildern an derselben Stelle.

Dauercamper haben mir versichert, dass man die Treibhäuser nicht mehr sieht mit der Zeit. So weit bin ich noch nicht, aber hier sind es auch erst wenige, und die weitere Umgebung ist überaus hübsch.  

Dass hier eine heisse Therme aus dem Boden kommt, wurde durch Zufall entdeckt, weil eine kranke, hinkende Muttersau sich immer an die gleiche Stelle am Strand schleppte und dort stundenlang badete. Und eines Tages war sie wieder fit und gesund ! So will es zumindest die Legende.
Dieses Heilbad (Bildmitte oben) stammt ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert, war ab 1901 wieder öffentlich zugänglich und ist inzwischen am Verfallen – und dennoch immer noch eine Attraktion.

Hübsch, nicht wahr ?
Ich bin inzwischen in Tabernas im ‘Wilden Westen’ von Andalusien angekommen. Es liegt 160 Kilometer – und Welten – von Isla Plana entfernt.
Da das Wlan hier immer mal wieder Glückssache ist, benütze ich es, solange ich es habe
😉

Über die Camping-Stadt ’Alannia Costa Blanca’

Der Parkplatz für Besucher vor dem Campingplatz – im Hintergrund die Sierra de Crevillente.
Auf einem Kreisel des Campingplatzes

Am 28. November kam ich in Crevillente auf dem Campingplatz Alannia Costa Blanca an. Was für ein Platz ! 1200 Wohnwagen und Wohnmobile finden hier grosszügige Flächen, und darüber hinaus gibt es noch unzählige Bungalows.

Allein die Strassen und Strässchen zwischen den Fahrzeugen und Häuschen machen zusammengerechnet gut 11 Kilometer aus ! Alles ist gross hier: Kreisel, Strassen und Plätze – und dazu Autozeilen, so weit das Auge reicht.

Sogar die Fussgängerpassagen sind sehr grosszügig

Auf dem Platz stehen all die Riesen-Fahrzeuge, die auf regulären Campingplätzen nicht einmal um die erste Kurve kämen, geschweige denn auf einen regulären Platz mit ihren 12 Metern Länge und oft seitlich ausfahrbaren Wohn- und Schlafzimmern, die das Gefährt glatte 4 Meter breit machen. Hier bin ich schon eher die Mini-Exotin.

Viele Wohnwagen und Wohnmobile sind umgeben von 2 bis 4 Zelten: einem Vorzelt zum windgeschützten Wohnen und Essen und einem Küchenzelt zum Kochen und Abwaschen. Dann gibt’s noch Materialzelte, seitenfreie Partyzelte für die windstillen Stunden und manchmal auch noch ein Garagenzelt für das Auto.

Solche Platzgrössen haben Vorteile. Zum Beispiel Anonymität, wenn man diese sucht.

Und wenn man keine Lust hat, braucht man nie vom Platz zu gehen, denn er bietet Bar und Restaurant, Supermarkt, Coiffeur, Animation, Fitness Center, Swimming Pool und vieles mehr..


So ein Platz hat allerdings auch Nachteile – nämlich irgendwie alle Punkte bei ‘Vorteile’: man sinkt sozusagen in ein gemütliches Sofa und tut nichts, weil man ja nichts tun muss. Und wegen der Grösse lernt man die Leute um einen herum nicht einfach deshalb kennen, weil man ‘auch hier ist’, sondern eher aus Versehen oder an der Bar.

Die Bar mit Wlan auf dem Campingplatz Alannia. Hier finde ich mich allabendlich ein für eine Stunde zum Lesen der Weltnachrichten, für WhatsApps von Freunden und Familie, für etwas Unterhaltung – und für ein Glas Wein . Das Personal ist sehr freundlich, und den Hauswein gibt’s in weiss, rosado und rot für 2 Euro pro sehr gut gefülltes Glas. Die besseren Versionen (Verdejo und Rioja) gibt’s für 2.50, und bei beiden lohnen sich die extra 50 Cents durchaus.

Dort bin ich doch gleich am ersten Abend mit einem jungen britischen Paar ins Gespräch gekommen. Sie betreiben in Henley/England ebenfalls einen Campingplatz und verbringen jeweils ihre Winterpause hier. Und da auch sie heute angekommen waren – im Gegensatz zu mir aber nach einer anstrengenden Saison – waren sie bald bettreif.

An einem anderen Nachmittag machte ich die Bekanntschaft von Elsbeth und Toni aus dem Kanton Uri, als wir alle kurz das Wlan bei der Bar benutzen wollten. Sieben Stunden später machten wir uns auf den Heimweg. Um genau zu sein sieben Stunden, mehrere Gläser Wein, typisch spanische Spaghetti Bolognese und Lasagne und einen kreuzfidelen Nachmittag später… 😊.

Tahiti Village und Pool. Auch das gehört zum Campingplatz. Schön gemacht, nicht wahr ?
Auf der Plaza Marjal neben der Reception wird am Wochenende auch im Winter einiges geboten an live Shows, Tanzkursen oder Kinofilmen auf Grossleinwand

Im Moment ist der Platz bloss zur Hälfte belegt. Wie es hier wohl zugeht, wenn er voll ist ?
Einen Vorgeschmack (light) hatten wir, als am letzten Freitag kolonnen- und scharenweise Spanier mit ihren Wohnwagen aufkreuzten oder ihre permanent gemieteten Plätze bezogen. Dank viel Familie, Wein, Musik und Grillieren (gerne auch nachts um 23 Uhr) kamen wir in den Genuss von 20 verschiedenen Musikstilen und köstlichen Düften aus jeder Ecke. Wenn man weiss, dass diese laute Munterkeit nur ein paar Tage dauert, kann man ihr durchaus etwas abgewinnen.

 Am Montag war für uns Samiklaus, für Spanien der Tag der Verfassung nach Diktator Francos Sturz, und am Mittwoch Maria Empfängnis. Und im Laufe dieses Feiertags fand ein unaufgeregter, stetiger Exodus statt, und plötzlich kehrte wieder Stille ein. Man muss es ihnen lassen: die haben das im Griff !

Dieser hintere Teil mit bestimmt 200 Plätzen ist traditionellerweise fest in britischer Hand um diese Jahreszeit.
Nun sind sie wegen Brexit nur noch während dreier Monate am Stück willkommen im Land, und die meisten haben Januar bis März gewählt für ihren Aufenthalt.

Gleichzeitig findet auch die britische Umstellung der Auto-Landeskennzeichnung für Reisen ins Ausland statt, welche neu statt GB für Great Britain einen UK Kleber für United Kingdom vorsieht. Nordirland gehört nämlich nicht zu Grossbritannien, wohl aber zum Vereinten Königreich. Diese Massnahme soll die Zusammengehörigkeit fördern und unterstreichen. Wie bei allen solchen Unternehmen sind sogleich zwei Lager entstanden und haben eine erbitterte Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Beschlüsse gestartet. Die Verbal-Schlacht wütet besonders heftig, da die Leute inzwischen viel Übung haben darin dank Brexit und Corona…

Mir ist die schwache Belegung recht, stehe ich doch allein mit freiem Blick auf eine grosse Wiese und den täglich dramatischen Sonnenuntergang. Hier gefällt es mir viel besser als im Zentrum, wo sich Auto an Auto drängt. Einen kleinen Nachteil hat die schöne Stelle aber schon auch: die Sanitäranlage ist 320 Schritte entfernt; ich darf also nie warten, bis ich ‚wirklich muss’. 😊

Heute windet es gewaltig – auch ohne Meer in der Nähe. Die Leute sagen, dass der Wind in all den Jahren zuvor nie so heftig war.
Also doch: Klimawandel ! Entweder wie angedroht von Greta – oder weil das globale Klima tatsächlich alle paar tausend Jahre eine Art Reset macht, mit oder ohne unser Einwirken. Mir selber gefällt die letzte Variante deutlich besser.

Das Weisse dort hinten ist die Stadt Crevillente, zu der der Campingplatz gehört. Das Städtchen Catral liegt allerdings deutlich näher.

Gestern beschloss ich, meinen Frischwassertank zu füllen. Das habe ich nie mehr gemacht seit dem Sommer 2020. Dummerweise habe ich mich lieber auf die Anzeige im Auto verlassen als hin und wieder einen Blick in den Tank zu werfen. Dass diese Anzeige offenbar kaputt ist, wurde mir erst bewusst, als das Wasser unter dem geschlossenen Küchenhahn hervor drückte, hinten über den Tank unterm Bett lief und unten aus dem Auto floss auf der ganzen Fahrzeuglänge… Iiiiiiks ! Alle Hahnen wieder aufgedreht und dabei zugesehen, wie 70 Liter Wasser unter das Auto plätscherten, ein Rinnsal zur Strasse bildeten und sich dort verteilten… Bei schönstem Sonnenschein fiel es mir schwer, inmitten der Riesenlache unter dem Auto unschuldig auszusehen… Ich bin immer noch ein Greenhorn in vielen Dingen: Auto, Maschinen, lokale Handy-Abos – sie alle haben gefälligst zu funktionieren ohne mein persönliches Wissen darum…. 😊

Und zum Schluss ein paar AUGEN-BLICKE aus der Umgebung

Catral
Ich wusste nicht, dass ein Wald aus Palmen so aussehen kann. Dass also die Wedel nicht einfach abfallen, wenn sie verdorrt sind. Interessant.

Laut meinem Karten-App liegt gleich um die Ecke der See El Hondo mit der Laguna del Fondo und mit einem Damm, den ich mit dem Velo überqueren wollte.

Links im Bild oben stehe ich planmässig am Wasser (ich bin der blaue Kreis), und rechts ist das Foto, das ich dort vom ‘Wasser’ gemacht habe… 😉 Schön war es dennoch, aber nicht besonders feucht.. Und der Damm-Weg selber war nach 100 Metern mit Metallgattern und Durchgangs-Verbotstafeln garniert.

Für Wasser gibt es hier überall diese Bewässerungskanäle. Vielleicht sind es auch ENTwässerungskanäle ? Ich weiss es nicht, fand die Anlagen aber ebenso dekorativ wie interessant.

Auf dem Rückweg von meiner trockenen Seefahrt kam ich in den Vororten von Catral an diesen dekorierten Bäumen vorbei. Die Frauen erklärten mir, es ginge um ein Nachbarschaftswerk und ein gemeinsames Hobby. Ich glaube, ich habe solchermassen dekorierte Bäume schon an einigen Orten gesehen in Europa, vielleicht auch in der Schweiz…? Eine hübsche Idee ist es alleweil.

Das sind Sonja und Sam. Sie stehen schon seit Jahren jeden Winter auf dem Platz C200 (ohne die Platznummer würde man hier niemanden finden) und geniessen den Winter, ihre Freiheit, die wöchentliche Happy Hour mit Freunden und die relative Wärme.

Wir haben zusammen in der warmen Nachmittagssonne meinen französischen Rosé aus Chanaz getrunken (er schmeckte übrigens sehr fein !), und wir kehrten gemeinsam ein beim Inder im Restaurant Bombay in Catral. Ich für meinen Teil habe Essen und Gesellschaft gleichermassen genossen. Habt Dank für eure Gastfreundschaft – es hat grossen Spass gemacht mit euch !

Die Sonnenuntergänge in diesem Land sind zu schön, um nicht immer wieder festgehalten zu werden.

Am 10. Dezember war nach 12 Nächten auf dem Platz meine Weiterreise fällig. Mein grösster Platz bisher ist Geschichte ! Es hat mir gut gefallen hier, denn ich kann mich per se problemlos mit Luxus anfreunden 😉
Als nächstes suche ich mir aber trotzdem kleinere Wohnorte aus…

Autarkie-Probe – und jetzt wird geheizt

Samstag, 26.11.2021 Erst als ich in Spanien ankam, fiel mir wieder ein, dass man dafür ein Formular ausfüllen muss. Da ich den Grenzübertritt nicht einmal bemerkt hatte, kam ich sauber darum herum.

Der Campingplatz L’Albera in Capmany auf einem Hügel bald nach Frankreichs Grenze war bereits gut belegt, als ich eintraf. Bestimmt 90% der Gäste dort sind Holländer auf der Durchreise. Das liegt möglicherweise daran, dass der ältere Antonio, der mich mit einem launigen ‘Hola’ begrüsst hatte, selber ein Holländer ist.
Rechnen tun wir ja alle in der Muttersprache (oder in der Schulsprache ?), und als er mir mein Rückgeld herauszählte, kam es aus. Er ist aber immerhin mit einer Spanierin verheiratet und spricht wirklich sehr gut spanisch.

Eine schöne Landschaft ist das hier

Antonio informierte mich auch gleich, dass die Sicherungen 4 Ampères schaffen und ich mich hüten solle, eine Kaffeemaschine, einen Fön oder eine Heizung anzuschliessen, weil ich damit meine Nachbarn gleich mit ins Dunkel reissen würde.

Rechts hinter dem Beifahrersitz der Wechselrichter, daneben die Kaffeemaschine und die Heizung. Ich habe vorsichtshalber immer nur eine Sache aufs Mal betrieben.

Das war natürlich die Gelegenheit, meinen neuen Wechselrichter auszuprobieren, welcher den Solarstrom vom Dach nutzbar macht. Ich weiss allerdings nicht, wieviel er aufs Mal verträgt (Hinweise willkommen) – und vor allem nicht, was passiert, wenn ich ihn überlaste… Aber dann wollen wir mal. Alles funktionierte tadellos: zuerst die Nespresso-Maschine (ich habe vorsichtshalber gleich zwei Tassen Kaffee getrunken – wer weiss, wie lange das Glück anhält), danach die Elektroheizung Ecomat 2000 auf der niedrigsten Wattstufe, und auch elektrisch kochen klappte – mangels Verlängerungskabel köchelte ich auf dem Boden. Da ist es ja, das ultimative Camping-Feeling.. 😊

Capmany Dorf: hübsch, aber etwas gar menschenleer…

Am nächsten Tag war der eben noch so vollgeparkte Campingplatz bereits vor 10 Uhr morgens wie leergefegt – alle weg. Warum reisen die Leute morgens um 7 Uhr ab, wenn sie den ganzen Tag lang Zeit dafür hätten ?

Die 400 km Reise südwärts nach Alcossebre waren nicht wirklich entspannend. Bei heftigem Regen begann erneut in jeder Kurve der Alarm zu piepsen, der vor einer nicht verschlossenen Hintertüre warnt (der durchgedrehte Sensor in der Schiebetüre nervt gewaltig), dann regnete es wie aus Kübeln bis vor Barcelona.

Und schliesslich erschien auf der Überholspur auch noch mein erster ‘Sie-haben-da-hinten-ein-Problem–Typ’ im schicken weissen SUV.
Das sind Diebe, die einen durch signalisierte Fehlfunktionen am Auto dazu bringen, rechts ranzufahren, und während der Warner einem nun das Problem suchen hilft hinter und unter dem Wagen, räumt dessen wartender Komplize das Auto aus. Zum Glück hatte ich schon öfter von diesem Trick gehört und habe deshalb nur dankend zurück gewinkt.

Allerdings flatterte mir das Herz dennoch ein wenig. Was, wenn der Alarm von der Hecktüre kam und nicht von der Schiebetüre ? Was, wenn ich tatsächlich ein Problem habe ? Und was, wenn er nicht aufgibt ? Lasse ich mich an den Rand drängen oder schiebe ich ihn notfalls aus dem Weg ? Ich beschloss zwar, genau das zu tun, aber zum Glück zog er davon, bevor ich beweisen musste, dass ich das auch durchziehen würde.

Die letzten 4 Kilometer zum Campingplatz Ribamar in Alcossebre fanden auf einer holprigen Dreck- und Felsbrocken-Strasse statt, aber der Platz selber ist wirklich schön gelegen. Besser als das. Der Gärtner leistet hier ganze Arbeit: jede dekorative Pflanze ist zum Beispiel mit einer Tafel beschriftet.
Die Duschen werden alle paar Stunden geputzt und das Restaurant ist offen ! Und liefert am Morgen auf Vorbestellung backwarmes Brot.   

Ah: die Kanarenpalme ! Vielleicht ist das ein Zeichen, dass ich es halt doch mit den Inseln versuchen sollte..
Der etwas abenteuerliche Pfad zum Meer
Wenn man sich erst einmal durch das Dickicht gekämpft hat, ist es schön am Wasser  

Was für eine Nacht !
Ich weiss nicht, wann es angefangen hat, aber erwacht bin ich, weil sintflutartiger Regen aufs Dach trommelte, Blitze das Auto erhellten, Donner krachte und im oberen Stockwerk jemand ständig Zeug fallen liess. Dann war ich ganz plötzlich ganz furchtbar wach, weil mir aufging, dass ja gar niemand über mir wohnt ! Und dass ich die Markise gestern ein Stück ausgefahren hatte, um den Eingang vor dem abendlichen Regen zu schützen ! Und diese flatterte nun im Wind und drohte die Befestigung aus dem Auto zu reissen. Schon zum zweiten Mal, seitdem ich unterwegs bin – wie peinlich !

Mei, da ging aber rassig was: Markisendreher unter der Matratze hervorkramen, dabei in der Hast die dreiteilige Matratze auf- und durcheinander schütteln; raus in den Sturm im Pyjama und das flatternde Segel hochziehen, dabei eine lose Beinstütze an der Autoseitenwand einklemmen, weil ich diese nur einklappen kann, wenn ich die Markise ganz ausfahre (keine gute Idee bei diesem Sturmwind).. Erledigt. Patschnass zurück ins Auto, trockenes Pyjama fassen, Matratze sortieren, zurück unter die Decke – und nun war es drei Uhr früh und ich hellwach.

Der Sturm dauerte bis beinahe 6 Uhr Und als ich die Türe aufschob vor dem nächsten Schlafversuch, stand einer meiner Schuhe auf der Ausfahrstufe und war bis zum Rand mit Wasser gefüllt, was immerhin für dessen Dichtigkeit spricht. Den hatte ich wohl beim hastigen Aussteigen hinunter geschubst..  

Nach drei Tagen in Alcossebre ging es weiter – mit der Option, dorthin zurückzukehren, falls es anderswo doch nicht so doll sein sollte. Laut meinen holländischen Nachbarn wäre ich nicht die Erste, die nach einem Blick in die grosse, weite Welt reumütig zurückkommt 😊
Valencia, Santiago Calatravas Ciutat de les Arts i les Ciències
(valencianisch für Stadt der Künste und der Wissenschaften)

In Valencia habe ich am 25.11.2021 erfolgreich den Verkehr in der Stadt behindert, als ich in einem 5-spurigen Kreisel von der Mitte aus rechts abbog.. Sorryyyyy !
Dann kam ich an Valencias Wahrzeichen, den imposanten Kunst- und Wissenschaftsbauten, vorbei und habe in Nostalgie geschwelgt. Es war schön hier, damals vor vier Jahren; nun gilt es aber neue Erfahrungen zu machen.

Ich bin deshalb nicht auf den Campingplatz von vor vier Jahren gefahren, sondern wohne jetzt im Devesa Garden Resort im Naturreservat Albufera mit der hübschen Frischwasserlagune. Das tönt feudaler als es ist; immerhin sind wir alles Camper hier – oder wohnen in kleinen Holzhäuschen entlang der Lagune.

Gestern Freitag Abend haben sich die permanent installierten Wohnwagen und Vorzelte ziemlich rasch gefüllt mit Valencianern, die jeweils mit Kind und Kegel von der Stadt auf Land ziehen fürs Wochenende. Da war aber etwas los ! Gokarts und Velos und Minigolf und Fussbälle und lachende Kinder noch und noch. Mir hat das Treiben richtig gut gefallen als Abwechslung von der Alters- und Winterruhe auf dem Platz.

Heute windet es stark, und es ist kalt (war es vor vier Jahren auch so kalt ?). Ich hatte jedenfalls urplötzlich keine Lust mehr, gleich weiterzufahren. Na gut, bleiben wir noch eine Nacht.
Es ist eindeutig ein Vorteil, wenn man es nicht eilig hat. 😊

Ich sollte aber dennoch eine leise Ahnung dafür entwickeln, wohin ich gerne fahren möchte. Bis es soweit ist, drifte ich vor mich hin in 200-Kilometer-Etappen – und hoffe, dass es ein bisschen wärmer wird schon vor dem nächsten Frühling..

Einen schönen Sonntag – und ersten Advent – allerseits !

PS Ich nehme mir täglich Zeit für ein paar Minuten Spanisch-Unterricht (bloss nichts übertreiben !)
Und ! Ich kenne bereits die wichtigsten Farben, nämlich weiss, rosé und rot – und dank dieses grünen Camions nun auch noch grün ! Das kommt gut ! 😊

La Sale Gosse – Honig, Wein und Dauercamper

Dienstag, 16. November 2021

Heute Morgen Punkt 11 Uhr (geplant war ja spätestens 10 Uhr) bin ich losgefahren nach auf den Tag genau 16 Monaten in der Schweiz.
Wenn ich jetzt nicht gehe, gehe ich nimmermehr. Weil dann meine Wurzeln zu tief gewachsen sind in der angenehmen Gesellschaft meiner WG-Freunde und meiner Familie. Und weil ich zu faul geworden bin neben der wohlig warmen Heizung. Also los !

Meine ‘Wellness-Oase’ an Bord (also Dusche/WC) ist ziemlich genau 88cm lang und 77cm breit. Damit ich meine Dinge nicht auf dem Parkplatz unten an der Dorfkreuzung auslegen musste zum Verräumen, habe ich alles in Taschen gepackt und das Bad damit sauber aufgefüllt bis auf die halbe Höhe…

Mangels brillanter Alternativ-Ideen halte ich Richtung Frankreich mit dem vagen Ziel Spanien. Vor allem aber südwärts ! Heute merkte ich allerdings nicht viel vom Süden: die Aussentemperatur zeigte beharrlich 5 bis 6 Grad an, und alles war grau mit gelegentlichem Nieselregen.

Ich landete auf einem der wenigen offenen Campingplätze bald nach Genf – genauer gesagt in Chanaz, Region Savoie. Ein Dauercamperplatz, wie er im Buche steht: halb verfallene Vorzelte vor ganz verfallenen Zäunen, Laub auf moosigen Dächern, Deponien von Stühlen und Sofas hinter ramponierten Holzbauten. Beim dramatischsten Beispiel plärrte schon morgens um 8 Uhr ein Fernseher aus den beinahe undurchsichtigen Fenstern.

Aber die Damen an der Reception sind ausgesprochen freundlich, die weitere Umgebung sehr ansprechend – und vor allem ist  der Platz offen ! Wir wollen mal nicht kleinlich sein.

Chanaz. Dort vorne fliesst der Canal de Savière in die Rhône. Gleich rechts im Bild liegt der Campingplatz zwischen Kanal und Rhone – eigentlich eine Traumlage…
Chanaz Village – ebenfalls gleich neben dem Camping. Hübsch.
Und eben dies: auf dem Kanal dümpelt das Schiff ‘La Sale Gosse’ (ungefähr: Rotzbengel). Es ist vor allem ein Laden für Honig und Wein aus der Gegend.

Den dort gekauften Rosé aus Gamay und Pinot Noir habe ich noch nicht degustiert, aber der Kastanienhonig schmeckt nicht nur intensiv, sondern auch herrlich !

Und es gibt doch tatsächlich einen ‘aktiven Bienenstock’ an Bord !

Das durchsichtige Kunststoffrohr hinten am Häuschen führt direkt nach draussen, und so können die Bienen, wenn sie denn wollen, Ausflüge machen bei schönem Wetter.

Ach ja: um 21 Uhr war Lichterlöschen bei mir, und ich habe durchgeschlafen bis 7 Uhr ! Daran erkennt man gut die dramatischen Folgen fehlender Körperertüchtigung ! 😊

Mittwoch, 17. November 2021

Meine Fahrt auf der ‘Route du Rhône’ von Chanaz weg führt mich lange durch diese einsame, melancholische Gegend im Morgennebel.
Nach einer Stunde Fahrt war ich versucht, jedem Fahrer der wenigen kreuzenden Lastwagen zuzuwinken..

In Tournon-sur-Rhône (was für ein schöner Rebberg) gibt es einen Campingplatz mitten im Städtchen und direkt an der Rhone !
Den hatte ich mir ausgesucht, weil er noch bis Ende November offen hat (offene Campingplätze in dieser Jahreszeit sind rar in Frankreich). Aber denkste. Als ich nach 2 ½ Stunden Fahrt dort ankomme, steht am Eisentor FERMÉ ! So ein Frust.

Das wäre mein Ausblick gewesen vom Campingplatz aus.
Vor lauter Rhone habe ich das Ablichten des trügerischen Platzes verpasst..

Als Trost gibt’s einen Espresso im Bistro um die Ecke, in welchem ich gerne auch zu Abend gegessen hätte, dann geht’s auf zum nächsten möglichen Ziel.

Beim unfreiwilligen Weiterziehen ein Blick zurück auf Tournon-sur-Rhône – doch, hier hätte es mir gefallen.

Also nochmals 2 ½ Stunden Fahrt nach Castries in der Nähe von Montpellier. Nach der Tournon-Erfahrung kann der neue Platz aussehen, wie er will – er wird mir auf jeden Fall gefallen, wenn er offen ist.

Und hurra, er ist offen ! Auch hier scheinen viele Dauercamper zu wohnen, aber hier wird offensichtlich Wert auf Sauberkeit gelegt. Alles tiptop aufgeräumt rund um die Bungalows, geheizte, saubere Duschen, Stellplätze unter Olivenbäumen.

Allerdings gibt es auch hier keine Läden oder Restaurants in der Nähe, und deshalb ernähre ich mich schon den zweiten Tag in Folge von Brötchen und Kuchen, weil ich keine Lust auf Kochen habe.. Als Balance nehme ich ein Multivitamin-Präparat und bleibe prompt gesund !

Es schläft sich gut unter Olivenbäumen. Ein gelegentliches ‘Tock’ auf dem Dach zeigt, dass die Oliven nun reif wären zur Ernte..

Übrigens habe ich heute auf französichen Autobahnen 56.40 Euro bezahlt für die insgesamt 254 darauf gefahrenen Kilometer; das sind mehr als 22 Cents pro Kilometer !
Ich enthalte mich jeglichen weiteren Kommentars – ein wahrhaft heroisches Unterfangen…

Lichterlöschen heute erst um 22 Uhr – ich merke schon, dass ich ganz, ganz sachte wieder in den Unterwegs-Groove komme… In ein paar Monaten habe ich das bestimmt voll im Griff !

Eine kleine Schlucht von unterwegs

Donnerstag, 18. November 2021

Heute war ein herrlich sonniger Tag bei nachmittags 16 Grad, und ich habe meine Alleinlage in dieser Ecke genutzt für eine grandiose Auslegeordnung. Dann habe ich auf- und eingeräumt – und nun kann ich wieder ins Bad ! Andrerseits ist mein Kleider- und Warenlager unter dem Bett bis an den Lattenrost hinauf gefüllt.

Ich blieb hier auch deshalb, weil ich dachte, hier gäbe es wlan zwecks Herunterladens von einem Camping-App (von welchem ich erst jetzt weiss, dass es praktisch wäre unter den Umständen). Das täuscht aber, denn nach 5 Minuten fällt man zuverlässig aus dem Netz.

Am Nachmittag bin ich durch meine Vorräte gegangen und habe einen Beutel Penne an getrockneter Bolognesesauce gefunden, abgelaufen im Dezember 2019. Da ich niemals ‚gedörrtes Hackfleisch’ kaufen würde: wo zum Kuckuck habe ich das her ? Grauenvoll, oder ? Dennoch entwickelte ich ganz plötzlich (und kurz nach einem Brownie) einen solchen Heisshunger auf etwas möglichst Scharfes, dass ich mir Penne an Arrabiata-Sauce gemacht habe. Leider hatte ich es doch tatsächlich versäumt, Reibkäse einzukaufen, also habe ich das Ganze stattdessen mit schwarzem Pfeffer zugedeckt und ass mit Tränen in den Augen. Vielleicht schon auch, weil es so gut geschmeckt hat nach all den Süssigkeiten – vor allem aber, weil es so scharf war…

21.45h Zeit zum Schlafen. Es ist echt kühl ab Sonnenuntergang. Da wird es so richtig gemütlich im Bett. Wenn ich aber dort bin, schläft ‘es’ mir halt.
Gähn… Gute Nacht allerseits !

Freitag, 19. November 2021

Heute hat es geklappt mit dem wlan, allerdings erst für den Computer – für das Handy mache ich wieder auf hastige 5 Minuten-Aktivitäten…

Vielleicht zögere ich meine Abfahrt hinaus, weil ich von hier aus noch überall hin könnte: nach Italien, Sardinien, Griechenland… Wenn ich erst einmal in Spanien bin, ist die Auswahl doch schon etwas enger… Es scheint, dass man sich auch an das Sich-entscheiden-Müssen wieder gewöhnen muss…

Jetzt gehe ich erst einmal duschen, dann sehen wir weiter.. Euch allen wünsche ich einen guten Tag 😊

Sommerhochzeiten, Herbstnebel und Vulkane

Und Reisepläne. Beinahe vergessen. Meine Zahngeschichte ist abgeschlossen; ich könnte also durchaus zu meiner nächsten Wunschdestination aufbrechen.  

Könnte, denn mein Ziel war ja schon im letzten Winter La Palma. Damals machte mir Corona einen Strich durch die Rechnung, und nun verschwindet die ‘Isla Bonita’ der Kanaren seit September sachte aber stetig unter einer Lavaschicht. Der noch namenlose Vulkan am Bergzug Cumbre Vieja hat sich nach 50 Jahren faulen Herumstehens ausgerechnet ‘meinen Winter’ dafür ausgesucht, wieder mal etwas zu tun. Also wirklich !

Die Empfehlung, nun erst recht nach La Palma zu reisen und damit etwas beizutragen zur serbelnden Insel-Wirtschaft, verstehe ich zwar, aber ein Aufenthalt in einem Katastrophengebiet (mit Maske gegen den Ascheregen und giftige Gase) ist nicht wirklich sehr attraktiv.

Der Vulkan ist auch fünfzig Tage nach seinem ersten Ausbruch noch aktiv. Er hat inzwischen über 2000 Häuser zerstört, die Form der Insel nachhaltig verändert und an gewissen Orten meterdicke Ascheschichten hinterlassen, auf der ganzen Insel jedoch mindestens einen schwarzen Film. Eben habe ich allerdings gelesen, dass ein regelrechter Katastrophentourismus eingesetzt hat und die Hotels und Pensionen sehr gut belegt sind. Immerhin ein Trost für die Insulaner; das ist schön.

Man sagt, dass wir unsere golden glühenden Sonnenuntergänge der letzten Oktobertage vor allem den Schwefelwolken zu verdanken hätten, welche von La Palma quer über Westeuropa gezogen sind.
Dem täglich etwas dichter (und kühler) werdenden Nebel möchte ich schon gerne entfliehen. Bloss: wohin ? La Palma ist vorläufig out, und die anderen Kanareninseln ziemlich schlecht bestückt mit Campingplätzen. Das gilt auch für Madeira. Korsika dürfte etwas zu kalt sein um diese Jahreszeit, aber vielleicht Sardinien ? Oder doch Andalusien oder Sizilien ? Auch Griechenland hätte mir noch viele neue Orte zu bieten. Ach, ich weiss nicht.

Und deshalb sitze ich hier und möchte innerhalb von 10 Tagen herausfinden, wo momentan weder ein Vulkan Feuer spuckt noch die Erde bebt; wo weder Hagelstürme noch Überschwemmungen drohen und wo es idealerweise angenehm warm sein könnte. Hm…

Meine WG-Freunde sonnen sich gerade ferienhalber auf Gan Canaria, und ich hüte beim Recherchieren begeistert Katze Aisha, das Haus – – – und während den letzten verregneten Tagen vor allem den Grossbildfernseher ! 😊

Mitte Monat soll es aber wirklich losgehen. Das ist immerhin noch einen Monat früher als bei meiner ersten Abreise 2017 am 11. Dezember, also bloss keine Panik (manchmal sollen Selbstgespräche ja helfen..).    


Aber zuerst folgt jetzt das kleine Rückblick-Bilderbuch

Langweilig war mein überlanger Aufenthalt in der Schweiz gewiss nicht, und ich habe (fast) alles unglaublich genossen. 

Etwas beklagenswert fand ich lediglich die Wetterbilanz des Sommers 2021. Der arme Kerl litt offensichtlich an einer Blasenschwäche, und eigentlich muss er einem etwas leid tun.  

In der Mühle Oberembrach kann man feines Mehl kaufen – und sein Auto auf einer Brückenwaage wiegen lassen. Ich habe es schriftlich, dass mein ‘Dügg’ netto 2970 Kilos wiegt. Ich habe also noch mehr als 500 Kilos für die Zuladung frei. Nun kommen zwingend dazu: ich, ein voller Wassertank und die Grundnahrungsmittel Teigwaren, Schokolade und Wein. Ich glaube, das kommt gut ! 😊

Eine Traumhochzeit bei schönstem Wetter

Irene und Michi gaben sich ihr Ja-Wort in der Kirche Balgach am 11.9.2021 – ein historischer Moment !
Überhaupt ! Aber auch deshalb, weil mein Bruder und seine Frau innerhalb von gerade mal zwei Monaten beide Kinder erfolgreich unter die Haube gebracht haben.

Auch diese Hochzeit im Jahr 2021 fand bei schönstem Wetter statt, obwohl alle Vorzeichen auf nass gedeutet hatten.

Also gut, so schlimm war der Sommer vielleicht doch nicht. Und ein schönes Fest war es auf jeden Fall !  

Lauter gut gelaunte Gäste, eine strahlender Sonne und hinter dem Fotografen ein köstliches Apéro-Buffet: an solche Feste könnte ich mich problemlos gewöhnen.

Spanischem Temperament trifft auf Spezie Rara-Enthusiast – ein gutes Team!

Der Ausblick übers Rheintal vom Schloss Weinstein in Marbach ist wunderbar – und an einem Hochzeitsfest gleich doppelt romantisch.

Hier fand das köstliche Hochzeitsessen statt – und in einem der romantischen oberen Turmzimmer fand das frisch vermählte Paar spät ihre Ruhe. Schön war’s !

Essen «Speziöll originöll», wie die Appenzeller sagen..

Heiteres Mittagessen in der Rose Appenzell. Das Essen ? Unten eine Holzfass-Biersuppe mit einem Shot Bier und Speck, oben ein Tatar vor dem Alphüttli, daneben ein Heugabel-Spiess. Choga schöö !…
…Und alles war nicht nur ‚originöll‘, sondern richtig gut, was man unschwer an den zufriedenen Gesichtern erkennen kann !

Manchmal hat man einfach Glück, dass gerade ein Parkplatz frei ist, wenn man einkehren möchte…

Einmal noch: ein sommerlicher Bootsausflug

Wir haben eine Regenpause genutzt und am 5. September einen herrlichen Tag auf dem Wasser verbracht. Unser Ziel war Gottlieben.
Und nein, ich war nicht schwimmen – ich bin doch nicht wahnsinnig ! Unter 20 Grad Wassertemperatur geht bei mir gar nichts ! Andy und Urs stürzten sich natürlich mutig ins kalte Wasser und fanden es herrlich ! (wobei ich das auch behaupten würde, wenn ich mir das antäte; sonst wäre das Leiden ja für die Katz gewesen.. 😊)

Kurz vor der Einfahrt in den Rhein Richtung Gottlieben. In Deutschland gibt es noch viele dieser dekorativen Häuserzeilen zu sehen. Deshalb ist das Land auch auf meiner ‘Norden-Liste’; man könnte sie auch die Frühling/Sommer-Liste nennen. Leider habe ich auf dieser deutlich mehr Ziele als auf der ‘Winter-Liste’ für den Süden. Nun ja, wir werden sehen.
Gottlieben. Die Thurgauer Gemeinde ist das kleinste Dorf am Untersee mit rund 300 Einwohnern. Es ist bekannt für die knusprig-süssen ‘Gottlieber Hüppen’ und für seine Riegelhäuser.
Wir zogen es dieses Mal vor, an der Wasserfront einzukehren; wir hatten ja noch den weiten Weg zurück nach Steinach vor uns. Mit Badestopp… brrr ! 😊
Krönender Abschluss des Rhein-Bodensee-Ausflugs: das Abendessen mit weiteren Freunden im Schloss Laufen hoch über dem Rheinfall bei Neuhausen. Die Fälle sind vom Restaurant aus allerdings ganz knapp ausser Sichtweite rechts hinten. Schön war’s trotzdem.


Schon mal Maluns gegessen ? Unbedingt versuchen !

Dieses Bündner Gericht hätte ich nie zubereitet, wenn mir nicht die nette Dame im Supermarkt diesen Bergkäse zum Degustieren gegeben hätte – und dazu eine Rezept-Broschüre. Und wenn Urs nicht gesagt hätte: Komm, das probieren wir doch mal ! (Er ist in der Küche deutlich risikofreudiger als ich).

Und was soll ich sagen: dieses einfache Essen schmeckt einfach köstlich ! Wie der Rheintaler ‘Ribel’ aus Maismehl handelt es sich beim Maluns um eine (Berg-) Bauernmahlzeit aus selber angebauten oder hergestellten Zutaten: Kartoffeln, Weizenmehl, Butter, Käse, Äpfel..

Und so geht’s: für 4 Personen 1 kg am Vorabend gekochte mehlige Kartoffeln auf der Röstiraffel reiben und (Achtung !) mit 300g Weissmehl (echt !) und 1 EL Salz vermischen. 2 EL Butter in der Bratpfanne schmelzen, Kartoffelmischung dazu und bei mittlerer Hitze 30-45 Minuten rösten unter häufigem Rühren und Wenden, bis alles krümelig, knusprig und braun ist (siehe Bild).
Dazwischen immer mal wieder etwas Butter dazugeben (die verschiedenen Rezepte reden von 80 bis 280g – ich habe total 150g verbraten), und zum Schluss mit Salz abschmecken. Serviert wird diese göttliche Speise mit kaltem Apfelkompott oder Apfelmus und einem grossen Stück Bündner Bergkäse. Ich bin sonst kein Apfelmus-Fan zu würzigen Speisen, aber hier passt die saftig-süsse Beilage perfekt zur krümeligen Rösti und dem rassig-würzigen Käse ! Bun appetit !

Ich wollte es lange nicht wahrhaben, aber der Herbst hat tatsächlich Einzug gehalten, ohne mich zu fragen, ob ich bereit sei dafür..
Eine fette Herbst-Kreuzspinne. Das sind faszinierende Viecher, oder ? Hier ist eine gerade am Konfitüre – oder so – Einmachen für den Wintervorrat.
Saubere Arbeit !
Dieser kleine Igel besuchte uns im Frühherbst jeden Abend, bediente sich am Unterteller-Weiher und knusperte zufrieden eine Handvoll Katzenfutter. Dann kam er nicht mehr. Ich hoffe, es geht ihm gut und er hat inzwischen sein perfektes Winterquartier gefunden.


Aber jetzt geht’s optimistisch zurück zu meinem Reiseplan ! Ach so, ich habe ja noch gar keinen. Seufz… Ich komme am besten wieder, sobald ich einen habe – oder wenn ich unterwegs bin.

WENN ich dann tatsächlich gehe, schulde ich meinen WG-Freunden Andy und Urs ein riesiges DANKE für die längste Gastfreundschaft während meinem (zumindest teilweise unfreiwilligen) Aufenthalt in der Schweiz ! Es war einfach schön bei euch !


Am zweitlängsten stand ich bei meinem Bruder Andi und Schwägerin Martha unter dem Kirschbaum – und habe hier das Rheintal meiner Jugend und die Kochkünste von Beiden sehr genossen ! Auch euch ein ganz herzliches DANKE für eure grosszügige Gastfreundschaft ! Es war schön mit euch und den vielen Tieren und der Weite im Tal !

Dann kamen Aufenthalte in Annys Haus und Garten dazu, gemütliche Runden an vielen Orten (die ich alle begeistert ‚getankt‘ habe) und eine ganze Perlenkette von wunderbaren Erinnerungen. Euch herzlichen Dank dafür !

Und euch ALLEN hier wünsche ich einen guten Herbst mit viel Sonnenschein ab spätestens Mittag – Also dann: bis später ! 😊

Grüsse von der Schneckenfront – sozusagen..

Sobald ich von verschiedenen Seiten vorsichtig angefragt werde, ob es mich noch gibt, wird es jeweils Zeit für ein Lebenszeichen meinerseits.   
Das war eigentlich Anfang März der Fall; ich bin also wirklich ‘Die Schneckenfront’, ganz abgesehen von den unglaublich vielen Schnecken in diesem regenreichen Sommer.

Im März lebte ich allerdings auch noch im Zurückgezogen-Modus, der mir überraschenderweise ziemlich zusagte: lange schlafen, lesen, spazieren, kochen,  in die Berge sehen, Katze streicheln und abends mit meinen WG-Jungs plaudern reichten mir vollauf zum Glücklichsein.
Vielleicht wäre das vor zwanzig Jahren noch anders gewesen… (?)  Ich habe allerdings von verschiedenen Leuten – auch jüngeren – gehört, dass es ihnen ähnlich ergangen ist.

Mir scheint, dieser verordnete Rückzug aus den sozialen Strukturen und Gewohnheiten hatte neben vielen negativen durchaus auch ein paar positive Seiten. Wahrscheinlich vorausgesetzt, man lebt nicht ganz allein. Irgendwo habe ich gelesen: «Ich dachte, 2021 würde das Jahr, in dem ich alles bekomme, was ich mir wünsche. Stattdessen ist es das Jahr, in dem ich alles schätze, was ich habe.»
Ich finde, das beschreibt es schön.  

Der Rhein zwischen Eglisau und Rüdlingen

Ich bin inzwischen seit über einem Jahr in der Schweiz – und kann frühestens Mitte Oktober wieder abreisen. Mama mia !
Ich bin Andy und Urs sehr dankbar, dass ich immer noch bei ihnen wohnen darf. Es ist schön, täglich jemanden zum Plaudern zu haben, gemeinsam gemütlich zu essen – und sich wieder auswärts verwöhnen zu lassen. Wir müssen bei den Ersten gewesen sein, die nach der Wiedereröffnung an gleich drei aufeinanderfolgenden Abenden einen Tisch buchten in drei Lieblingsrestaurants. Ja, auch den Luxus des Auswärts-Essens lernten wir erst so richtig schätzen,  nachdem wir ihn zuvor eine ganze Weile entbehren mussten. Eigentlich sind wir Menschen von Natur aus eher undankbar, oder ?

Beim Warten auf bessere Zeiten habe ich eine grössere zahnärztliche Intervention initialisiert. Die etwas geschwollene Ausdrucksweise passt durchaus zum Preis, den ich dafür bezahlen werde… Diese Generalüberholung ist auch der Grund, dass ich erst im Oktober wieder abreisen kann. Das wird dann wie ein Neubeginn; aber das wird schon (gefälligst.. !).

Ich habe also ein beinahe ‘normales’, sesshaftes Jahr hinter mir. Mit Winter, Frühling, Sommer – und Regen. Viel Regen.. Dass die Bilder dennoch eher sonniger Natur sind, liegt daran, dass ich selten ausgehe, wenn es regnet..
Hier einige ungeordnete Szenen aus diesem Jahr:

Frühling ! Endlich Frühling !

Nach dem Weiss und Braun des Winters freue ich mich wie die meisten auf die frischen, leuchtenden Farben des Frühlings. Der Wonnemonat Mai war zwar nicht allzu wonnig, aber man konnte der Natur förmlich zusehen beim Wachsen und Aufblühen – und dieser Duft überall ! Himmlisch !

Gugellätschlibuck – ein Spaziergangfund – und so ein schönes Wort !

Am Muttertag war ausnahmsweise mal schönes Wetter, hurra ! Meine Tochter und ihr Freund kredenzten uns, also ihren respektiven Müttern, ein köstliches Brunch-Buffet. Was für ein schöner, lustiger Tag !

Eglisau vom kleinen Rheinschiff aus

Der Seleger Moor ist eine Reise wert !

Die Gegend um Rifferswil ist auch ohne Pferdefuhrwerk im Hintergrund hübsch, aber ‘mit’ zaubert es ein wenig Gotthelf-Stimmung (wenn man den Antennenmast links hinten netterweise ignoriert und die Neubauten unscharf bleiben..

Der Rifferswiler Park ist bekannt für seine Azaleen und Rhododendren, für seine Farne und Vögel und ‘Monet- Holzbrücken’ und schönen Spazierwege.

Meiner Tochter Lisa und mir hat es so gut gefallen im Seleger Moor, dass wir gleich zweimal dort waren: unten links Ende April, rechts Ende Mai.. (oben: dieses Foto einer perfekten Seerose ist von Lisa)

Zürichs Ausstellung ‘Körperwelten’

In dieser Ausstellung kann man das Spiel von Knochen und Muskeln sehen – an geschälten und plastifizierten Menschen – und an einem Pferd…

Das ist schon an sich sehr interessant, aber dass das einst echte Menschen waren (bzw ein Pferd..), erhöht den Reiz nochmals. Der Erfolg der Ausstellung weltweit zeigt, dass Gruseleffekte und pure Neugier weiterhin hoch im Kurs stehen…

Hochzeit im Schloss und auf dem Bauernhof

Die perfekte Mischung !

Für das Fest durfte ich wieder unter den Kirschbaum auf den Hof meines Bruders Andi und seiner Frau Martha ziehen (ganz herzlichen Dank !) – und da bin ich auch gleich ein paar Wochen geblieben.. Es ist wunderschön hier draussen: ich stehe zwischen Wiesen, reifenden Kornfeldern und Bergen – in Gesellschaft von Katzen, Kaninchen, Störchen, Pferden und ganzen Schwärmen von Feldspatzen und Krähen..

Am 9. Juli war die Hochzeit meines Neffen Walter mit seiner Anja.
Dass es der einzige durchgehend sonnige Tag war in einer langen Reihe von regnerischen Tagen (vor- und nachher), war das Tüpfchen auf dem ‘Hochzeits-Juhui !’

An der Zeremonie im Schloss Grünenstein in Balgach durften zwar nur Eltern, Geschwister und Trauzeugen teilnehmen, aber wir ‘anderen’ sassen draussen in der Sonne und genossen die Wärme, die Aussicht auf den Hohen Kasten und Säntis – und den Weisswein samt köstlichen Wraps.

Danach ging es in die festlich hergerichtete Scheune auf dem Hof im Balgacher Rheintal. Hier war ein reiches Buffet angerichtet – und der Pizzaiolo ‘Cosimo’ verteilte gut gelaunt Bruschette und schob eine Pizza um die andere in den Holz-Steinofen.

Der Bräutigam ist im ‘richtigen Leben’ ein begabter Velo-Mechaniker und begeisterter Velofahrer, was sich unschwer an der originellen Wand-Dekoration ablesen lässt.

Ein D.J. spielte Reggae und Oldies, und es wurde viel getanzt und gelacht. Ich ging um halb zwei Uhr nachts schlafen in meinem Wohnmobil – die mehrheitlich jungen Gäste sassen draussen um ein Feuer, bis es hell wurde – und etliche schliefen auf dem Strohlager in der Scheune.

Spätnachts: mein Bruder Andi beim Betten-Aufschütten für die Übernachtungsgäste, die mit Schlafsack angereist waren. Diese Gäste sahen zwar leicht zerknittert aus beim Frühstück am nächsten Tag; aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch.. Was für ein geniales Fest !

Leben im Rheintaler Riet

Für diejenigen, die hier für ein Auskommen arbeiten, wirkt es wahrscheinlich weniger romantisch als für uns Touristen, die ‘Jöööh’ und ‘Wow’ seufzen angesichts der Idylle.

Konzertprobe mit zwei Alphörnern. Schön !
Frühlingskätzchen auf dem Hof: Weissschnäuzchen und Schwarzschnäuzchen
Neuerdings kommt nach der Fütterung der Katzen morgens und abends dieser junge Fuchs vorbei, um die Resten der Mahlzeit zu vertilgen. Er wohnt im Maisfeld hinter dem Haus und findet, dass der Hof in seinem Revier steht und er ergo ein Recht darauf hat.
Diesen jungen Schwalben geht es offensichtlich gut – langsam wird es eng im Nest an der Stalldecke..
Die alte Mutterkatze rechts hat immer noch Appetit, verschläft aber ihre Tage am liebsten auf dem warmen Brett beim Brunnen

Franz und Franzosen: Hier ist praktisch täglich etwas los: Das Paar aus Paris hat auf Google Maps nachgesehen, wo es viel Land und wenig Häuser gibt – und sein Zelt hinter dem Haus aufgeschlagen für die Nacht, ehe sie dem Rhein entlang heimwärts halten.

Franz, der Freund unseres Bruders Peter aus Deutschland, war ein paar Tage später ebenfalls auf der Durchreise per Velo – und hatte sein Zelt ebenfalls in beeindruckend kurzer Zeit aufgebaut. Am nächsten Tag pflückte er erst noch ein paar Stunden lang Heidelbeeren, ehe er sich auf den Weg nach Kitzbühel machte.

Im Juli ist Heidelbeerzeit ! Die Saison ist kurz, und die Handarbeit lang. Die Beeren müssen einzeln aus den Beerentrauben gepflückt werden, da sie nicht alle zur selben Zeit reifen. Ein dunkler Kreis beim Stiel zeigt an, dass die Beere reif ist (Diesen Kreis sieht man gut an der Beere ganz rechts im Bild). Wenn man weiss, dass man gut und gerne eine halbe Stunde lang arbeitet für ein Kilo Heidelbeeren, ist der eher hohe Preis dafür mehr als gerechtfertigt. Die Beeren sind aber auch sündhaft gut !

Kutschenausflug mit Omero und Othello. Die perfekte Fortbewegungsart in dieser schönen Gegend. Wunderbar !
Rasanter unterwegs waren wir mit Andy beim herrlichen Bootsausflug auf dem Bodensee. Rechts die vorsorglich Ausschau haltende Dame an der Einfahrt zum Hafen Altenrhein.
Wenn die Restaurants offen gewesen wären, hätten wir wohl einen Halt eingelegt in Lindau. So haben wir es von weitem bewundert und genossen unser Abendessen im ‘Hafentreff’ von Steinach. Schön war’s !

Nun mal etwas ganz anderes: Ameisenplage?

Ein Kapitel aus der Kategorie ‘Haushalttipps’
Wer Ameisen auf der Suche nach Essbarem in seiner Küche vorfindet, ist verständlicherweise nicht sehr erbaut darüber. Ein altes Holzhaus ameisendicht zu kriegen ist jedoch beinahe unmöglich. Statt die Tierchen zu vergiften, gibt es die Alternative FÜTTERN !

Am besten tut man dies nahe an der Stelle in der Wand, aus der sie jeweils kommen. Hier ist rechts Honig in einem Deckel angerichtet, links ein Frucht-Gelée. Die Ameisen kommen, fressen, und nachdem sie wahrscheinlich noch ihre winzigen Rucksäckchen vollgepackt haben, gehen sie wieder. Wohlgemerkt: statt überall nach Futter zu suchen !
Anfangs sahen die süssen Kleckse aus wie (freundliche) Amöben; inzwischen sind öfter mal keine Ameisen mehr dort. Eigentlich sind wir mit unseren Bauten ja in IHRE Welt eingedrungen, nicht zuerst sie in unsere. Ausserdem sind Ameisen ein wichtiger Teil des Ökosystems, fressen sie doch totes Holz und Aas und lockern mit ihren Bauten die Erde oft so gut auf wie Regenwürmer, um nur einiges zu nennen, was sie erhaltenswert macht.

Was da hinten wie eine Feuersbrunst aussieht, ist ‘bloss’ ein Nationalfeiertags-Feuerwerk am 1. August, genauso wie der kleine Vulkanausbruch rechts.

Am 1. August gegen 21.30h hörte der Regen nämlich überraschend auf – gerade, als wir uns einen ganzen Tag lang daran gewöhnt hatten – und entlang der Hügel ringsherum wurde abgefeuert, was das Zeug hielt. Dank unserer Distanz zum jeweiligen Ort des Geschehens hatten wir die Lichteffekte, hörten aber die Knaller so gut wie gar nicht. Perfekt.  

Am 7. August gab es diesen wunderschönen Regenbogen zu sehen (in Natura war er natürlich noch viel schöner !)
Und gestern hat sich dieser junge Falke in das netzbehängte Heidelbeerfeld verirrt – und den Ausgang nicht mehr gefunden (die Netze sind nötig, weil die Stare die Beeren lieben und das Feld wie ein Heuschreckenschwarm leerräumen würden, ehe man ‘auch nur Hoppla’ sagen kann..).
Nach ein paar vergeblichen Versuchen mit hochgehobenen Netzen haben wir es tatsächlich geschafft, das leichtsinnige Ding wieder in die Freiheit zu entlassen.

Hier noch ein paar schöne ‚Menschen-Momente‘ von eben gerade… oder von etwas früher…😊

Zurück nämlich zur Wertschätzung vom Anfang: ich bin meinen Freunden und meiner Familie wahnsinnig dankbar, dass sie mich so selbstverständlich aufgenommen haben, als ich nicht weiterziehen durfte. Ganz besonders, da sich mein Abreisetermin irgendwie ständig weiter hinausschiebt. Peinlich, sowas…

Mit Andy in der Pizzeria Da Gió in Embrach: Oh ja, die können Pizza ! Toll !
..oder mit Jeannine in Augwil: der Beweis, dass Wurst-Käsesalat lustig macht !
..mit Nadia und Peter an unserer traditionell-üppigen ‚Metzgete‘ im Restaurant Geeren – wie schön, dass unser Tagi-Magi-Kreuzworträtsel-Freundschaft die Zeit überdauert hat !
…oder mit Rosemarie und ihrer berühmten Gemüse-Quiche mit Salat – und feinem Wein !
..oder der ebenso berühmten Linsenpie von Urs ! Mniam !
Besuch in Herisau: noch steht der Expeditions-Mobil von Jon Erik und Mirjam in der Überwinterungshalle, aber bald, bald…!

Wenn man am Wasser in der warmen Wintersonne sitzt, kann man glatt ins Schwärmen geraten. Hier fliesst von hinten rechts die Thur in den Rhein. Was für ein schöner Ausflug !

Und nicht vergessen: Unser Augwiler Feierabend-Ritual, um Corona abzuwenden: ein Espresso, etwas feines, Süsses und ein Schnapsglas voller Gold: der beste Grappa der Welt: Tre Soli Tre ! (hat tadellos funktioniert – wir sind immer noch kerngesund !)

Ja, es macht wirklich Freude, hier zu sein, und ich habe schon so viele meiner Familie, Freunde und Bekannten getroffen und so viel erlebt, dass sich auch dieses Jahr hier wie ein einziges Abenteuer anfühlt.

Ein märchenhafter Winter – und ein saukalter dazu !

Weihnachten und Neujahr sind vorbei, und schon geht die Sonne etwas früher auf und später unter. Nur die kalte Bise, die bläst immer noch, und heute schneit es wieder. Schön. Und kalt !
Ehe es aber dennoch Frühling wird, gibt es hier ein paar Winterbilder zur Erinnerung daran, wie ein Winter, wenn er denn schon stattfinden muss, auszusehen hat. Er war so schön ! Und auch die Weihnachtszeit war wohl für die meisten nicht so hektisch wie sonst, sondern ungewohnt ruhig und beschaulich, weil grosse Feste und Geselligkeit rar blieben.  

Die originellste Krippe habe ich dieses Jahr bei Dani angetroffen – verpackt ist sie wenig grösser als eine Tafel Schokolade und ein tolles Beispiel für ‘Reduced to the max’

 

Die schönste Krippe wiederum hat Andy – und neben Esel und Kamel hat sich rechts auch die Katze Aisha auf die Szene geschlichen. Ab dem zweiten Tag lag sie oft zufrieden inmitten der Ausstellung.

Bilderbuch-Winter. Auch im Dezember lag schon eine schöne, weisse Decke, aber im Januar schneite es tagelang wie seit Jahren nicht mehr. Die sonst dunklen ‘Rotkäppchen-und-der-Wolf-Wälder’ verwandelten sich über Nacht in lichte, traumverlorene Märchenlandschaften. An solchen Tagen wird die Welt ganz leise und die weichgezeichnete Landschaft einfach grandios.       

Schnee macht aus Bäumen dramatische Skulpturen und bringt das Blau des Himmels zum Leuchten
..und Schnee schafft aus eigentlich etwas langweiligen Sträuchern verwunschene Miniwälder

Hier war die Schneelast zuviel des Guten – in allen Schneegebieten fielen zahlreiche Bäume um, oder es brachen wie hier dicke Äste unter dem Gewicht.
Aber was für eine märchenhafte Welt !
Es erstaunt mich aber immer noch, wie kurz mir die Zeitspanne zwischen diesen beiden Bildern vorkam (an beinahe derselben Stelle aufgenommen)..
..oder die Zeit zwischen diesen beiden Aufnahmen…

Es gab zwar auch für mich keine grossen Feste in letzter Zeit, aber die kleinen waren herzerwärmend, und ich habe jedes einzelne dankbar genossen.

Zum Beispiel Weihnachten in Steinach am Bodensee im Kreis der Familie Akermann – mit feinem Essen, Singen und Geschenke-Auspacken. Das war festlich und richtig schön –  herzlichen Dank!

Bei unseren direkten Nachbarn Daniela und Alex (hinten links) gab es abends vor einem lustig brennenden Holzfeuer ‚Kaffee mit Schuss‘. Herrlich ! Danke euch !

Dank gebührt auch meiner Schwester Elisabeth und ihrem Mann Sepp in Kirchberg, wo wir bei einem Festessen die Pensionierung unseres Bruders Andi vom 13. Dezember feierten – und wo ich vor lauter Fest das Fotografieren unterliess. Es war toll bei euch, danke !

Köstlich und lustig war es auch bei meiner Tochter in Winkel, wo wir zusammen diesen geschmolzenen Camembert verputzt haben.

Damit alle etwas davon haben, gibt es hier auch gleich Lisas Rezept:
In der Bratpfanne ein Päckchen Baumnusskerne mit drei Esslöffeln Ahornsirup unter Rühren langsam caramelisieren – und danach auf Backpapier abkühlen lassen.
Einen Camembert (z.B. ‘Le Président’) in eine Gratinform legen, kreuzweise einschneiden (schön kommt auch das nicht allzu tiefe, rautenförmige Einritzen wie auf einer Kirschtorte) und einen Esslöffel Honig darüber giessen.
Ein Zweiglein Rosmarin auf den Käse legen und das Ganze im Ofen bei 180°C 20 Minuten backen. Fertig ! Kleines Nachtessen für zwei oder ein Apéro für 5-6. Jeder nimmt sich einen Löffel Käse auf einen Teller und streicht ihn auf die dazu servierten Brotsorten. Dazu gibt’s Trauben, Datteln, Nüsse, Birnen, Pfeffer – und ein Glas guten Rotwein.. Herrlich !

Mit Susy ging es im Dezember auf die verschneiten Schaffhauser Berge ins ‘Siblinger Randenhaus’. Schöne Aussichten, feines Essen, toller Ausflug ! Merci schön, Susy ! Das war eine sehr gute Wahl !

Genossen habe ich auch die interessante Van Gogh–Ausstellung in Zürich, zu welcher ich von Anny eingeladen war. Die animierte ‘Show’ dauerte zwar lediglich eine halbe Stunde, war aber sehr informativ und unterhaltsam – und sie wurde durch ein feines Essen im ‘Zunfthaus Linde Oberstrass’ aufs Schönste abgerundet. Auch dir ein grosses Danke, Anny !

Dani ist unterwegs auf dem Weg zum richtig guten Koch: hier hatten wir die Teller bereits sauber geputzt, aber ich habe bei ihm schon butterzartes Stroganoff, rassige Crevetten in Knoblauch-Olivenöl und raffinierte Apéros genossen. Weiter so; ich komme jederzeit gerne zur Degustation deiner neuen Kreationen ! Auch Horst (rechts) war begeistert.

Für alle, die nach meinem WG-Arrangement gefragt haben: Voilà: mein eigenes Badezimmer, mein eigenes Zimmer (inklusive eigener Fernseher) Chic, nicht ? Ja, finde ich auch ! J ♥

Ich bin meinen beiden Gastgebern Andy und Urs wirklich wahnsinnig dankbar, dass ich immer noch hier wohnen darf. Gleichzeitig hoffe ich natürlich für sie, dass ich in den nächsten Wochen (Monaten…) wieder reisen darf… Wobei es nicht so gut aussieht damit, denn momentan werden die Massnahmen eher ver- als entschärft. Wie gut, dass ich vor drei Jahren losgefahren bin und nicht erst letzten Frühling..

Seltsam, wie sich unser Blick auf die Welt verändert hat; stellt ihr das auch fest an euch ?
Ich bin zum Beispiel dankbarer geworden – auch für die kleinen Dinge, die ich einst für selbstverständlich hielt; etwa für eine Einladung zum Nachmittags-Kaffee oder für ein Essen bei Freunden oder Nachbarn. Und erst recht für die grossen Dinge – wie eben meine Aufnahme hier und die täglichen Gespräche, die mich ‘normal’ bleiben lassen (ja, ja, ich weiss, auch ’normal‘ ist relativ… ). Dankbar auch für meine Familie, die immer zu mir gehören wird, wie weit voneinander wir auch leben – und wie selten wir uns auch sehen.

Ich bin allerdings auch träge geworden.
Ich habe mich schon ziemlich ans Abgeschottet-Sein gewöhnt (wobei ich in meiner unterhaltsamen Dreier-WG glücklich dran bin und zum täglichen Plaudern, Diskutieren, Lachen und gemeinsamen Essen komme). Das Sich-Gewöhnen-Müssen hat eher damit zu tun, dass keine grösseren Feste mehr gefeiert werden und man nur noch hin und wieder vereinzelt andere Menschen trifft.
Und da man niemanden in die Lage bringen möchte, aus Angst ein vorgeschlagenes Treffen absagen zu müssen, fragt man erst gar nicht. Und glaubt mit der Zeit sogar, das sei bestimmt am besten so…

Vielleicht müssen wir uns etwas einfallen lassen, um nicht (allzu) seltsam zu werden, falls die Corona-Umstände andauern. Bloss was ?
Ich habe damit begonnen, mit ‘Babbel’ spanisch zu lernen, falls ich doch noch auf die Kanaren kommen sollte. Und ich habe versucht, auf ‘Duolingo’ mein bisschen griechisch beizubehalten. Letzteres ist ein gratis-App, und das merkt man; ‘Er macht Ouzo’ war noch der alltagstauglichste Satz der letzten Tage, auch wenn ich niemanden kenne, der Ouzo macht. Immerhin ein paar, die ihn trinken.
Ausserdem wollte ich mir das ‘Jerusalema’-Tänzchen beibringen, kriege es aber ums Verwurgen nicht hin.. Tzzzz…

Ich freue mich jederzeit über gescheite Tipps für einen gescheiten Lebenswandel in diesen ungescheiten Zeiten !
Bleibt alle gesund und freut euch des Lebens !

PS Das ‚Matterhörnchen‘ links sei der Eiger, hat man mir gesagt (ohne Gewähr).
Sicher ist immerhin, dass der Mast rechts der Bildmitte auf dem Zürcher Haushügel Üetliberg steht..

Einfach schön ! 😊 Schön einfach eher nicht…😉

Oder anders ausgedrückt: ich bin immer noch in der Schweiz statt auf den Kanaren…

Herbstnebel über Augwil

Ich gebe es ja zu: ich hatte (naiverweise) tatsächlich eine Zeitlang angenommen, dass sich der Corona-Spuk urplötzlich in Luft auflösen würde und ich doch noch…  Aber nein, doch nicht.. 

Es ist Spätherbst geworden, und aus Griechenland erreichen mich immer mal wieder Fotos von kilometerlangen, leeren Sandstränden  – und von hemdsärmeligen, ehemaligen Campingnachbarn, welche wieder dort weilen. Sie berichten, dass die Sonne scheine bei 23 Grad. Na toll !

Diese Ex-Nachbarn sind allerdings schon vor den Grenzschliessungen und Teil-Lockdowns losgefahren, was ich wegen meinem Garagentermin verpasst hatte. Dass meine Verspätung ganz eigentlich ein Glücksfall für mich war, habe ich erst allmählich begriffen. 😊

Mein ursprünglicher Winterplan sah vor, zügig durch Frankreich und Spanien zu fahren und in Cádiz die Fähre Richtung Kanarische Inseln zu entern. Dann wäre ich drei Tage lang gemütlich durch den Atlantik geschippert, um schliesslich auf La Palma hoch auf dem Berg in Puntagorda ein kleines Gästehaus zu beziehen. Dort hätte ich selber Gäste empfangen können – meine (theoretischen) Gastgeber bieten nämlich geführte Insel-Wanderungen, Yogalektionen und Massagen an. Tönt perfekt, nicht wahr ?

Stattdessen habe ich mich bei Andy und Urs in Augwil (hinter dem Flughafen Zürich) als WG-Partnerin eingenistet in ihrem grossen, gemütlichen Gästezimmer und geniesse den Komfort, das fröhliche Beisammensein und die kuschelige Wärme in der Wohnung. Ich kann in Läden einkaufen, die ich gut kenne und gehe spazieren, wenn die Sonne scheint und den Herbst zum Leuchten bringt.

Ein grosser Wald nebenan lädt zum Erkunden ein, und beim Umrunden des gepflegten Golfplatzes gleich um die Ecke kann man den Anfängern beim Dreckklumpen-Hauen zusehen (manche treffen auch den Ball). Ich schätze mich auf jeden Fall sehr glücklich, hier sein zu dürfen und bin den Beiden überaus dankbar für ihre Gastfreundschaft in dieser Zeit, welche zum ersten Mal in der Geschichte das Reisen an sich für extrem unsexy erklärt hat.  

Auf langen Spaziergängen hat man Zeit für Details: dieser Baumpilz sieht von unten aus wie eine Muschel
Hier hat Andy sein berühmtes Gschwellti und Chäs–Buffet angerichtet: 27 verschiedene Sorten Käse, dazu Kartoffeln und ein feiner Wein – was für ein Festmahl !

Wir haben es richtig gut und kochen gemeinsam oder gönnen uns ein Essen auswärts. Apropos: unterstützt auch eure Wirte und esst mal wieder bei ihnen. 😊

Wir sind zum Beispiel öfter bei feinem asiatischen Essen im Red Lion in Kloten anzutreffen, wo Kurt und Bin den Laden schmeissen. Wenn nicht viel los ist (was momentan leider in vielen Restaurants die Regel ist), spielen sie auch gerne ‘Oldies Wunschkonzert’ auf ihrer Musikanlage. Macht Spass !

Im Restaurant Freihof in Lufingen gibt es saftige Cordon Bleus und im Restaurant Salitre in Winterthur fantastisches Tatar mit Belper Knolle (Bild oben), um nur ein paar Empfehlungen anzubringen.. Toll !

Einmalig (ähm, nicht zuletzt aus Kostengründen) war auch das ‘Amuse-Bouche-Mittagessen‘ mit Dani im Hotel The Dolder Grand in Zürich – Teuer, aber einfach genial !

Dieses ‘Schloss-Hotel’ thront hoch über der Stadt und dem Zürichsee, und das Menu aus lauter Mini-Gängen war zum Hinknien köstlich und entsprach genau meinem Motto: Un peu de tout, s’il vous plaît ! 😊

Links der Dolder Schlossturm – und rechts zur Lunch-Einstimmung eine Serie Grüsse aus der Küche…
Links eine Jakobsmuschel mit Kaviar auf Pastinake und Pata Negra Schinken, rechts unten einer von drei Hauptgängen im Miniformat.

Wir wurden mit sagenhaften 27 exquisiten Mini-Gerichten verwöhnt (jeweils drei aufs Mal), und als wir uns danach satt und zufrieden zurücklehnten, wurden wir zum Kaffee noch mit einer Auswahl feinster Pralinés bedacht. Oh Wonne ! Was für eine fantastische Erfahrung !

Schön war es auch in Vitznau, wo ich  bei Vreni und Werni nicht nur kulinarisch verwöhnt wurde, sondern auch diese grandiose Aussicht genoss (der Bahnübergang vor der Kirche gehört zur Rigibahn).
Unser ‘Haus-Milan’ zieht Kreise über dem Herbstwald

Nach drei Monaten Wartezeit durfte ich im Oktober endlich meinen Pössl in die Garage Jestetten bringen. Dort haben sie den Sommer über lieber neue Wohnmobile verkauft als alte Kunden betreut..

Aber nun habe ich einen Wechselrichter und eine Stromkontrolle für meine beiden Solarpanele auf dem Dach – ich kann also freistehen UND mein Handy dabei aufladen. Mein Moskitonetz in der Schiebetüre hat auch wieder eine Zuzieh-Schnur, und auch das kaputte Rücklicht ist repariert.

Nur der Fahrradträger hängt immer noch schief, denn dafür hat es denn doch nicht mehr gereicht.. Nun ja, man kann nicht alles haben..

Am Freitag vor meinem Montag-Garagentermin hatte Deutschland übrigens angekündigt, dass sie die Grenze von Baden-Württemberg für Verkehr aus dem Kanton Zürich schliessen würden.
Also bin ich schon am Freitag mit Astrid nach Jestetten gefahren (sie hat mich netterweise zurück gebracht nach der Autoabgabe) – in einer langen Kolonne von weiteren Zürchern. Ich hatte den Termin im Kopf, die anderen vor allem eine lange Einkaufsliste in der Tasche.
Wie peinlich ! Alle Parkplätze vor Aldi und Edeka voll besetzt mit schicken Audis und BMWs mit Zürcher Nummern, und in den Läden ging wieder einmal das WC-Papier aus.. 😊 Was haben die Leute nur immer mit ihrem blöden WC-Papier ?!

Bereits am Samstag wurde die Grenzenschliessung wieder aufgehoben, denn die Grenzorte – zumindest die Geschäfte dort – lieben ihre sparsamen Schweizer Kunden. Für mich hatte dies immerhin den Vorteil, dass ich mir mein Auto nicht an den Zoll liefern lassen musste.. 

Dieser romantische Weiher sieht aus, als ob ich ihn auf einer einsamen Alp angetroffen hätte; er liegt jedoch nur wenige Schritte neben der Hauptstrasse in Kloten.
Auch ‚unerwartet schön‘ ist schön !

Manchmal, wenn wir im dichten, kalt-feuchten Nebel stecken, denke ich an Griechenland, wo ich im Frühlings-Lockdown am sonnigen Strand sass; dann werde ich für einen kleinen Moment etwas nostalgisch. Aber meistens finde ich es einfach bedingungslos herrlich, dass ich in diesen Zeiten hier bin und hier sein darf ! 😊

Ich möchte in den nächsten Tagen herausfinden, wer in meiner näheren Umgebung keine Angst davor hat, jemanden (ähm: mich…) zu treffen. Die würde ich dann gerne besuchen auf einen Kaffee oder auf ein Glas Wein – und natürlich auf ein Plauderstündchen. Ich freue mich darauf .😊

Euch allen wünsche ich gute Gesundheit und Wohlergehen – und lasst euch bloss nicht verrückt machen; auch das hier geht vorüber.

Apropos Sherlock Holmes: Wie fällt man eigentlich vorsätzlich in Ohnmacht ?

Ich habe kürzlich Doyles 50 Kurzgeschichten mit Sherlock Holmes gelesen. Natürlich nicht alle aufs Mal, aber immer mal wieder eine, wenn ich eine Zwischen-Lektüre brauchte. Die Geschichten sind spannend, und Sherlock Holmes ist tatsächlich brillant. Seltsam, aber brillant.

Es ist schon auffallend, wie zuverlässig die Damen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Ohnmacht fielen.
Eine schlechte Nachricht, ein nächtlicher Schrecken, eine feurige Liebeserklärung, ein ertappter Einbrecher, und zack – weg waren sie !

War das wirklich nur eine Modeerscheinung ?
Falls ja: wie haben die das hingekriegt ? Und warum hatte nicht die Hälfte der besseren Gesellschaft ständig Beulen am am Kopf vom Aufschlagen ? Und wenn sie keine hatten (weil das Ganze bloss vorgetäuscht war), warum hat man dann Riechsalz geholt, um die Gute ‘wiederzubeleben’ ?
Ausschliesslich an den eng geschnürten Walknochen-Korsetts kann es ja nicht gelegen haben, dass nur die ‘bessere Gesellschaft’ dem Brauch frönte.

Es gab zu viktorianischen Zeiten doch tatsächlich ‘Ohnmachtsräume’ in besseren Herrschaftshäusern. Ich kann die Hausherrin förmlich hören: «Komm, Kusine Mary, lass uns vor dem Abendessen noch ein kleines Viertelstündchen in Ohnmacht fallen».

Das männliche Gegenstück zur Ohnmacht war zu jener Zeit das ‘Brain Fever’. Die Bezeichnung steht zwar ausserdem für die durchaus gefährliche Hirnhautentzündung, aber oft war es laut den Erzählungen eine andere Form der Ohnmacht, auf welche die Herren zurückgriffen, um sich ebenso effektiv aus einer Affäre zu ziehen wie es die Frauen mit ihrem ‘Swooning’ taten.

Sir Henry Baskerville zum Beispiel fiel aus Versehen in eine (eigentlich den Frauen vorbehaltene) Ohnmacht, als der fluoreszierende Höllenhund auf ihn zugeschossen kam im Nebel. Er besann sich danach aber eines Besseren und ergab sich noch in derselben Nacht dem fiebrigen, sehr männlichen Delirium, welches deutlich mehr hermacht. Der arme Kerl musste als Folge des Schreckens rund um die Welt reisen (natürlich in Begleitung seines Arztes), ehe er vollständig geheilt war und Gottseidank seinen gewohnten, herrschaftlichen Müssiggang wieder aufnehmen konnte.  

Wahrscheinlich haben sich die Männer das ‘Brain Fever’ abgewöhnt, weil es heutzutage einfach zu wenig Familien gibt, die es ihren Mitgliedern finanziell ermöglichen könnten, sich immer mal wieder auf einer Weltreise von einem Schrecken zu erholen.  

Und die Frauen ? Nun ja, wenn man als Hauptdarsteller auf dem Sofa liegt und mit geschlossenen Augen auf das Riechsalz warten muss, verpasst man womöglich den besten Teil des Riechsalz-Such-Dramas. Anders kann ich mir nicht erklären, warum dieses probate Mittel eines Tages sang-, klang- und ersatzlos verschwand.

😊

Warum ich Zeit habe, antike Ohnmachten zu beleuchten ?
Das wiederum ist eine ganz andere Geschichte..

Von Silberdisteln, der Rosenlauischlucht und Sherlock Holmes

Der Lungernsee – eine kleine Idylle gleich neben der Strasse auf dem Weg nach Grindelwald

Ehe der Herbst noch nasser und kälter wird – oder es womöglich sogar zum ersten Mal schneit: ein paar Berner Oberländer Sommer-Sonnenbilder..

Vergnügliche drei Tage verbrachten Susy (rechts) und ich als Gäste von Myrta und Hans Jörg in Grindelwald.

07.30h Sonnenaufgang vom Balkon unserer Residenz im Chalet Topas in Grindelwald. Traumhaft ! Ganz rechts der Eiger, geradeaus in Weiss das Wetterhorn (wenn ich mich recht erinnere.. 😉)

Ausflug auf den ‘Männlichen’ auf 2345m (rechts oben)

Immer wieder tun sich grandiose Aussichten auf bei der gemütlichen Wanderung Richtung Tal

Geschafft ! Ich habe die Eiger Nordwand mit eigenen Augen gesehen ! Die Sonne steht etwas ungünstig für Fotos, aber es ist ein schöner Berg. Überhaupt wimmelt es hier nachgerade von schönen Bergen !

Aus Alpen-Enzian wird der berühmte Schnaps ‘gegen alles, was nichts ist’ gebrannt.
Nun ja, meistens eher aus dem gelb blühenden Enzian, vor allem aber: nicht aus den Blüten, sondern aus den Wurzeln der Pflanze ! Er schmeckt etwas bitter und erdig – und ist deshalb eher ein Medikament als ‘Das letzte Glas im Stehn’ vor dem Heimgehen nach einem Fest.
Und da die Kühe dicht bewachsene Enzianfelder oft meiden wegen deren Bitterkeit, wird das Wurzelgraben durch die Schnapsbrenner gern gesehen von den Sennen. So, jetzt stimmt’s ungefähr.. 😊  Aber dieses Blau ! Einfach wunderbar !

Die Rinne links speist das Wasserrad der historischen ‘Alten Säge Schwarzwaldalp’. Sie wurde 1896 erbaut, um damit das Holz für den Bau des ‘Kurhaus Schwarzwaldalp’ in der Nähe verarbeiten zu können. Das Kurhaus ist längst abgebrannt, doch die einzigartige Sägerei kann seit deren Restauration im Jahr 1999 wieder besichtigt werden.

Hier sieht man die Säge in Betrieb: https://www.youtube.com/watch?v=YihlGxJWvsc

Auf der Terrasse des Châlet-Hotels Schwarzwaldalp genossen wir einen Kaffee mit ‘Hasli-Chueche’.
Man beachte den edlen Reichsadler mit Krone auf dem feinen Gebäck !
Ein schwarzer Adler auf goldenem Grund ist auch Meiringens Gemeindewappen, und Meiringen wiederum die Zentralgemeinde des Haslitals. Laut Geschichte waren die Hasler bis zum 14. Jahrhundert reichsfrei, also direkt dem deutschen Kaiser unterstellt – und durften deshalb den Reichsadler im Wappen führen. Chic, n’est-ce pas ?!

Die Rosenlaui-Schlucht. In dieser engen Schlucht tosen die Schmelzwasser des Rosenlauigletschers. Die Wildheit des Baches kann man zum Glück bequem von einem gesicherten Fussweg aus bestaunen. Die Schlucht ist auch von dort aus beeindruckend mit ihren bis zu 80 Meter hohen Felswänden und dem stiebenden Wasser.

Das Rosenlaui-Schmelzwasser wird auf dem Weg ins Tal zum Reichenbach, und dessen siebenstufiger Wasserfall wiederum wurde weltberühmt,
als Sherlock Holmes in ‘Sein Letzter Fall’ von der Aussichtsplattform des mit 120 Meter höchsten Falls zu Tode stürzte.

Drei Jahre später tauchte er höchst lebendig wieder auf in der nächsten Kriminalgeschichte: Sir Arthur Conan Doyle hatte sich gezwungen gesehen, dem Druck seiner Leserschaft nach weiteren Abenteuern Sherlock Holmes nachzugeben – und so verwandelte er Holmes’ Todessturz kurzerhand in eine Todes-Inszenierung, welche zur Täuschung eines gefährlichen Feindes gedient hatte..😊. Very clever !

Am Ende der Schlucht haben sich auch hier die Leute verewigt durch ‘Steinmännchen’. Mir gefallen diese Steinfiguren, werden sie doch in grosser Menge ein ganz eigenes Kunstwerk.

Engländer weilten im 19./20. Jahrhundert gerne zur Schwefelbad-Kur im Hotel Rosenlaui aus der Belle Epoque. Deshalb heisst es rechts vom Eingang in Bildmitte nicht ‘Mittagessen’, sondern ‘Luncheon’. Das Hotel bietet auch heute noch gediegene Salons mit vollen Bücherregalen und schweren Ledersesseln, aber keine Fernseher und kein wlan. Originell, nicht ?

Wir genossen im Garten unter Bäumen einen Chäs-Brägel, also geschmolzenen Käse auf Brot.
„Sie meinen Raclette, nicht wahr ?“
Nein, korrigierte mich der Koch, das ist eben NICHT Raclette, weil der (Raclette-) Käse auf Brot serviert wird, nicht auf Kartoffeln.
Aha !(?) Ja gut, essen wir halt Chäs-Brägu statt Raclette…
PS Da das Raclette vorzüglich schmeckte, dürfen sie es gerne nennen, wie sie wollen…

Ach so, ja, die Silberdisteln: sind sie nicht einfach schön ?

Die Zeit im BEO war viel zu bald vorbei
(BEO ist übrigens für Einheimische und Eingeweihte das Berner Oberland; ich dachte ja anfangs, dass von einer lokalen Ladenkette wie Volg oder OBI die Rede wäre. 😊).
Schön war es hier – ich komme gerne wieder !
(Die Liste von Orten, welche ich jederzeit gerne wieder besuchen würde, wächst und wächst – wie schön !)

Schweizer Sommer: Cervelats vom Grill, Belper Knollen und Schokolade

War das ein schöner Sommer !
Knackige Sommersalate und Cervelats vom Grill mit der Familie und Freunden, laue Abende ausklingen lassen bei einem Glas Wein; die hauchdünn gehobelte Käsespezialität ‘Belper Chnolle’ auf feinstem Rinds-Tatar, Schwarzbrot mit knuspriger Rinde.
Schokolade ? Die passt immer und überall ! Wir haben gefeiert und gelacht, und nun ist es unversehens sehr frisch und herbstlich geworden.

Das ist sie, die ‘Belper Knolle’

Die Erfolgsgeschichte der Belper Knolle
Eigentlich war sie gedacht als Knoblauch-Frischkäse, den man anfangs vor allem aufs Brot strich. Erfunden hat ihn ein Käsermeister aus Belp, daher der Name.
Leider wurden die nicht rechtzeitig verkauften Käsebällchen immer sehr hart und damit erst recht nicht mehr verkaufbar. Und dann kam eines Tages jemand aus der Käserfamilie auf die Idee, die Knollen mit schwarzem Pfeffer zu umhüllen, vorsätzlich hart werden zu lassen und ihn als Gewürznote hauchdünn auf Speisen zu hobeln – wie Trüffel. Seither läuft das Geschäft weltweit wie gehobelt !  

Ich habe mich sogar wieder daran gewöhnt, dass ein gutes Essen in einem guten Restaurant hierzulande 100 Franken kosten kann pro Person.

Noch eine Spur problemloser habe ich zur Kenntnis genommen, dass das Essen einfach himmlisch schmeckt und die Auswahl in den Restaurants fantastisch ist (damit wurde ich in Griechenland ja nicht wirklich verwöhnt..)

Auch Raclette und Fondue gehören in mein heimatliches Essprogramm – und Kambly Biscuits und selbstgemachte Fruchtwähen und dunkles Brot mit krachend-knusprigem Rand. Und Torino-Schoggibrügeli, versteht sich.

Auch sonst bin ich angekommen in der Schweiz – und stehe wieder auf dem romantischsten ‘Campingplatz’ von allen – im Rheintal unter dem Kirschbaum.
Oder ich wohne bei Freunden im edlen Gästezimmer mit eigenem Bad in der Nähe des Flughafens – oder inmitten eines Gartenparks in Wallisellen.
Herzlichen Dank euch allen für die Gastfreundschaft – es ist immer wieder schön in der Heimat
(ich habe halt auch den Touristen-Blick drauf).

Ach so, ja: ich habe gearbeitet. Nun ja, das stimmt nicht ganz: ich habe zugeschaut, wie andere arbeiten
(ich selber bin irgendwie zu gemächlich geworden für alles. Weniger Nachsichtige würde es wohl ‘faul’ nennen).

Meinem Bruder habe ich zugesehen beim Heimbringen der Pferde von der Weide..
..meiner Schwägerin beim Wäsche-Aufhängen..

..oder diesem begabten Rentner (man kann ihn für solche Arbeiten mieten ! ) beim Reparieren des Gartenhäuschen-Dachs bei meinen Freunden..

Ab Anfang August versammelten sich wiederum stetig wachsende Gruppen von Störchen auf den Feldern für ein paar letzte fette Mahlzeiten vor dem gemeinsamen Abflug Richtung Westafrika (via Frankreich, Spanien und Gibraltar).

Hier haben wir 75 Vögel gezählt, ehe nach Mitte August die Felder urplötzlich leergefegt waren. Nur ein paar ältere Vogelpaare oder solche mit noch nicht verheilten Verletzungen verbringen den Winter hier und holen sich dann ihr Futter auf Storchenhöfen.

Feste feiern 😊

Sommerliches Mittagessen über dem Bodensee

Ich musste es mir schlicht abgewöhnen, auf die Waage zu stehen. Es ist zu deprimierend, wenn man einsehen muss, dass es nicht zwingend am zu heissem Waschen liegt, wenn Jeans immer enger werden..  

Aber was waren das für schöne Feste ! Ich durfte fünf Mal Geburtstage mitfeiern (einmal sogar meinen eigenen) , wurde bei Freunden und meiner Familie aufs Feinste bekocht, habe viele sehr gute Restaurants besucht und wurde generell nach Strich und Faden verwöhnt.

Ein Geburtstagsfest mitten im Rheintal..
..eines im Restaurant Wunderbrunnen in Opfikon..
..eines im Restaurant Frohsinn in Glattbrugg..
.. und mit den Weinfreunden ging es nach Illnau zu Steaks auf dem heissen Stein im Restaurant Frieden (fein, auch wenn man danach selber duftet wie ein frisch gebratenes Plätzli )

Es gab noch viele, viele weitere Treffen und Essen, Spaziergänge und Wanderungen; es gab viel zu lachen und zu erzählen, sei es in Augwil, Winkel, Vitznau, Balgach, Schmerikon oder Grindelwald.
Es würde allerdings zu weit führen, wollte ich sie alle aufzählen. Schön war es mit euch allen – mein herzlicher Dank ist euch gewiss ! Schön, dass es euch gibt 😊   

Aroniabeeren-Ernte
Noch vor ein paar Jahren wurden diese glänzend schwarzen Beeren in tagelangem Einsatz von Hand gepflückt. 

Nun werden sie ähnlich von den Zweigen gebürstet wie die Oliven in Griechenland, nur müssen die Zweige dazu nicht abgeschnitten werden: stattdessen wird die ganze Staude in die Maschine gebogen (links).  

Der Erntevorgang sieht etwas brutal aus, aber die Stauden springen hinter der Maschine elastisch zurück in die Senkrechte; es scheint ihnen also nichts auszumachen, dass sie für eine Weile beinahe waagrecht gedrückt werden. Rechts der Erntesegen; nun müssen nur noch grobe Stiele und Blätter entfernt werden.

Housesitting

Ich durfte diesen Sommer dreimal zum Housesitting einspringen, währenddem die rechtmässigen Garten-, Katzen- und Kaninchenbesitzer vier Tage bis zwei Wochen lang Ferien gemacht haben. Für eine Weile macht das ,bisschen etwas tun‘ richtig Spass – und als Gegenleistung bekomme ich jeweils ein ganzes Haus zu meinem exklusiven Gebrauch. Toll, nicht wahr ? Finde ich auch 😊

Als Fütterer hat man automatisch eine Art Fanclub…. 😊 links die Kater Charlie und Poverini – rechts die bereits satte und zufriedene Aisha..
..und hier die Meute aus Balgach. Schön, dass es allen gut geht.

Zum Schluss ein paar unsortierte Augen-Blicke

Süss: Die ältesten Bauteile dieses hübschen Schlösschens in Thal/SG stammen aus dem Jahr 1362.

Kunstvoll: Die Juckerfarm aus Seegräben hat vor ein paar Jahren den Römerhof in Kloten übernommen. Nun ist auch dieser bekannt für seine überlebensgrossen Skulpturen aus Kürbissen

Patriotisch: pünktlich zum Schweizer Nationalfeiertag vom 1. August kam der Rütlischwur dazu (Das Jahr 1291 ist der Legende nach das Gründungsjahr der Schweiz)
Apropos Legende: auch Wilhelm Tell gibt’s hier fast ganz aus Kürbissen gefertigt – sogar der ‘Apfel’ auf Walters Kopf ist ein Kürbis !
Und zum Schluss – Romantische Abendstimmung im Hafen von Steinach am Bodensee

😊 PS Ich komme gerne nochmals mit Bildern vom Berner Oberland, aber für heute reicht’s: WordPress hat einiges geändert, und ich habe mich etwas schwer getan mit den neuen Regeln…
Das Portal kann man ja gratis nutzen, und wahrscheinlich stimmt es schon: Wenn so ein Produkt gratis ist, bist DU das Produkt…😊

Italien-Schweiz oder von 34° auf 12° Grad in ein paar Stunden

132_01_TicinoHausbootAm 16. Juli verliess ich den italienischen ‘Ticino’ und wandte mich nordwärts.

Die Reise durch Italien verlief problemlos, wenn man von ein paar Tücken bei den Autobahn-Mautstellen absieht. Die Automaten dort erkennen die Streckenkarte manchmal nicht, und in der Hektik – der hupenden Hintermänner wegen – stellt man überrascht fest, dass eine 2D-Mautkarte mindestens acht Einführungsmöglichkeiten hat..

132_xx_Vignette

An der Grenze ins Mendrisio interessierte sich niemand für meine ID, die Autopapiere oder meine Gesundheit, aber eine Zöllnerin kam mit bereits halb vom Trägerblatt gelöster, klebebereiter Vignette auf mich zu und sagte: «Buon giorno, 40 Franken, bitte!». Na, das war ja einfach.

Auf dem ersten schweizerischen Rastplatz in Coldrerio kaufte ich mir ein winziges Croissant mit Lachs und Kresse auf Meerrettichcreme im Easy Stop und bezahlte dafür CHF 9.90 (an die hiesigen Preise werde ich mich wieder für eine Weile gewöhnen müssen).

132_02_VierwaldstätterseeUnd dann hatte ich DIE Idee: weil ich mich erst für morgen angekündigt hatte bei meinen Freunden, würde ich heute noch einen kleinen Schweizer Ausflug machen und morgen entspannt und ausgeschlafen das letzte Wegstück unter die Räder nehmen. Ich wollte mir ja schon lange einmal Merlischachen und sein Schlosshotel ansehen. Überhaupt ist der Vierwaldstättersee einfach schön, und ich war da längst nicht oft genug.

Zuerst bot mir der Gotthard aber noch das, wofür er berühmt ist: ich fuhr im Süden bei strahlendem Sonnenschein hinein – und kam bei nebligem Nieselregen im Norden heraus. 

132_03_SwissChaletMerlischachenMerlischachen liegt malerisch am See, und das Schlosshotel und sein Restaurant Swiss Chalet sind wirklich reizend anzusehen.  
Allerdings kam ich wegen einer Baustelle nicht dazu, anzuhalten, und der dortige Campingplatz war geschlossen. Schade. Dafür schien inzwischen wieder vorsichtig die Sonne. Man kann nicht alles haben.

132_04_CP_VitzauNeue Idee: ich übernachte auf dem Campingplatz in Vitznau und überrasche die im Dorf wohnenden Freunde am nächsten Morgen mit einer Einladung zum Kaffee.

Dieser Platz war zwar tatsächlich offen, aber praktisch randvoll, und in allen Plastik-Vorzelten wurde gerade zu Abend gegessen. Nein, doch nicht (wahrscheinlich wird man etwas gruppenscheu, wenn man oft praktisch allein irgendwo steht).

132_05_ZebuhofDann informierte mich mein Camping-App, dass ich vom ‘Zebuhof’ aus – hoch über dem Lauerzersee – diese Aussicht haben würde (wow !) und er nur drei Stellplätze anbietet. Perfekt ! Nichts wie hin !
Auf dem Bild oben liegt der ‘Zebuhof’ rechts unten, und dort, wo man einen kleinen weissen Wohnwagen erkennen kann am unteren Bildrand, dort stand ich
für die Nacht..

Ich befuhr die einspurige, steile Strasse mit leichtem Herzflattern, war aber grimmig entschlossen, mich dadurch nicht aufhalten zu lassen. Plötzlich stand ich vor einer Fahrverbotstafel, und rechts davon führte eine noch schmalere Strasse steil weiter bergauf.

Als ich eben aufgeben und meine berühmte 23-Punkt-Wendung einleiten wollte, hielt ein Auto neben mir auf dem ‚Strassenspickel‘, und der Mann, der regelmässig hier herauf fährt mit seinen Hunden – zum Spass und zum Spazieren, wie er lachend meinte – lud mich ein, ihm zu folgen. Dann schoss er los, und ich hatte weder Zeit, Mamma mia zu denken noch zu sehen, wo es langging. Wir fuhren in einem Höllentempo den schmalen Bergpfad hinauf, und dieser wollte kein Ende nehmen.

132_06_MeineAussichtUnd plötzlich waren wir beim Zebuhof.
Et voilà – Meine Aussicht auf den Lauerzersee hinunter..
😊 Dazu regnete es leise – bei 12 Grad. Na, bravo..

132_07_ZebuhofHügelIch packte meinen Heizlüfter aus und verbrachte den Abend lesenderweise mit gelegentlichem Blick auf die zerfliessenden Konturen der Wälder ringsum.

132_08_StellplatzZebuhof

132_09_TalfahrtUnter dem Eindruck, dass die Bergfahrt unglaublich steil gewesen war, räumte ich am nächsten Morgen alles besonders sorgfältig weg, auf dass mir ja nichts entgegen komme unterwegs. Es stellte sich heraus, dass die Talfahrt nicht halb so wild war wie befürchtet – und sehr reizvoll dazu.

132_10_LauerzerseeAuf dem Weg ins Tal habe ich ihn dann doch noch ‘erahnt’, den Lauerzersee..

132_11_SunsetAugwil..und in Augwil oberhalb von Kloten wurde ich durch diesen Sonnenuntergang hinter dem Kornfeld begrüsst. Und durch liebe Freunde und ein gemütliches Zimmer. Jetzt bin ich tatsächlich angekommen.

Inzwischen habe ich bereits einige ‘meiner Menschen’ getroffen, mehrere schöne Feste gefeiert und die ersten administrativen Arbeiten angepackt, die ich mir vorgenommen hatte. Es gibt noch viel zu tun..

132_12_Steinach ..und zum Schluss – ja genau, ein Hafen für meine Sammlung – hier Steinach am Bodensee beim Eindunkeln nach einem herrlichen Nachmittag auf dem See. 

Camping an Bord der ‘Hellenic Spirit’ (Patras-Ancona) / Pavia und der Ticino

131_01_HellenicSpiritAls die Ländergrenzen auf- und zugingen wie Drehtüren mit einem übermütigen Kind in der Mitte, habe ich gezögert, getrödelt und bin geblieben, wo ich war.

Es war heiss, und der Schatten verlockend. Nun ist es Sommer geworden; Zeit für meine Schweizer Sommerpause und die Besuche bei meiner Familie und meinen Freunden. Zeit für Administratives (Visa erneuern, endlich einen grünen Versicherungsausweis besorgen, die Autarkie ultimativ anpacken).

Also gut: reise ich halt doch mit der Fähre. Camping an Bord ist, wenn man alle Annehmlichkeiten der Fähre nutzen kann, die Nacht aber im eigenen Camper schläft statt in einer Kabine. Normalerweise darf man nämlich nicht zurück zum Auto, wenn die Fahrzeugdecks erst einmal geschlossen sind.

131_04_Patras_adePatras – Ancona lautete meine Route, und ich habe die gesamten 20 Stunden Reise einfach nur genossen (nun ja, ein paar davon habe ich auch verschlafen).
Rückblickend weiss ich erleichtert, dass sich niemand auch nur ansatzweise dafür interessiert hat, dass ich achteinhalb Monate lang in Griechenland war statt nur sechs.

131_02_Logenplatz

Der Hafen von Patras mit der Stadt im Hintergrund – so gesehen von meinem neuen Logenplatz auf der Fähre

131_03_Deck6Ein luftiger Standort – hier hätten nochmals ein paar Dutzend Campers und LKW Platz..

Eigentlich hätten wir am 13. Juli um 17.30h ablegen sollen, aber um diese Zeit fuhren immer noch einige Lastwagen daher. Was habe ich die Fahrer der Riesendinger bewundert, wenn sie auf Geheiss der ‘Platzanweiser’ locker wendeten auf dem Pier und rückwärts auf die Fähre rollten !

Ähm: vielleicht sollte ich doch wieder einmal irgendwo im Feld das Fahren üben. Es ist nämlich schon erstaunlich, dass ich bisher überall durchgekommen bin. Hier hatte ich aber Glück: als ich dran war, hat ein kleiner Dicker mich so gut eingewiesen mit seinen knappen, präzisen Gesten, dass Ich überzeugt bin, noch nie irgendwo so gerade ausgerichtet gestanden zu haben. Oder höchstens mal aus Versehen.. Das müsste auch ein guter Tänzer sein, denke ich – er hat jedenfalls das Zeug zum Führen 😊

131_05_BrückePatras_adeNach achteinhalb Monaten ist mein griechisches Abenteuer vorbei. Mein letzter Blick auf die Brücke von Patras auf die Peloponnes links davon. Ich könnte mir gut vorstellen, wieder einmal hierher zurückzukommen.  

131_06_3xCamperVansDrei Wohnmobile an allerbester Lage

Wir sind nur zwei ‘Camping-on-Board’ – Vans. Das deutsche Paar vor mir hat im März wie viele andere ihr Mobil stehen lassen und ist heimgeflogen – nun holen sie ihre Ferien nach. Die Slowenen hinter mir haben Kabinen bezogen und waren nie zu sehen. Durch die Aussparungen an der Schiffwand kommen Luft und Licht. Herrlich !

131_07_AussichtBullauge

Was für eine Aussicht ! Meer, so weit das Auge reicht, nur hin und wieder eine kleine Insel oder ein uns kreuzendes Fracht- oder Segelschiff. Dazu den Wind in den Haaren und das Wisch-sch der Wellen gleich unterhalb.

131_08_AussichtLinks

Und dies auf beiden Seiten, denn es sind so wenig Fahrzeuge an Bord, dass ich auch links aus dem Fenster über vier leere Spuren hinweg aufs Meer blicken kann (die Wasserlinie da drüben hob und senkte sich frühmorgens bedrohlich bis über die Mittelschiene hinauf, aber nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und alles wieder ruhig und beschaulich)  

131_09_BugBar

Wie überall, wo ich ‘mich niederlasse’, habe ich zuerst einmal eine Erkundungstour gemacht – und mich prompt mehrfach verlaufen.
Dann fand ich den Spielsalon, wo ein paar LKW-Chauffeure eben ihren Lohn in die einarmigen Banditen versenkten. Im Selbstbedienungsrestaurant wurden Spaghetti Bolognese angeboten, und in der Bar ganz vorne trockneten ein paar einsame Angestellte mit Maske unter dem Kinn Gläser ab. Es mangelt überall an Gästen – und das in den Sommerferien !

131_10_LKW_ChauffeureIrgendwann kam ich zum Chauffeur-Treffpunkt im Heck. Man sieht es den Herren an, was sie sind: beinahe alle rauchen, viele sind übergewichtig, und niemand scheint ein Interesse an der Aussicht zu haben. Aber alle kannten sich und haben einander Bier gebracht von der Theke.

131_11_DinerDa ich nun schon im Luxus-Modus war (immerhin reise ich auch ohne mein Zutun), gönnte ich mir auch gleich noch ein Dîner im Nobel-Restaurant der ‘Hellenic Spirit’, wo wir gerade mal zu dritt sassen.

Die Fischfilets waren nichts Besonderes, aber die knusprig-frischen Brötchen und drei verschiedenen Aufstriche aus Auberginen, Käse und Oliven schmeckten einfach köstlich. Am Ende der Mahlzeit brachte der Kellner einen Raki (also die türkische Variante des mit Anis gebrannten Weinbrands wie Ouzo oder Pastis). Er ging zwar aufs Haus, aber da er nicht mit Wasser verdünnt war, habe ich nur daran genippt, weil 50% Vol. auf 3.75dl Rosé ergibt…. murmel, murmel – jedenfalls zuviel 😊

131_12_Italia

Ich schlief tief und fest, nachdem ich mich an das sachte Schaukeln gewöhnt hatte. Am nächsten Tag gegen 13 Uhr stieg langsam eine Hügelkette aus dem Dunst. Wir näherten uns dem Land und Ancona.

131_13_KornfelderSchon von weitem fielen sie mir auf, die Stoppelfelder nach dem Dreschen an den Hängen, darauf die grossen, runden Strohballen, bereit zum Abtransport. Grüne Wiesen, ziegelrote statt weisse Häuser, runde Kirchenkuppeln. Das war ein Bild, das ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Es war wie Heimkommen.

131_14_Ancona_HafenUnd Ancona ist eine hübsche Stadt, soweit ich sie gesehen habe vom Hafen aus.

Was mir auch sofort angenehm auffiel: ich konnte alle Tafeln nicht nur lesen, sondern verstand auch, was da stand ! Hurra ! Nach den langen, griechisch beschrifteten Monaten war das ein grossartiges Gefühl !

Ich reiste von Ancona 440 km nordwärts. Die Pausen mit eingerechnet war ich dafür sechs Stunden lang unterwegs. Wenn ich nicht die Autobahn benutzt hätte, wären es elf Stunden reine Fahrzeit geworden, und darauf hatte ich nach der ersten halben Stunde auf schlechten Landstrassen spontan keine Lust mehr.

Auf einem Rastplatz kaufte ich mir ein Baguette und ein Dolcemele, eines dieser unvergleichlichen, muffin-ähnlichen Küchlein mit Äpfeln drin. Und gleich beim Eintreten wurde ich aufgefordert, eine Maske zu tragen ! Das war das allererste Mal
für mich, und ich musste das Ding erst holen im Auto, wo es seit März in der Originalverpackung gelegen hatte. Einen Moment lang kriegte ich kaum Luft. Das Ding ist schon sehr gewöhnungsbedürftig..

131_15_Maut_28.20

28.20 Euro hat mich der Einmal-Spass an Maut gekostet für vielleicht 360 km,
und wie gesagt: wenn noch irgend jemand unsere Schweizer Vignette (40 Franken, gültig für ein ganzes Jahr) zu teuer findet, springe ich ihm nahtlos ins Gesicht ! Also gut: 😊 das mit dem Springen ist nicht wörtlich gemeint, und nahtlos schon gar nicht. Aber ich werde immerhin meine Fäuste in die etwas rund gewordenen Seiten stemmen und etwas sagen, das mit «Jetzt hör’mal zu ! Weisst du, was ich in Frankreich, Österreich oder Italien…. ???» beginnt…

131_16_Ticino

Ich stehe heute auf dem Campingplatz Ticino in Pavia unterhalb Mailand bei ca. dem grünen Sternchen oben.

131_27_TicinoDer Platz liegt auf dem Heimweg und optimal für die Einreise in die Schweiz nach einem gemütlichen Reisetag

Spontan dachte ich, dass hier wohl ein Tessiner den Platz führt.
Aber nein: Unser Schweizer Fluss Ticino, nach welchem auch der Kanton benannt ist, entspringt zwar auf der Tessiner Seite des Nufenenpasses, aber beinahe zwei Drittel des Flusses finden (sozusagen) in Italien statt zwischen Lago Maggiore und Pavia, und hier in der Nähe mündet der Ticino in den Po und mit ihm ins Adriatische Meer. Tsk, für mich hörte der Ticino bisher einfach auf am Lago Maggiore…

131_17_Ticino

131_28_TicinoIch habe mir diesen Ticino angesehen – auch die italienische Version ist sehr hübsch und romantisch. Rund um Pavia ist er in einen grossen Park eingebettet. Hier treffen sich die Städter zum Baden und sich Erholen.

131_18_Pavia
Pavia, Piazza della Vittoria. Das ist nur eine der hübschen, lebhaften Ecken in Pavia – ein schönes Städtchen !

131_19_Pavia

131_20_PonteCoperto
Der Stolz der  – ähh: Pavianer (?) : die Gedeckte Brücke (Ponte Coperto)

131_21_PonteCoperto2Die Geschichte ist ebenso lang wie die Brücke, aber kurz gesagt wurde sie während dem letzten Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut. Die Vögel sitzen reihenweise auf dem Brückendach – und die Jugendlichen auf deren steinernen Geländern.

131_23_EinsteinSo, jetzt wissen wir’s: auch Einstein fand die Brücke (relativ) schön ! 😊

131_22_PonteIch werde morgen nordwärts halten – und mit etwas Glück am Freitag in der Schweiz ankommen.. 😊

131_24_Graffiti

Wie aus einer Halbinsel eine Insel wurde

130_01_KanalDie Peloponnes war bis 1881 eine Halbinsel

130_03_DiolkosAber schon Kaiser Nero hatte 67 n.Chr. Pläne für einen Kanal; damals wurden nämlich noch ganze Handelsschiffe auf einem gepflasterten Weg über die Landenge gezogen.

130_02_mapDie Seeleute fürchteten die Umrundung der Peloponnes, denn beim Kap Malea herrschen oft tückische Winde, und das wechselhafte Wetter wurde vielen Schiffen zum Verhängnis (laut Homer wurde schon Odysseus bei seiner Heimreise von einem Sturm überrascht vor diesem Kap).

130_04_Kanal1881 begann der Bau des knapp 6.4 km langen Kanals von Korinth an der schmalsten Enge zwischen Festland und Halbinsel, und zwölf Jahre später war die Peloponnes eine ‘richtige Insel’, also an allen Ufern vom Meer umspült.  Et voilà !😊

Nun konnten die Schiffe ihre Reise um 325 km abkürzen und im sicheren Kanal auf die andere Seite gelangen. Ein feines Stück (ungarischer) Bautechnik !

130_05_Kanal
Die Wände des Kanals sind bis 79 Meter hoch bei Steilwinkeln von 71°–77°

130_07_SenkbrückeAn beiden Enden des Kanals gibt es eine absenkbare Brücke. Dort fahren die Schiffe über die Brücke statt unten durch. Da momentan wenig Verkehr herrscht, habe ich sie leider nicht in Betrieb gesehen. 

130_08_BogenbrückeDer Kanal hat seine Bedeutung etwas verloren, weil er sich für kleine Schiffe besser eignet als für grosse, aber auch heute noch fahren jeden Tag rund 30 Schiffe auf dem schnurgeraden Kanal unter den fünf Brücken hindurch (bzw darüber bei den Senkbrücken), vor allem Yachten und Ausflugboote.

130_06_KanalWald Die Routen der modernen Schiffe führen inzwischen nicht mehr so nahe am gefährlichen Kap Malea vorbei, und dank deren starker Motorisierung ist der Umweg um die Peloponnes herum keine grosse Sache mehr.

Denkwürdiges

130_09_BraemarDieses britische Kreuzfahrtschiff von 22.5 Metern Breite leistete 2019 werbewirksame Präzisionsarbeit mit seiner Kanaldurchreise.
An der schmalsten Stelle ist der Kanal 24.6 Meter breit; es blieb also ein Meter Luft auf jeder Schiffseite. Die ‘Braemar’ ist damit das grösste Schiff, das den Kanal je befahren hat. Die Aktion war ein solcher Erfolg, dass die Reise nächstes Jahr erneut angeboten werden soll.

130_10_RobbieDer Australier Robbie Maddison sprang 2010 mit seinem Motorrad 85 Meter weit über den Kanal – schon bei der Vorstellung wird mir leicht schwindlig…

130_11_GolfKorinthDas Ende des Kanals öffnet sich zum Golf von Korinth

130_12_Pegasus

Neu Korinth: Pegasus und die Taube auf seiner Nase bieten eine zirkusreife Vorstellung auf diesem Brunnen (ich kam gerade auf dem Velo vom Kanalbesuch)

130_13_Camperstop In Alt-Korinth stand ich auf dem ‘Camperstop’ an allerbester Lage gleich neben Abwaschgelegenheit, Dusche/WC und dem Tisch, an welchem ich auf die ersten frisch angekommenen deutschen und holländischen Gäste traf. Es kommen also doch noch einige aus dem Norden hierher. Die über 80-jährigen Betreiber sind froh, dass ihr noch beinahe leerer Platz langsam wieder bevölkert wird.  

130_14_ApollonDer Apollotempel in Alt Korinth ist einer der frühesten dorischen Tempel in Griechenland. Er wurde 560 v.Chr. aus Kalkstein gebaut und war einst das Wahrzeichen der Stadt.

130_15_PaulDas ist Paul. Er ist Engländer und wohnt seit drei Jahren auf dem ‘Camperstop’. Damals hat er es gerade noch hierher geschafft in seinem uralten Wohnmobil. Er möchte hier ein Stück Land kaufen und sich niederlassen. Es eilt ihm aber nicht sehr damit, denn auf dem Campingplatz hilft er beim Einweisen neuer Gäste und wird als Gegenleistung von der Familie verpflegt.

130_16_AusgrabungsstätteDie Ausgrabungsstätte im Licht der untergehenden Sonne. So sah das aus von der Terrasse der ‘Gemelos-Taverne’, wo wir vorzüglich bewirtet wurden mit Ouzo, frischem Fisch und Saganaki, dem gebackenen Käse.
Hier soll übrigens Apostel Paulus seinen ‘Römerbrief’ geschrieben haben.

 Reise-Augen-Blicke

130_17_Agialaia

130_17_Beach2

130_18_Diakopto

130_20_Diakopto

Diakopto am Golf von Korinth. Mit dieser Schmalspurbahn (75cm) kann man sich hoch hinauf in die Berge nach Kalafryta fahren lassen.
Da es glühend heiss war am Bahnhof, habe ich nur die Triebwagen besichtigt (die neue Generation davon ist übrigens von Stadler Rail)

130_26_KalosIrthate

130_21_TsolisView Und nun stehe ich  30 km vor Patras – und habe diese Aussicht, die sehr nach Ferien tönt (wobei das Tönen von der Bar unten links kommt). Der Platz hat sich über Nacht mit Zelten und Motorrädern aufgefüllt. Wochenende in Griechenland !

130_23_ThomasDas ist Thomas. Auch er ist ein Aussteiger und reist mit seiner kultigen, alten Honda und dem passenden Seitenwagen durch die Welt. Wir hatten es kreuzfidel miteinander und haben heute bis um drei Uhr morgens geplaudert – mit Wein im Glas, den Füssen auf dem Geländer und dem Meeresrauschen unter uns.

für die ‚Töffler‘ unter euch: https://www.sidecaronworldtrip.eu/

130_24_Thomas2

130_25_Coast

Epidauros – DAS ist Akustik !

129_01_AmphitheaterDas muschelförmige Amphitheater von Epidauros mit der sagenhaften Akustik

129_02_Epidauros

Im 7. Jahrhundert vor Christus wurde hier ein Tempel für Apollon gebaut. Etwas später trat  Asklepios an die Seite seines mythologischen Göttervaters: Asklepios, Gott der Heilung. Die Epidauren verstanden es, ihre Gemeinde als Geburtsort von Asklepios zu preisen, was neben den Pilgern nun auch Heilungssuchende nach Epidauros lockte, wo Bäderkuren und ganzheitliche Therapien angeboten wurden.

129_03_Katagogion_HostelHier stand das Hostel für die Kurgäste und Pilger. 2500 Jahre später sind zwar nur noch wenig Spuren davon zu sehen – aber immerhin SIND noch welche zu sehen – die haben damals gut gebaut).

Die Griechen verstanden sich schon früh aufs Heilen – und auf das Verhindern von Epidemien (!): Das Hostel bestand aus mehreren, jeweils um einen Innenhof gruppierten Häuser-Rechtecken, so dass ansteckende Kranke gänzlich von den anderen getrennt untergebracht werden konnten.

129_04_AmphiDas am besten erhaltene Bauwerk von Epidauros ist das in den Hang gebaute Theater mit traumhaftem Blick auf die weite Berglandschaft der Argolis.

Die halbkreisförmige Zuschauertribüne bot 14’000 Zuschauern Platz, denn die ganzheitliche Therapie schloss auch Unterhaltung mit ein. Auch heute noch werden dort alljährlich Sommer-Festspiele aufgeführt – ausser im Jahr 2020, versteht sich..

129_05_AsklepiosBeim Theater waren gerade mal ein englisches Paar und ich vor Ort; es ist inzwischen ja auch wirklich viel zu heiss für Besichtigungen von in der Sonne brütenden Steinhaufen  (‚Mad dogs and English men, walking in the midday sun’)..

Aber wir wissen nun, dass es stimmt, was man sich über die Akustik des Theaters erzählt!

Ich habe von ganz oben dem Engländer, der eben auf der Bühne angekommen war, zugerufen, er solle doch bitte etwas singen, und schon kam ein ebenso grottenfalsch gejohltes wie begeistertes «Obladi, oblada, life goes on, hey, lalalala life goes on» von unten. Sehr klassisch ! 😊

Dann folgte der Münzentest: er liess eine Münze auf eine kleine, fix montierte Metallplatte im Zentrum der Bühne fallen. Jawohl: das «Pling» war auch ganz oben laut und deutlich zu hören. Exzellente Akustik, wirklich. Toll !

129_06a_map

Apropos: ich dachte bis heute, dass sich Akkustik mit zwei ‘k’ schreibt.
Da es sich aber vom griechischen akoustikós ableitet, ist das falsch. Es schreibt sich Akustik und ist nicht mit den Akkus verwandt. Da hätte ich eventuell auch selber drauf kommen können..

129_06_CampingNicolasAuf dem Camping Nicolas in Epidauros (in knapp 2 km Entfernung vom Städtchen) habe ich eine herrliche Aussicht aufs Meer.

129_07_AusblickNicolasBlick nach links und nach rechts von meinem Logenplatz aus – erfrischende Brise inklusive

129_08_PromenadeDie Promenade gleich links von mir zur Taverne am Wasser hinten links

129_09_Meereinstieg..und ein hübscher Einstieg ins inzwischen sehr angenehm warme Meer

129_11_YachtenGestern haben diese beiden Schiffchen in unserer Bucht übernachtet. Ich denke, dass jede Kabine hinter jedem Bullauge grösser ist als meine ganze ‘Wohnung’.
An Personal mangelt es offenbar auch nicht: sogar für das Ankerlichten heute Morgen standen drei Mann am Bug. Da bin ich aber erleichtert: die Hausfrau muss also kaum selber staubsaugen ..
😊 

129_11b_SonntagStrandbetriebHeute Sonntag ist der Strand ziemlich belebt. Man merkt, dass wir hier nur gerade zwei Autostunden von Athen entfernt sind und dort strengere Abstandsregeln herrschen.
Hinten auf dem Platz sind ein paar Zelte aufgebaut worden im Schatten der dichten Bäume.

Das Jauchzen der Kinder beim Üben des Handstands unter Wasser und fröhliche Gespräche von (stundenlang) im seichten Meer stehenden Erwachsenen schallen über das Wasser. Es ist wirklich schön hier.

Reise-Augenblicke

129_12_TripApollonBeach

129_13_Bay

129_14_NeaKios_FischerhafenNea Kios – am Fischerhafen (ich sammle Häfen, wie es scheint – und dürfte inzwischen etliche Dutzend besucht haben). 

129_15_Hafen

129_16_EpidaurosHafen

129_16_NafplioNafplio. Eine hübsche Stadt, die man unbedingt besichtigen müsste. Ich habe stattdessen unter einer Palme im Rasen gelegen und beschlossen, dass ich wohl doch nicht auf der glühenden Betonplatte beim Hafen-Stellplatz übernachten möchte.

In einer luftigen Taverne habe ich einen Gyros Pita gegessen (also den griechischen Döner Kebab), und bin dann weiter nach Drepano gefahren.

129_16_DrepanoBeach Drepano – bei 40 Grad am glühend heissen Strand – aua !

129_16_DrepanoBarEine himmlisch kühle Brise weht durch die edle Campingplatzbar. Aaaaahhhh !

Der Campingplatz selber liegt allerdings hinter mir zwischen den Hecken und Bäumen, und dort regt sich kaum ein Lüftchen.
Ich bin deshalb am nächsten Tag wieder aufgebrochen auf der Suche nach einem Platz direkt am Meer.

129_16_enRoute

129_xxGegendGegend, so weit das Auge reicht. Hier gibt es noch Weite und Leere.

129_18_KircheImmer wieder schön anzusehen: die griechischen Kirchen mit ihrer markanten Architektur. Leider sind sie oft geschlossen.

129_19_Oleander
Rand-Notiz: Ein ‘Unkraut’ hier heisst Oleander ! Er säumt oft kilometerlang und in allen Farbschattierungen beide Strassenseiten, und auch in ausgetrockneten Flussbetten steht er häufig baumhoch.
Währendem wir Nordländer also unsere kleinen Büsche hegen und pflegen und im Winter in den Keller stellen, schiesst er hier aus dem trockenen Boden wie – wie Unkraut halt..

(wobei die Büsche auf Campingplätzen schon geschnitten und gegossen werden, da sie als Trennhecken dienen sollen und nicht eingehen dürfen). Dennoch: wer hätte das gedacht..

129_20_Vollmond_05Jul2020 Heute ist Vollmond ! Ich vermute ja sehr, dass ihr auch gerade einen solchen habt, aber ‘meiner’ spiegelt sich im Saronischen Golf des  Ägäischen Meeres. Ha ! 😊

Griechische Uhren gehen anders (σιγά, σιγά: gemach, gemach..)

128_01_Sunrise

Siga, siga… Das hört man hier oft (Betonung auf dem ‘a’, also sigaa). Immer schön langsam..

Wir lernen gerade den Unterschied zwischen nordischen und griechischen Zeiteinheiten. Eigentlich… sind wir ja am Dienstag nach Nafplio aufgebrochen. Eigentlich hätten Johnson und Helen dort längst ihr Auto abgeholt. Eigentlich war ich grosszügigerweise bereit, sogar bis Donnerstag auszuharren. Und vielleicht – aber nur vielleicht – ist es nächsten Dienstag tatsächlich soweit.. Ja, ich bin immer noch in Leonidio 😊.

128_02_Johnson&HelenJohnson war auf dem Weg zu seinem abgemachten Termin beim Notar, um sich registrieren zu lassen, als dieser mit dem Motorrad an ihm vorbeifuhr und lachend über die Schulter rief: «Bin gleich wieder da!». Das war er auch prompt – anderthalb Stunden später. Siga, siga..

Der Campingplatzbetreiber hat mir empfohlen, die Platzmiete erst zu bezahlen, wenn wir wirklich abreisen, und zu Johnson meinte er: «Welcome to Greece – get used to it !» 😊

128_03_Taverna

Es ist schön, dass ich problemlos eine Woche – oder so – länger warten kann, und im Dorf werde ich auch schon wie eine alte Bekannte gegrüsst.  Bald habe ich alle Tavernen einmal durch.

128_11_Hauseingang

128_04_GatesZwischenbemerkung: den Katzen hier geht es richtig gut. Sie kommen nur für etwas Gesellschaft, nicht zum Betteln. Die Betreiber des Platzes füttern sie nicht nur, sie lassen auch alle Neuzuzüger gleich unterbinden und impfen. Das ist hierzulande nicht selbstverständlich – und deshalb schön.

128_05_Zikade

(M)Ein Lied an die griechische Singzikade


Juni ist der Monat der Zikaden. Schon der Grieche Anakreon hat eine ‘Hymne an die gottgleiche Singzikade’ verfasst. Um dieses unscheinbare, grillenähnliche Insekt ranken sich zahlreiche Legenden und Mythen. Bei vielen Völkern wurde sie als Sinnbild für die menschliche Seele verehrt und als Symbol für Unsterblichkeit, Wiedergeburt und ein langes Leben.

Da verwundert es nicht, dass sie auch in der Kunst eine grosse Rolle spielt und als schmückende Edelsteinbroschen oder auf Münzen verewigt wurde.

128_06b_MünzeAthen

Anders als Grillen erzeugen Zikaden ihre ‘Musik’ nicht durch das Aneinanderreiben der Beine, sondern durch zwei Trommelorgane am Bauch, deren Schallmembrane durch Muskelkontraktionen zum Klingen gebracht werden.   

Und jetzt kommt’s !
Der gottgleiche Gesang der Zikaden ist schlicht grauenhaft
!

Das schrille, völlig unmusikalische Gerassel geht einem durch Mark und Bein und ist nervenaufreibend !

Das helle Zirpen der Grillen im reifen Kornfeld habe ich immer als ‘Loblied auf den Sommer’ empfunden, aber das hier ist die reine Folter. Und es ist ein einziges Insekt pro Baum, das so einen Lärm macht. Das Biest betreibt ihn gut und gerne eine halbe Stunde lang, ehe es sich kurz ausruht, um dann wieder loszulegen.

128_07_Rassel
Gibt es diese Holzrasseln noch, die wir so gerne um den Stab sausen liessen zur Fasnachtszeit ? Wenn man sich pro Zikade zwanzig solcher Rasseln in einem kleinen Kreis und in voller Aktion vorstellt – und sich selber mittendrin – dann passt das ungefähr.

128_08b_BaumschattenIch weiss das: ich habe mich unter diesen Baum in den Schatten gekuschelt, und das rasselnde Mistvieh wohnt genau über meiner offenen Dachluke und markiert unerschütterlich sein Revier.

Da nur die Männchen ‘singen’ (ha !), hat der alte Xenarchos dazu bemerkt: «Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber». Ist ja gut.

128_12_Sunrise2Da ich dank meinem Mitbewohner bereits lange vor 6 Uhr wach war (siehe Sonnenaufgang oben und ganz oben), habe ich einiges gelesen über diese Tiere – und danach beschlossen, das Männchen auf dem Baum fortan nicht mehr durch ungehaltenes Auf- und Zuscheppern der Dachluke zu unterbrechen in seinem Gesang:

Das arme Ding lebte vier Jahre lang als Raupe tief in der Erde und hat sich von mageren Wurzeln ernährt, ehe es sich verpuppte und sich endlich für sein kurzes geflügeltes Erwachsenen-Gastspiel ans Tageslicht kämpfen durfte. Gönnen wir ihm also die kurze Zeit der Sinnenfreuden im Sonnenlicht.  128_09_Oleander

Nachtrag: Ich bin eben mit dem Velo durch einen Olivenhain gefahren. Auf jedem Baum sitzt eine Zikade, und aus der nötigen Distanz ist der Klangteppich aus Sirren und hellem Ziiiiizzzzzz und Holzrassel-Klappern überhaupt nicht unangenehm und beinahe so etwas wie ‘Ein Loblied an den Sommer’…  😊 Sowas ! 
Wahrscheinlich eignen sich Zikaden einfach nicht als Haustiere..

128_10_ZeltGestern ist ein Grieche mit seiner Frau in ein Zelt eingezogen am anderen Ende des Platzes. Ich weiss nicht, wie sie angereist sind, denn ein Auto ist nirgends zu sehen – bloss die Koffern stehen immer stramm ausgerichtet vor dem Zelt.

Heute Morgen kam der Mann mit einem freundlichen ‘Kalimera’ bei mir vorbei, und dann fragte er mich, ob ich Ärztin sei. Ich habe bescheiden verneint und war milde geschmeichelt, bis mir einfiel, dass unser weisses Kreuz auf der Schweizer Fahne grenzübergreifend von allen Farbenblinden als ‘Rotes Kreuz’ verwendet wird, und dass wir also alle mit so einem ‘Erste Hilfe-Symbol’ auf der Autonummer unterwegs sind.. 😊

128_13_RotweissesKreuzErkenne den Unterschied…
Wenn unser Henri damals ein ‚Hellgrünes Kreuz‘ oder ein ‚Schweizerisches Knallgelbes Kreuz‘ gegründet hätte, wäre alles viel einfacher gewesen. Aber nein….

Arkadiens Leonidio

127_01_Meerplatz

Die junge, nette Zahnärztin Katarina hat mir die Zähne blitzblank poliert für 40 Euro (inklusive Touristenzuschlag..). Na also, geht doch ! Da ich etwas warten musste, bis alle ‘Lockdown-Annullationen’ aufgearbeitet waren, bin ich seit bald 14 Tagen auf dem Campingplatz Semeli in Leonidio – und bereits sehr heimisch am Fuss des Parnon-Gebirges.

127_02_Holzplatz

127_03_StrandIch stehe vorne am Meer, also gehen viele auf dem Weg zum Strand an mir vorbei, Das führt irgendwann zum Plaudern, vor allem mit Leuten, die im Städtchen wohnen und  täglich zum Schwimmen kommen.

127_04_PlakaDie Tavernen im kleinen Hafen Plaka sind gerade einmal fünf Minuten entfernt über den Sandstrand erreichbar, liegen also gleich um die Ecke..

127_05_Johnson&HelenJohnson (Däne/60) und Helen (Zypriotin/52) haben während einigen Jahren ein ‘Yoga-Retreat-Hotel’ geführt in Goa.

Nun sind sie zurück in Europa und wohnen als House-Sitter mitten im Städtchen Leonidio. Hier wollen sie bleiben und Yoga anbieten. Erst wollten sie ein grosses Haus mieten, in welchem sie ihre zukünftigen Kursteilnehmer aus ganz Europa selber betreuen würden.
Erschwingliche Häuser liegen allerdings meist ziemlich weit ausserhalb von Orten; sie müssten ihre Gäste also während deren ganzen Aufenthaltsdauer unterhalten.

Stattdessen werden sie nun die Gäste in Hotels in Leonidio oder in den hübschen Zimmern im Apartment-Haus auf dem Camping Semeli unterbringen. So hat auch die lokale Wirtschaft etwas davon – und sie selber eigene Freizeit. Nun benötigen sie nur noch eine dekorative Terrasse mit Pergola direkt am Meer für die Yoga-Lektionen – und ein kleines Häuschen, in welchem sie selber wohnen.

127_06_Schrein
Die Strasse nach Leonidio. Man hat mir gesagt, dass diese Schreine am Strassenrand (wie der türkisbedachte links) zum Gedenken an Menschen seien, die an dieser Stelle gestorben sind. Himmel, manchmal steht alle hundert Meter einer davon !

Da taucht schon der Verdacht auf, dass hin und wieder einer auf seinem Totenbett röchelt: «Bringt mich zur Strasse – keuch – bringt mich sooofort zur Strasse hoch bei den Engelstrompeten ! Und ich will ein türkises Dach auf meinem Schrein – hust, keuch – und keines von diesen billigen blechernen Häuschen – ich will ein….». Tja, und an dieser Stelle pressiert’s dann mit dem Hochbringen… 😊

127_07_Leonidio

Auch ein pensioniertes französisches Paar ist auf der Suche nach einem Haus. Die Beiden hatten einen grossen Hof in der Ardèche, und erst, als Bruno schwer erkrankte, kamen sie auf die Idee, die 5000 m2 Land voller Bäume und Wiesen zu verkaufen. Er ist inzwischen genesen, und nun stehen sie am Anfang ihres neuen Lebens. Man merkt, dass sie immer gearbeitet hatten: die Zwei wollen noch alles sehen und sind täglich auf stundenlangen Wanderungen in den Bergen unterwegs – als ob sie noch in den Ferien wären… 😊. Das ist schon beeindruckend – und wahrscheinlich sollte ich mir ein Stück davon abschneiden, habe ich doch einige Kilos mehr zu bieten als noch letzten Sommer – und bedauerlicherweise alle am falschen Ort…

127_08_Angelo

Angelo (73) war einst Matrose und kennt sozusagen jeden Hafen der Welt.
Er wurde mit 55 Jahren pensioniert und führt seither ein bescheidenes, sesshaftes Leben in Leonidio – seine Rente von gut 900 Euro im Monat ist doch tatsächlich eine der besseren in dieser Gegend. Vor ein paar Jahren waren es noch 1200 Euro, aber der Staat beschneidet die Renten beinahe jährlich, und er macht sich berechtigte Sorgen, wie weit sie damit noch gehen werden. Angelo bewohnt ein grosses Studio (Monatsmiete 150 Euro) mitten im Städtchen und ist ebenfalls einer der regelmässigen Schwimmer hier.

127_10_MythropolisWir haben zusammen gegessen in der Taverne Mythropolis, in welcher er jeden Abend sein Viertelchen Rosé trinkt.
Die Abendstimmung vor der roten Kalkstein-Felswand war einfach traumhaft. Als die Wand beim Einnachten im Dunkeln verschwand, befand ich prompt, dass die ganze riesige Wand eigentlich dramatisch beleuchtet werden müsste.
127_12_RouteSampatiki

Oder nein, eben nicht ! Wenn ich es mir recht überlege, ist genau diese Einfachheit der grösste Charme der Peloponnes ! Es wird praktisch nirgends Wert auf Prunk und grosse Deko gelegt; bei vielen Dingen hat man auch oft den Eindruck von ‘improvisiert’. Und genau das macht es aus !  Es ist schlicht, echt, natürlich und schön hier. Und so darf es gerne bleiben.

Wobei zum Beispiel die Tische in den Tavernen immer mit Stofftüchern belegt werden für die Gäste. Und mehr braucht es auch nicht, wenn der Blick von diesem Tisch unter der Pergola weit hinaus schweifen kann auf das himmelblaue Meer.

127_11_OlivenbaumJohnson hat mich gefragt, ob er und Helen morgen mitfahren dürften Richtung Norden. Ich hatte dummerweise beim Plaudern erwähnt, dass ich etwa nächsten Dienstag weiterfahren würde; selber schuld. Sie wollen ihr brandneues, gebrauchtes Auto abholen in Argos, etwa anderthalb Autostunden von hier. Ich betrachte es als Wink des Schicksals – gehen wir halt..

127_13_RouteSampatikiDas ist zwar irgendwie schade, denn mir gefällt es hier ganz ausgezeichnet, aber es wird tatsächlich Zeit, nordwärts zu halten, sonst wird das nichts mit dem Zwischenstopp in der Schweiz. Dort habe ich einiges zu erledigen, von der Lebensbestätigung über die Kreditkartenerneuerung bis hin zum Autoservice – und die Autarkie will ich ja auch angehen.

Und ich freue mich auch schon sehr auf das Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden !

127_15_SemeliBeachAber ich habe mich halt auch rasch daran gewöhnt, vor dem Frühstück schwimmen zu gehen, wenn noch niemand sonst unterwegs ist und ich den Strand für mich alleine habe. Danach wasche ich mir das Salzwasser aus den Haaren an der öffentlichen (kalten) Dusche gleich neben meinem Auto und bin erfrischt bis in die Knochen.

Aber he, es gibt ja noch weitere Jahre  😊.
Was zu vermuten war: ich bin mitten im dritten Jahr meiner Reise – und noch überhaupt nicht fertig..

127_16_Flowertree

Johnson hat mir eben eine Nachricht geschickt: Damit sie überhaupt ein Auto kaufen dürfen hier, müssen sie sich registrieren lassen. Und hier wird’s griechisch, denn administrative Dinge dauern ‚griechische Einheiten‘ lang, und die sind deutlich länger als anderswo. Er fragt: «Wäre auch Mittwoch ok statt schon morgen?» Jahaaa, also für mich geht das in Ordnung…  (dass auch Donnerstag tiptop passt, sage ich natürlich erst am Mittwoch 😊…)

127_17_Rita&Barni

Ich bin eben zurück von einem Apéro bei Rita und Barni, den einzigen anderen Gästen auf dem Platz nebst mir. Das Bild habe ich mir von ihrer Homepage geborgt, da ich das Fotografieren vergessen hatte vor lauter Wein, Nüssli und Geschichten..

Die Beiden leben seit 2013 ganz in ihrem schicken, grossen Wohnmobil und kennen sich inzwischen sehr gut aus in Europa. Ich bin immer wieder begeistert von den interessanten Lebensgeschichten der Leute unterwegs.

Beim Pläuscheln sind wir überraschend von einem Gewitter eingeholt worden und haben die Sache deshalb auf eine zweite Flasche Weisswein ausgedehnt, damit ich die fünfzig Meter nach Hause nicht etwa im Regen auf mich nehmen müsse..

127_18_Regenbogen Es ist angenehm kühl geworden – ich werde bestimmt prächtig schlafen.

Vor dem Eindunkeln gab es noch einen herrlichen Regenbogen, und ich könnte schwören, dass die neuen Triebe am dürren Baum in der Bildmitte rechts alle heute Abend gewachsen sind ! Phänomenale Natur !

127_19_RoutePoulithra

127_20_BuchtPoulithra